Bild: Getty Images
Forschende haben sich "die Abgehängten" genauer angesehen.

Trump-Wähler gelten für viele als die Abgehängten der USA: weiße Menschen aus der Arbeiterklasse, von der Gesellschaft vergessen, sie haben keine Jobs und keine ökonomische Unsicherheit. 

Ted Cruz beschreibt es in einem Beitrag für das Time Magazin so: 

Donald Trump ist die Blendgranate, die von den Vergessenen der USA nach Washington geworfen wurde.
Ted Cruz, republikanischer Senator in Texas

Aber das stimmt so nicht ganz. Trump-Wähler leben zwar oft in Gegenden, die von ökonomischem Abstieg betroffen waren, aber sie sind meist nicht persönlich davon betroffen. (Zeit Online)

Eine neue Studie der University of Pennsylvania hat sich die Wähler jetzt genauer angeschaut. 

Das Ergebnis: Trump-Wählern geht es vor allem darum, ihren dominanten Status in der amerikanischen Kultur und in der Politik zu erhalten.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Es wurde eine repräsentative Gruppe von Wählern zwischen 2012 und 2016 untersucht – genauer: Wähler, die zuerst Barack Obama gewählt und dann vier Jahre später Trump ihre Stimme gaben. (Mashable)

Was sind die Ergebnisse?
  • Trump-Wähler haben weniger Angst vor einem eigenen finanziellen Abstieg. Sie fürchten, dass die USA ihre globale Macht und ihren Einfluss verliert.
  • Sie glauben, dass demographische Veränderungen dazu führen werden, dass Schwarze und ethnische Minderheiten irgendwann in der Überzahl sein werden. 
  • Die Forscherinnen und Forscher haben keine Anzeichen dafür gefunden, dass ökonomische Unsicherheit ein Faktor für eine größere Unterstützung von Trump wäre. 
  • Wenn Menschen glauben, dass Weiße mehr diskriminiert werden als Schwarze, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie Trump wählen. Ebenso wenn sie glauben, dass Christen und Männer mehr diskriminiert werden, als Muslime und Frauen. 
  • Trump-Wähler fühlen sich mehr bedroht von den zunehmenden Erfolgen schwarzer Menschen, als von den negativen Stereotypen, die sie über sie haben.
Was bedeutet das?

Die Ergebnisse könnten den Diskurs über die Wählerschaft von Trump verändern. Für abgehängte Menschen aus der Mittelklasse, die sich um ihre Zukunft sorgen, kann man Verständnis aufbringen. Mit Menschen, die Angst vor Gleichstellung haben und vor dem Verlust der eigenen Macht- und Dominanzposition in der Gesellschaft, fällt das schwerer. 

Es zeigt auch, was diese Menschen sich erhoffen: 

Trump soll den Privilegierten ihre Privilegien lassen, keinen Fortschritt und keinen Wandel bringen. America First. 
  • Lässt sich das auch auf Deutschland übertragen?

Ganz ähnlich wie die Trump-Wähler in den USA werden auch die AfD-Wähler in Deutschland gerne als die Abgehängten der Gesellschaft bezeichnet. Und tatsächlich stimmt es auch hier nicht wirklich.

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) aus dem Jahr 2016 hat allerdings herausgefunden, dass die AfD eine "Partei der Besserverdienenden" ist. 33,9 Prozent der AfD-Wähler gehören zum reichsten Fünftel der Deutschen. Und nicht einmal zehn Prozent von ihnen macht sich große Sorgen um ihre ökonomische Lage. (Welt.de)

Der Soziologe Holger Lengfeld fand im Juni 2017 heraus, dass unter AfD-Wählern sogar mehr Menschen als in anderen Parteien mit überdurchschnittlichem Einkommen zu finden sind. (Zeit Online)

Wenn Menschen die AfD unterstützen, dann oft nicht aus ökonomischen Gründen.
Holger Lengfeld, Soziologe

Die größte Sorge der AfD-Wähler sind nämlich immer noch Immigranten. 82 Prozent von ihnen fürchten die Zuwanderung nach Deutschland. (SPIEGEL ONLINE)

"Wenn es hier einen klaren Angstfaktor gibt, dann ist es aller Voraussicht nach die Angst davor, die eigene Identität, die gemeinsame kulturelle Identität des Deutschseins zu verlieren", sagte Lengfeld im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur

Sowohl in den USA als auch in Deutschland werden Rechtspopulisten und Fremdenfeinde gerne als "der kleine Mann" verharmlost. In Wahrheit bangen sie aber oft um ihren eigenen Status und fürchten eine Gesellschaft, in der Gleichberechtigung herrscht – und ihre eigenen Privilegien verloren gehen. 


Gerechtigkeit

Diese Menschen im Rollstuhl zeigen, dass sie alles sind – nur nicht "traurig"
Egal, was manche Leute sagen.

Ken Jennings ist eigentlich ziemlich schlau. In den USA wurde er zum Star, weil er 74 Mal in Folge die legendäre Quizshow "Jeopardy" gewann.

Aber manchmal sagen auch schlaue Leute dumme Dinge. So geschehen auch bei Ken Jennings. Denn der setzte 2014 diesen Tweet ab: