Bild: Reuters / Bobby Yip

"Fire and fury." Damit drohte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch den Nordkoreanern. In der Nacht zum Freitag legte er noch mal nach: Nordkorea sollte "sehr, sehr nervös" sein, wenn es auch nur an einen Angriff auf die USA denke. (SPIEGEL ONLINE)

  • Der Grund: Das Regime in Pjöngjang soll kurz davor stehen, einsatzfähige Atomraketen zu besitzen, die tausende Kilometer weit fliegen könnten. 

Nordkorea antwortete auf seine Art: Noch für diesen Monat kündigte das Regime von Diktator Kim Jong Un einen Angriffsplan auf eine mit tausenden Soldaten besetzte US-Militärbasis auf der Pazifikinsel Guam an. 

Wie groß ist die Gefahr wirklich? Wir haben mit dem Korea-Experten Aurel Croissant gesprochen.

Wer ist Prof. Aurel Croissant?

Ein Politikwissenschafter aus Heidelberg. Als wir mit Prof. Aurel Croissant über Nordkorea sprechen wollten, hieß es zunächst, er sei derzeit nicht erreichbar. 

Wenige Minuten später meldete sich Croissant dann doch noch – aus Bangkok, kurz vor Start einer Reise nach Myanmar. Der 1969 geborene Asien-Experte kennt die Region gut, als Student lebte er längere Zeit selbst in Südkorea. 

Kommt es jetzt zum Krieg? 

Trump droht Nordkorea, das Regime antwortet mit Angriffsplänen auf eine US-Basis im Pazifik. Die Aktienkurse von Waffenfirmen schnellen in die Höhe (SPIEGEL ONLINE). Plötzlich scheint eine Eskalation des Konflikts denkbar. 

Für eine solche Eskalation kommen nach Ansicht Croissants derzeit vor allem diese zwei Szenarien in Frage: 

  1. Die USA greifen Nordkorea mit konventionellen Waffen an. Problem: Die USA haben nach Einschätzung Croissants derzeit nicht die Möglichkeit, Nordkorea militärisch "zu zerschlagen". Deshalb würde vermutlich schon ein solcher Angriff im Desaster enden.
  2. Ein nuklearer Erstschlag der USA. Auslöser dafür könnte beispielsweise der Abschuss einer nordkoreanischen Interkontinental-Rakete in Richtung der US-Basis auf Guam sein. Einen solchen Angriff hält Croissant "bei aller Besorgnis um den Zustand der Trump-Regierung" allerdings nur für sehr schwer vorstellbar, weil die Folgen eines Atomangriffs auf Nordkorea vollkommen unkalkulierbar wären.

Wahrscheinlicher ist für Croissant deshalb eine dritte Option: Dass der Streit weiterhin politisch, also durch Drohungen, Sanktionen und Verhandlungen, ausgeführt wird. Selbst wenn die USA Nordkorea angreifen wollen, wäre diese Strategie sinnvoll, weil sie dadurch mehr Zeit erhielten. 

Ein Krieg ist derzeit also immer noch unwahrscheinlich.

Hat Nordkorea tatsächlich einsatzbereite Atomwaffen?

Grund für die jüngsten Drohungen der USA waren Berichte, laut denen Nordkorea kurz davor steht, einsatzfähige Interkontinentalraketen mit Atomsprengköpfen zu besitzen. Damit wäre plötzlich sogar ein Angriff auf die nordamerikanische Pazifikküste denkbar. 

Bislang gingen Beobachter davon aus, dass das Regime in Pjöngjang für diesen Schritt deutlich länger braucht. Das waren bislang die Reichweiten der nordkoreanischen Raketen:

Der Asien-Experte Croissant bezweifelt aber, ob Nordkorea wirklich schon in der Lage ist, solche Waffen einzusetzen: "Nordkorea hat sehr wahrscheinlich keine einsatzbereiten, erfolgreich getesteten Interkontinentalraketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt sind." 

Dass Nordkorea an solchen Waffen arbeitet, ist für Croissant dagegen klar. Fragwürdig ist nur, ob sie bereits funktioniert. Davon geht Croissant derzeit nicht aus.

Welche Rolle spielen die Trump-Tweets in diesem Konflikt?

Trump twittert oft spontan und uneindeutig. Selbst die eigene Regierung weiß nicht immer, was der Präsident im Internet bereits angekündigt hat. Viele Beobachter schätzen, dass Drohungen wie "fire and fury" vor allem für die eigenen Anhänger gedacht sind, die den Präsidenten für solche Sätze feiern. 

Genau das könnte in einem internationalen Konflikt – egal, ob mit konventionellen oder atomaren Waffen – jedoch schnell zur Gefahr werden, glaubt Prof. Croissant:

Trump fehlt offenbar das Verständnis oder der Wille, die Folgen seiner Aussagen zu berücksichtigen.
Prof. Aurel Croissant

Trotzdem, glaubt der Nordkorea-Experte, könnte hinter den Aussagen Kalkül stecken: "Man könnte die amerikanische Politik auch so interpretieren, dass hier ein 'Feiglingspiel' gespielt wird. Das heißt, es wird an der Eskalationsschraube gedreht, um Nordkorea zum Einknicken zu bewegen. Das funktioniert aber nur, wenn glaubwürdiges Drohpotential vorhanden ist." 

Genau daran zweifelt Croissant aber: Den USA fehlten angesichts der vielen anderen militärischen Konflikte derzeit schlicht die Ressourcen.

Gerade deshalb könnten die Trump-Tweets aber noch zur Gefahr werden – wenn sie das Regime weiter ermutigen, die Weltgemeinschaft zu provozieren und das Atomprogramm unverändert fortzusetzen

So könnten die folgenlosen Dauerdrohungen den Konflikt nur noch weiter zuspitzen:

Es mag zynisch klingen, aber die Unwägbarkeit scheint mir weniger in Pjöngjang verortet zu sein.
Prof. Aurel Croissant

Tech

V3rd@mMt! Alles, was wir über Passwörter gelernt haben, stimmt nicht

Eine Mischung aus Groß- und Kleinschreibung, dazwischen Zahlen und Sonderzeichen: So sieht ein sicheres Passwort aus, oder? Zum Beispiel Pa$$w0rt oder G3h31mn!s. Und am besten ändert man dieses Passwort alle 90 Tage, richtig?

Falsch.

Das sagt jetzt ausgerechnet der Mann, der uns diese Regeln überhaupt erst eingebracht hat: Bill Burr. Vor 14 Jahren veröffentlichte er einen technischen Leitfaden namens "NIST Special Publication 800-63. Appendix A". Mittlerweile ist er 72 Jahre alt, im Ruhestand – und er bereut, was er damals geschrieben hat. (Wall Street Journal)