Bild: Forschungsprojekt AfD-Pegida-Tiers/dpa; Montage: bento
Ganz zufällig vor der nächsten Pegida-Demo.

In den vergangenen Jahren galt für Dresden: Montag ist Pegida-Tag. Die fremdenfeindliche Bewegung meldet für den Tag ihre Demonstrationen an, das weltoffene und tolerante Dresden blieb hingegen nahezu unsichtbar. Für diesen Montagabend hat Pegida unter anderem den AfD-Politiker André Poggenburg und den rechten Verleger Jürgen Elsässer geladen.

Allerdings gibt es regelmäßig Tausende Demonstranten, die sich Pegida entgegenstellen. Und die bekommen nun von prominenter Seite Unterstützung: von Jan Böhmermann.

Böhmermanns Anti-Troll-Armee hat in der Nacht Durchhalte-Parolen an die Dresdner Frauenkirche projiziert. 

Der Moderator hatte vor anderthalb Wochen im "Neo Magazin Royale" zur Gründung einer Netz-Gemeinde aufgerufen, die dem Hass von Rechten "Liebe und Vernunft" entgegenstellen soll. 

Dazu hatte Böhmermanns Team einen Server unterwandert, auf dem sich mehrere rechtspopulistische Trolle regelmäßig organisieren. Seine Aktion nannte er "Reconquista Internet".

Nun scheinen die Bilder auf der Frauenkirche die erste sichtbare Aktion von "Reconquista Internet" zu sein.

Auf der Projektion ist zu lesen: "Durchhalten, freundliches Dresden! Ihr seid nicht alleine." Unter dem Satz leuchtet das Logo der Reconquista-Gruppe. 

Böhmermanns Aktivisten haben die Bilder selbst auf Twitter geteilt:

Außerdem dieses Gedicht:

Die Bilder scheinen authentisch zu sein, auch andere Nutzer haben eigene Aufnahmen der Aktion auf Facebook geteilt. 

Böhmermann selbst hat am Montag einen Aufruf geteilt, sich der Demo "Nationalismus raus aus den Köpfen" anzuschließen, die am Abend gegen Pegida auf die Straße gehen will.

Im Netz organisiert sich "Reconquista Internet" über die Plattform Discord. Dort zählt die Gruppe mittlerweile nach Angaben Böhmermanns mehr als 44.000 Mitglieder – sie wäre damit stärker als die AfD

Böhmermann sagte vergangene Woche, seine "antipopulistische Troll-Armee" sei eher aus Versehen gegründet worden und nun zur echten Bürgerrechtsbewegung angewachsen. 

Ein erster Auftrag an die Bewegung: Dresden im Netz positiv bewerten und die vielen liberalen Aktionen der Stadt in die Öffentlichkeit bringen. 

Mehrere Bündnisse und Aktionen wurden vorgestellt, die man in einem Post erwähnen kann. Dazu sollen unter anderem die Hashtags #DurchhaltenDresden oder #Dresdenistnichtalleine benutzt werden.

Die Teilnehmerzahlen der Rechtspopulisten gehen seit Jahren zurück. In der Vorwoche gab es keine eigene Demo – stattdessen hatte die Pegida eine AfD-Kundgebung in Zwickau unterstützt. Dort waren etwa 1500 Teilnehmer zusammengekommen. (Sächsische Zeitung)

Auf ihrem Höhepunkt – vor drei Jahren – waren es noch 25.000 Demonstratinnen und Demonstranten.

Korrektur: In einer ersten Version hatten wir André Poggenburg als früheren AfD-Politiker bezeichnet. Das ist nicht richtig – Poggenburg trat zwar als Fraktionschef der AfD in Sachsen-Anhalt zurück, ist aber weiterhin in der Partei.


Today

Frankfurt gönnt sich einen "Hauptstadt-Beauftragten" – und der sucht sich erst mal eine Luxuswohnung
Was der Beauftragte überhaupt macht, ist auch nicht so ganz klar.

Ende April sorgte eine Personalie für Unmut im Frankfurter Rathaus. Der Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) beschloss, seinem bisherigen Büroleiter eine neue Position zu geben, die keiner so recht verstand: Martin Wimmer wurde zum "Hauptstadt-Beauftragten" befördert. (Bild)

Als solcher soll er in Berlin die Interessen der Stadt Frankfurt vertreten – was auch immer das heißen soll. Denn eigentlich gibt es für solche Aufgaben schon die hessische Landesvertretung. Einen eigenen Hauptstadt-Gesandten hat außer Frankfurt keine andere Stadt Deutschlands.

Außerhalb der SPD-Fraktion gab es deshalb viel Kritik an dieser Entscheidung – die CDU-Politikerin Lucia Puttrich beispielsweise beschwerte sich: "Der Oberbürgermeister zahlt 7000 Euro für einen Briefkasten am Potsdamer Platz. Den kann er billiger haben – die Hessische Landesvertretung liegt nur drei Minuten entfernt." Damit spielte sie auf das Gehalt Wimmers an – bereits vor seiner Beförderung verdiente er als Amtsleiter etwa 7.500 Euro.