In weniger als einem Monat wählen die USA einen neuen Präsidenten – nun fand das zweite von drei TV-Duellen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump statt. Beide waren voller Ablehnung und nicht immer "presidential".

Die Ausgangslage:
  1. Clinton bewirbt sich für die Demokraten, Trump für die Republikaner. Beide liegen in den Umfragen nur wenige Prozentpunkte auseinander (realclearpolitics.com).
  2. Die "Washington Post" veröffentlichte am Freitag ein Video, in dem Trump mit sexistischen Äußerungen auffällt. Obwohl es zu seinem Image passt, war der Aufschrei in den USA enorm: Führende Republikaner distanzierten sich (bento I), Netzaktivistinnen empörten sich (bento II), Robert DeNiro veröffentlichte ein Wutvideo (bento III). Trump selbst musste sich entschuldigen.
  3. Am Sonntag reagierte die Trump-Seite: Die dem Kandidaten nahestehende rechte Seite "Breitbart" veröffentlichte ein Interview mit drei Frauen, die Bill Clinton der Vergewaltigung beschuldigen. Bill ist der Ehemann von Hillary Clinton und ehemaliger Präsident. Die Frauen sagen, sie würden sich vor einer Präsidentin Clinton fürchten.
  4. Das Duell war, anders als das erste Aufeinandertreffen, ein sogenanntes "town meeting". Das bedeutet, US-Bürger durften Fragen einsenden, die die Moderatoren dann den Kandidaten stellen. Die sexistischen Äußerungen Trumps spielten dabei kaum eine Rolle. Stattdessen waren beliebt: Fragen zur Freiheit, Waffen tragen zu dürfen und zu illegaler Einwanderung (presidentialopenquestions.com). Beides sind die Kernthemen Trumps.
Waffen: Für Hillary Clinton ist Waffengewalt in den USA eine "Epidemie". Sie setzt sich für strengere Gesetze ein.
"Wir müssen die Waffen aus den Händen derer wegnehmen, die sie nicht tragen sollten."
Klima: Sie will mehr erneuerbare Energie. "Wir schulden es den zukünftigen Generationen, gemeinsam gegen den Klimawandel zu kämpfen."
Bei der Außenpolitik setzt sie auf Verständigung: "Wir müssen mit muslimischen Gemeinden daheim und im Ausland zusammenarbeiten, statt sie auszugrenzen."
Immigration: Clinton will den Zuzug von Migranten erleichtern und ihre Integration verbessern. Unregistrierte Gastarbeiter sollen schneller US-Bürger werden können.
Innenpolitik: Für Clinton ist die ungleiche Behandlung von Schwarzen und Weißen eines der größten Probleme beim Thema Innere Sicherheit.
Außerdem fordert sie eine Justizreform: "Familien werden auseinandergerissen weil zu viele Menschen inhaftiert werden.“
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Das TV-Duell – das waren die fünf wichtigsten Sätze:
1. "You'd be in jail."

Trump kündigt an, als Präsident einen Sonderermittler auf den Mail-Skandal von Clinton anzusetzen. Sie hatte als US-Außenministerin berufliche Mails von einem privaten Account verschickt – viele US-Bürger glauben nun, sie habe etwas zu verbergen. Trump kommt mit der Ankündigung im Publikum gut an, Clinton fällt keine schlagfertige Entgegnung ein.

2. "When they go low, we go high."

Dieser Satz kommt von Michelle Obama – und ist die stärkste Kampfansage für Frauen, die sich Sexismus ausgesetzt sehen. Clinton zitierte ihn ganz beiläufig am Abend. Und punktet damit doppelt: als Signal an alle Frauen und als Verneigung vor den Obamas.

Trump reagierte hingegen auf alle Nachfragen zu seinen sexistischen Äußerungen nur ausweichend. Oder versuchte, erneut die Vorwürfe gegen Bill Clinton ins Spiel zu bringen: "There's never been anybody in the history of politics that has been so abusive to women."

3. "Believe me, she has tremendous hate in her heart. When she said 'deplorables,' she meant it."

...sagt Trump über Clinton und meint damit ihre abfälligen Kommentare über seine Anhänger. Clinton hatte potenzielle Wähler von Trump als "erbärmlich" bezeichnet. Es erinnert an deutsche Politiker, die Mitläufer bei der fremdenfeindlichen Pegida als "Pack" bezeichneten.

Auch in den USA hatte das bei Trumps Anhängern weniger ein Umdenken bewirkt – sondern ein umso entschlosseneres "Jetzt erst recht". Clinton musste sich entschuldigen und erklären. Sie sagte, sie meint eigentlich Trumps Politik, nicht seine Anhänger.

4. "This is going to be the great Trojan Horse of our time."

Insgesamt gingen die Moderatoren Trump deutlich härter an und versuchten ihn vor allem auf seine rassistischen Äußerungen festzunageln. Für Trump waren das aber keine Angriffe, sondern Geschenke. Auf die Frage, ob er weiterhin einen Einreisebann für Muslime unterstütze, warnte er vor Flüchtlingen aus Syrien. Man wisse nicht, wer sie wirklich seien – sie ins Land zu holen, sei ein Trojanisches Pferd.

Waffen: Donald Trump ist Anhänger des "Second Amendment", das US-Bürgern das Recht auf Waffen zuschreibt.
Er ist gegen strengere Waffenkontrollen: "Gesetzestreue Menschen sollen die Waffen besitzen dürfen, die sie haben wollen."
Klimapolitik: Trump hält die Erderwärmung für eine Lüge und Klimaschutz daher für unnötig.
Außenpolitik: Trump hält die Kriege im Nahen Osten für einen Fehler und den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" für gescheitert.
Kriminalität: Trump fordert ein hartes Durchgreifen der Polizei.
"Wir müssen Recht und Ordnung zurückbringen. Illegale Migranten haben Waffen. Und sie erschießen Leute."
Immigration: Trump kämpft für ein verschärftes Einwanderungsgesetz und den Bau einer Mauer zu Mexiko.
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5. "I'll tell it, like it is: She's a fighter!"

Am Ende des Duells kam die wohl beste Frage aus dem Publikum. Trotz all des Hasses: Beide Kandidaten sollten etwas nennen, was sie am anderen gut finden. Clinton redete lang und lobte umständlich Trumps Kinder, die bedingungslos zu ihm stünden. Trump selbst fasste sich kürzer und lobte Clintons Durchhaltewillen: "She doesn't quit."

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