Bild: Getty Images/Joe Raedle

Das Alfred E. Smith Memorial Foundation Dinner in New York: Traditionell tritt hier die amerikanische Polit-Elite auf und macht sich über sich selbst lustig. Im Vorfeld der vergangenen Wahl zum US-Präsidenten witzelten sich Barack Obama und Mitt Romney durch den Abend – und nahmen sich natürlich selbst aufs Korn.

Nicht so Donald Trump. Stattdessen ging er Hillary Clinton am Donnerstagabend hart an. In einer Szene wurde er gar ausgebuht, weil er eine uralte und nie bestätigte Verschwörungstheorie über Clinton verbreitete. Aber den einen oder anderen Witz musste Trump dann doch machen – so will es die Tradition des Dinners.

Und was passiert, wenn Donald Trump lustig sein möchte?

Er versucht, Witze auf Kosten anderer zu machen. Die Lacher erntete er mit einem Spruch über seine eigene Frau, Melania Trump – und genau da liegt das Problem.

Denn tatsächlich zeigt der vermeintlich gelungene Gag nur erneut, wie respektlos er mit Frauen umgeht und wie normal das für ihn ist.

Hier ist die Szene im Video:

"Michelle Obama hielt eine Rede und alle sagten, die sei großartig", sagt Trump. "Melania hielt exakt die selbe Rede, und wird kritisiert. Ich verstehe es nicht." Gemeint ist die Rede von Melania Trump auf dem Parteitag der Republikaner. Teile dieser Rede hatte sie von Michelle Obama abgekupfert (bento I).

Das Gesicht von Melania Trump: zum verbitterten Lächeln gefroren.

Um zu verstehen, wie schlecht dieser Witz ist, muss man sich vor Augen halten, was in den Wochen davor passiert ist: Trump haut im Wahlkampf einen frauenfeindlichen Spruch nach dem anderen raus, diverse Frauen werfen ihm vor, sie sexuell genötigt oder missbraucht zu haben (bento II).

Der bisherige Höhepunkt: Trump brüstet sich mit sexueller Gewalt gegen Frauen. "Wenn du ein Star bist, lassen sie dich machen. Du kannst machen, was du willst. ... Ihnen an die Muschi fassen", hört man ihn in einem Video aus dem Jahr 2005 sagen. Das war nur wenige Monate nach seiner Heirat mit Melania. Die verteidigt Donald trotzdem, das seien nur "Gespräche unter Jungs", sagte sie zuletzt.

Und was macht Trump?

Statt selbstironisch ein paar Witze zu reißen, führt er nun Melania vor – die Frau, die ihn und seine unerträglichen Sprüche gerade noch verteidigen musste. Und um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken und die Demütigung perfekt zu machen, zwingt er Melania auch noch, aufzustehen, er gibt sie vollständig der Lächerlichkeit preis. "It's not your fault", sagt er gönnerhaft. Und hat damit sogar recht.

Waffen: Donald Trump ist Anhänger des "Second Amendment", das US-Bürgern das Recht auf Waffen zuschreibt.
Er ist gegen strengere Waffenkontrollen: "Gesetzestreue Menschen sollen die Waffen besitzen dürfen, die sie haben wollen."
Klimapolitik: Trump hält die Erderwärmung für eine Lüge und Klimaschutz daher für unnötig.
Außenpolitik: Trump hält die Kriege im Nahen Osten für einen Fehler und den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" für gescheitert.
Kriminalität: Trump fordert ein hartes Durchgreifen der Polizei.
"Wir müssen Recht und Ordnung zurückbringen. Illegale Migranten haben Waffen. Und sie erschießen Leute."
Immigration: Trump kämpft für ein verschärftes Einwanderungsgesetz und den Bau einer Mauer zu Mexiko.
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Die US-Wahl auf bento: Am 8. November fällt die Entscheidung, ob künftig Donald Trump oder Hillary Clinton das mächtigste Land der Welt regiert. Hier sind alle Beiträge

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