Vor genau 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Fast zehn Millionen Soldaten und sieben Millionen Zivilisten hatten darin ihr Leben verloren, bevor Deutschland und Frankreich am 11. November 1918 ein Waffenstillstandsabkommen unterschrieben. Ein großes Datum also für Europa. 

Angela Merkel und Emmanuel Macron trafen sich daher bereits am Samstag, um am Ort des Waffenstillstandes in Compiègne der Gefallenen zu gedenken und die heutige deutsch-französische Freundschaft zu feiern (SPIEGEL ONLINE). Dabei sind schmusig-rührende Bilder wie dieses entstanden:

(Bild: dpa)

Eigentlich war geplant, dass US-Präsident Donald Trump ebenfalls an einer Gedenkfeier teilnimmt – für die gefallenen amerikanischen Soldaten. Trump war extra für diesen Anlass nach Frankreich gereist. 

Doch dann geschah etwas, das den Plan ruinierte: Es regnete.

(Bild: Giphy )

Trump sagte den Termin ab und blieb stattdessen in seinem Hotel in Paris. Statt im Regen stand der US-Präsident nun in einem Shitstorm.

Der Grund für die Absage war offiziell, dass Trumps Helikopter bei Regen nicht fliegen könne (Guardian). Während viele daraufhin anmerkten, Trump hätte auch fahren können, posteten einige Bilder wie dieses:

(Mehrere Hubschrauber werden für den US-Präsidenten unter dem Namen "Marine One" eingesetzt. Am häufigsten verwendet wird ein Hubschrauber des Typs "Sea King", der von der US-Küstenwache zur Seenotrettung eingesetzt wird.)

Der ehemalige US-Außenminister John Kerry schrieb auf Twitter: 

"Präsident Trump taucht nicht auf, wegen Regentropfen? Diese Veteranen, die zu ehren der Präsident sich nicht die Mühe machte, haben im Regen, im Schlamm und im Schnee gekämpft. Viele sind in den Gräben gestorben im Kampf um Freiheit. Regen hat sie nicht aufgehalten und hätte auch keinen amerikanischen Präsidenten aufhalten sollten."

Der britische Abgeordnete und Enkel von Winston Churchill, Nicholas Soames, schrieb: 

"Sie starben im Angesicht des Feindes und dieser erbärmliche unangemessene Donald Trump konnte nicht mal dem Wetter standhalten, um den Gefallenen seinen Respekt zu erweisen." Und dann im Hashtag: "Er ist nicht fähig, dieses großartige Land zu repräsentieren."

Nicht nur Politiker regten sich auf, sondern auch ganz normale Leute. So wie dieser Mann aus Chicago, der sich vorstellt, was Trump wohl stattdessen gemacht hat:

"Trump weigert sich, sein Pariser Hotel heute Morgen zu verlassen und mit Macron und Merkel die gefallenen Amerikaner des Ersten Weltkriegs zu ehren. Trump ist aktuell in seinem Hotel, twittert und guckt Fox News."

Viele merkten auch an, dass Trump Hillary Clinton mal für etwas scharf kritiserte, das weit weniger gravierend war:

"Hillary hatte eine verdammte Lungenentzündung, hat trotzdem eine 9/11-Gedenkstätte besucht und ist umgekippt. Trump und seine Unterstützer sind durchgedreht und haben gesagt, sie werde sterben. Trump will nicht mal ein paar Minuten im Regen stehen, um Weltkriegsveteranen zu ehren. Es ist erstaunlich."

Andere brauchten gar keine Worte, um auf die Absurdität von Trumps Absage hinzuweisen:

Aber vielleicht sollte man nicht so hart zu Donald Trump sein. Schließlich kennen wir seit Kurzem den Grund, warum er nicht im Regen rausgeht.

Er weiß einfach nicht, wie man einen Regenschirm schließt. Einen weiteren unangenehmen Moment wie diesen wollte er sich also sicherlich ersparen:


Gerechtigkeit

Generation Rechtsruck: Wie die AfD mich politisch machte

Meine Jugend verbrachte ich in einer großen Blase: Ich wuchs auf zwischen zurechtgestutzten bayrischen Vorstadthecken in einer Doppelhaushälfte, die ich mir mit meinen zwei älteren Schwestern und Beamteneltern teilte. Ich besuchte das Gymnasium, fuhr auf jede Klassenfahrt mit – wir hatten nie zu viel Geld, aber auch nie zu wenig, die klassische Mittelschicht. Meine Probleme waren die nächste Matheklausur oder der verpasste Schulbus. Die politische Situation unseres Landes? Ging an mir vorbei. 

Meine erste politische Erfahrung – wenn man es denn so nennen kann – hatte ich mit 16

Ich sah das erste Mal bewusst ein Wahlplakat im Zuge der Bundestagswahl 2013 – von der AfD. Wer oder was diese Partei war, das wusste ich nicht. Trotzdem belächelte ich die Forderung auf dem Plakat, aus dem Euro auszusteigen. 4,7 % der Wählerinnen und Wähler belächelten das Parteiprogramm damals nicht – dieser Wert sollte sich vier Jahren später fast verdreifachen.