Die Sendung erinnert an eine Lobeshymne auf Autokraten.

US-Präsident Donald Trump hat ein Problem mit der Presse. Viele Zeitungen und Fernsehsender würden zu negativ über ihn berichten, zu kritische Fragen stellen und überhaupt alles immer nur schlecht machen. Sie sind für ihn daher "Fake News" – selbst, wenn sie eigentlich nichts anderes machen, als Trumps Lügen aufzudecken.

Nun hat Trump auf Facebook einen eigenen "realen" News-Kanal gestartet – in dem alles geschönt ist.

Am Sonntag erschien die erste Folge, moderiert von Trumps Schwiegertochter Lara Trump. Wöchentlich soll es neue Updates geben.

Die Nachrichtensendung geht nur etwas mehr als zwei Minuten, steigt aber mit klarer Haltung ein:

"Ich wette, ihr habt noch gar nicht von all den guten Leistungen des Präsidenten diese Woche gehört, weil es da draußen so viele Fake News gibt."
Lara Trump

Lara Trump ist die Frau von Trumps Sohn Eric und organisiert bereits die Wahlkampagne für den Wahlkampf 2020 (AP). Jetzt ist sie das Gesicht der News-Sendung. Sie listet vor allem Erfolge auf: Trump hat Jobs geschaffen, Trump hat sein Gehalt gespendet, Trump ist "über sich hinausgewachsen", um Soldaten mit der Medal of Honor auszuzeichnen.

Hier ist der Beitrag:

Want to know what President Trump did this week? Watch here for REAL news!

Posted by Donald J. Trump on Sonntag, 30. Juli 2017
Warum ist das wichtig?

Das "Real News"-Format suggeriert, klassische Medien würden nicht über Trumps Erfolge berichten. 

Tun sie aber: CNN berichtet über Trumps positive Job-Bilanz, Trumps Gehaltspenden stehen unter anderem bei USA Today und selbst die Verleihung der Medal of Honor wird erwähnt – unter anderem von der von Trump ständig als Fake beschimpften "New York Times".

Was das Format hingegen verschweigt, sind die Probleme, die es im Weißen Haus in der vergangenen Woche gab: 

  • Zum Beispiel, dass es die Republikaner schwer haben, Trumps mangelhafte Gesundheitsreform durch den Senat zu bekommen (bento).
  • Oder dass Trump Transgender nicht mehr in der US-Armee erlauben will (bento).
  • Oder dass sein (mittlerweile wieder gefeuerter) Kommunikationschef Anthony Scaramucci über andere Regierungsmitglieder lästert (bento).
  • Und Trump als Reaktion auf die Streitigkeiten am Samstag seinen Stabschef feuerte (bento).
Die "echten" Nachrichten mögen nicht falsch zeigen – zeigen aber so nur ein unvollständiges Bild. Das ist gefährlich.

Knapp 2 Millionen Menschen haben das Video auf Facebook gesehen. Trump selbst sagt, es sei nötig, so die zu erreichen, die sonst nur "Fake News" der klassischen Medien erhalten würden:

  • Daran stimmt: Politiker sollen auf sozialen Netzwerken vertreten sein und ihre Arbeit so transparent wie möglich präsentieren. Auch Angela Merkel hat einen eigenen Podcast und berichtet ihre Arbeit. 
  • Falsch ist aber: Den Bürgern zu suggerieren, dass es sich bei solchen Präsentationen um unabhängige Nachrichten handelt. Genau das sind sie nicht.

Trumps Hetze gegen unabhängige Berichterstattung schadet einer offenen Gesellschaft und verhindert eine eigene Meinungsbildung. 

Die Lob-News seiner Schwiegertochter erinnern stattdessen an das, was Moderatoren in Autokratien über ihre Herrscher sagen.

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