Ein Blick auf sein Twitter-Profil genügt.

Mit Revolutionen ist es oft so: Sie beginnen laut und ereignisreich, doch die wahren Veränderungen finden erst statt, wenn die Öffentlichkeit nicht mehr hinschaut. So ist es auch mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten.

Es war vor allem das junge Amerika, das über den Sieg des Immobilien-Milliardärs entsetzt war. In Amerika selbst, wo ein großer Teil der Erstwähler für seine Rivalin Hillary Clinton gestimmt hat – aber auch in Deutschland, wo Trumps radikale Äußerungen über Minderheiten und seine frauenfeindlichen Ausfälle viele schockiert haben.

Deswegen lohnt es sich, in diesen Tagen nicht wegzuschauen. Denn der Charakter der amerikanischen Demokratie droht sich schon jetzt zu verändern. Manch einer hoffte, dass Trump durch die Wahl seine radikale Attitüde ablegen würde.

Aber: Trump ist gefährlich. Und er bleibt gefährlich.

Da wären zum Beispiel seine Mutmaßungen über eine angebliche "Wahlfälschung" (bento I). Nachdem bekannt wurde, dass die Stimmen in einigen entscheidenden Staaten neu ausgezählt werden könnten, schrieb er in einem Tweet, dass "Millionen" Wähler illegal ihre Stimme abgegeben hätten. Zu seinen Ungunsten, selbstverständlich.

Ein designierter Präsident behauptet, dass es bei seiner Wahl massenhaft zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist: Das gab es bisher noch nie. Für diesen schwerwiegenden Verdacht lieferte er freilich keinerlei Beweise. Fakten zählen für Trump nicht. Entscheidend ist, dass bei seinen Anhängern irgendetwas von den Behauptungen hängen bleibt.

Mit dieser Strategie gefährdet der künftige US-Präsident das Vertrauen in demokratische Institutionen:

Wer soll schon an den Wert von Wahlen glauben, wenn am Ende womöglich doch Betrug mit im Spiel ist?

Trumps Twitter-Account mit 16,4 Millionen Followern ist ein sehr mächtiges Werkzeug für den künftigen US-Präsidenten, um gezielt Unwahrheiten und Gerüchte zu streuen. Es gibt dabei einige Parallelen zur staatlich gelenkten Propaganda in Russland, der es auch nicht darum geht, "legitime Gegenmeinungen" zu verbreiten, sondern durch gezielte Falschbehauptungen demokratische Diskussionsprozesse zu zerstören, wie der US-Historiker Timothy Snyder von der Uni Yale in diesem Vortrag auf YouTube darlegt.

Snyder meldete sich vor einigen Tagen mit einem viel beachteten Facebook-Posting zu Wort, in dem er 20 Ratschläge zur Verteidigung der Demokratie gab. Punkt acht:

Glauben Sie an Wahrheit. Den Glauben an Fakten aufzugeben bedeutet, den Glaube an Freiheit aufzugeben.
Timothy Snyder

Americans are no wiser than the Europeans who saw democracy yield to fascism, Nazism, or communism. Our one advantage...

Posted by Timothy Snyder on Dienstag, 15. November 2016

Mitte November empfing der künftige US-Präsident Vertreter der Fernsehsender zu einem Gespräch. Anfangs hofften die Journalisten auf einen Gedankenaustausch. Doch Trump schimpfte, darüber, dass die Sender "unvorteilhafte Bilder" von ihm verwendet hätten. Die Verantwortlichen von CNN soll er als "Lügner" bezeichnet haben, außerdem seien "die Medien" ganz generell "unehrlich" in ihrer Berichterstattung während des Wahlkampfs gewesen.

Eine anonyme Quelle sagte der "New York Post" hinterher, die Veranstaltung habe sich "wie ein verdammtes Erschießungskommando" angefühlt (Politico).

Damit wäre alles zu Trumps Verhältnis zu Medienfreiheit gesagt: Sie passt ihm nur dann, wenn sie dem Politiker Trump zuträglich ist.

Auf Twitter machte er später "die Medien" für eine angebliche Falschberichterstattung über seine Wahlmanipulations-Vorwürfe verantwortlich.

Nun könnte man hoffen, dass all diese Äußerungen nur bei einem Teil der Wähler verfangen. Bei dem Trump-Fans, die bei der Wahl – trotz des Sieges von Trump – zahlenmäßig in der Minderheit waren.

Leider steht zu befürchten, dass die einmal gesäten Zweifel an demokratischen Institutionen bei einer viel größeren Zahl von Menschen auf offene Ohren stoßen. Und das hat mit dem Verhältnis der Amerikaner zur Demokratie zu tun.

Die jungen Amerikaner glauben nicht mehr an die Demokratie

Die Wissenschaftler Robert Stefano Foa und Yasha Mounk veröffentlichten im Sommer im "Journal of Democracy" ein beunruhigendes Paper mit dem Titel "The Democratic Disconnect".

Ihr Befund: Die Zufriedenheit mit der Demokratie als Staatsform befindet sich in vielen westlichen Staaten auf dem Rückzug. Ganz besonders aber bei den jungen Amerikanern.

Mittlerweile glauben ein Viertel der 16- bis 24-Jährigen in den USA, dass Demokratie ein "schlechter" oder "sehr schlechter" Weg sei, Amerika zu regieren.

Anders herum gefragt sehen die Werte noch verheerender aus: Nur noch knapp 30 Prozent der in den Achtzigerjahren geborenen US-Bürger – also allen unter 35 – glauben, dass es "entscheidend" sei, in einer Demokratie zu leben. Bei denen, die in den Dreißigerjahren geboren wurden – denen über 80 – sind es fast zweieinhalb mal so viele.

Donald Trump bestärkt mit seinen Slogans von "Wahlmanipulationen" und den "Lügnern" innerhalb der Medien diese Zweifel. Und das sind keine guten Nachrichten für eine Nation, die sich einmal selbst als "Anführerin der freien Welt" verstand.


Gerechtigkeit

Wie die Bundeswehr jahrezehntelang schwule Soldaten diskriminierte
In einem vertraulichen Papier wird die Truppe kritisiert.

Bei der Bundeswehr gibt es Zoff um die Gleichstellung von schwulen Soldaten. Homosexuelle seien jahrzehntelang "erheblich" benachteiligt worden, heißt es in einem vertraulichen Papier des Verteidigungsministeriums, das dem SPIEGEL vorliegt. Vorgesetzte hätten ihnen "Berufswege verstellt" und Karrieren "verhindert".

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kritisiert mit dem Berichte ihre Amtsvorgänger. Die Diskriminierung sei "im Personalmanagement der Bundeswehr" Realität gewesen.