Bild: EPA/Shawn Thew
Und die USA sind so gespalten wie nie.

Donald Trump wird von den einen bejubelt, von anderen mit Kopfschütteln bedacht. Dass ein normaler US-Bürger ihm aber zur besten Sendezeit im Fernsehen eine "schwarze Seele" attestiert, kam bislang nicht vor. Der Spruch kam von Khizr Khan, einem US-Bürger muslimischen Glaubens, in einem CNN-Interview am Sonntag.

Der Aussage geht ein Streit voraus, der seit mehreren Tagen den US-Wahlkampf beherrscht. Es geht um die Frage, wie weit Donald Trump noch mit seinen Äußerungen gehen darf. Und was die US-Gesellschaft im Kern ausmacht: Das Miteinander verschiedener Ethnien und Religionen? Oder eine Vormachtstellung weißer Amerikaner, in der Muslime oder "People of Color" nur eine Gefahr darstellen?

Wer ist Khizr Khan?

Khan ist gebürtiger Pakistaner und in den 1970ern vor der dortigen Militärregierung in die USA geflohen. Gemeinsam mit seiner Frau Ghazala baute er sich ein neues Leben auf und arbeitete als Anwalt. Ihr Sohn, Humayun, wuchs in den Staaten auf und ging als US-Soldat in den Irak. Dort kam er 2004 mit 27 Jahren bei einem Selbstmordanschlag ums Leben. Die US-Armee würdigte ihn posthum mit mehreren Auszeichnungen. ("Washington Post" I, CNN)

Was hat den Streit zwischen Khan und Trump ausgelöst?

Vergangene Woche fand der Parteitag der Demokraten statt, auf dem Hillary Clinton offiziell zur Präsidentschaftskandidatin gekürt wurde (bento I). Auf dem Parteitag traten viele Politiker auf. Aber eben auch Khizr Khan, kein Politiker, sondern ein einfacher US-Amerikaner. An der Seite seiner Frau hielt er eine bewegende Rede über das Schicksal seines Sohnes:

In der Rede warf er Trump vor, das Land zu spalten. Trump erkenne die wahre Vielfalt der Gesellschaft nicht. Er solle daher einen Soldatenfriedhof besuchen: "You will see all fates, genders and ethnicities." Dann warf er Trump direkt vor:

You have sacrificed nothing and no one.
Was geschah nach der Rede?
  • In einem Interview mit ABC unterstellte er den Khans, von Clintons Wahlkampfteam instrumentalisiert zu sein: "Who wrote that? Did Hillary's script writers write it?" Und bemühte Klischees gegen Ghazala Khan, die Mutter des gefallenen Soldaten: Als Muslimin sei es ihr nicht erlaubt zu sprechen. Daher habe sie bei der Rede wohl schweigsam neben ihrem Mann gestanden.
  • Daraufhin schrieb Ghazala Khan einen Kommentar in der "Washington Post", in dem sie ihr Schweigen erklärte: "Because without saying a thing, all the world, all America, felt my pain."
  • Und ihr Mann Khizr attestierte Trump in dem CNN-Interview eine "schwarze Seele" und ein komplettes Fehlen jeglichen Einfühlungsvermögens.
  • Trump selbst legte auf Twitter nach. Und versucht, das Thema des Streits zu drehen:

Donald Trump hatte sich im Wahlkampf bereits mehrere Male kritisch über Muslime geäußert. Unter anderem forderte er einen Einreisestopp (bento II). Er suggeriert damit, alle Muslime seien potenzielle Terroristen – die in der US-Verfassung festgeschriebene Religionsfreiheit ignoriert er damit.

Wie reagieren andere auf den Streit?
  • Die Demokraten verurteilten Trumps Ausasgen als schamlos. Er attackiere bewusst die Familie eines amerikanischen Helden, hieß es aus dem Wahlkampfteam von Hillary Clinton.
  • Auch Republikaner stellten sich gegen ihren Parteikollegen. Ein Wahlkampfstratege aus dem Team des (mittlerweile gescheiterten) Bewerbers John Kasich twitterte: "Trumps Verleumdung gegen Khans Mutter ist, selbst für ihn, völlig inakzeptabel." ("Washington Post" II)
  • Der Vorsitzende der Vereinigung von Irak- und Afghanistan-Veteranen zeigte sich empört, wie Trump den Tod des Soldaten mit seiner eigenen "Opferbereitschaft" vergleichen könne ("Washington Post" III). Trump hatte gesagt, auch er bringe Opfer für die USA – indem er hart arbeite.
  • Trump-Anhänger hingegen verbreiten Meldungen, bei Khizr Khan handele es sich um einen heimlichen Islamisten. Auch einen eilig eingerichteten Satire-Kanal sehen sie als Beweis. Dort twittert jemand im Namen von Khizr Khan, er wünsche sich Hillary Clinton mit Kopftuch:
Was sagt die Debatte über den US-Wahlkampf aus?

Der Streit zwischen den Khans und Donald Trump ist nur das jüngste Beispiel in einem sehr turbulent geführten Wahlkampf. Dass Trump polarisieren will und auch vor persönlichen Beleidigungen nicht zurückschreckt, ist nicht neu. Mit dem Ehepaar Khan sehen wir aber nun erstmals, wie Hillary Clinton auf Trump antworten will: mit Emotion. Würde sie sich auf Trumps Hasstiraden einlassen, würde es sie schlechter aussehen lassen als Trump – denn ihm kauft man das Geschrei ab, sie hingegen gilt als Profipolitikerin (bento III). Also setzt sie auf menschliche Schicksale.

Am Beispiel der Khan-Familie zeigt sich dann auch die tatsächliche Bruchlinie dieses Wahlkampfes: Sind die USA eine Gesellschaft, in der es normal ist, wenn ein Muslim mit pakistanischen Wurzeln ein "amerikanischer Patriot" sein kann? Oder kann Amerika nur dann "wieder groß" werden, wenn es seine gesellschaftliche Pluralität einschränkt? Es ist das Modell "Wir gemeinsam" vs. "Wir gegen die".

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"Pokémon Go"-Update: Das sind die wichtigen Änderungen

"Pokémon Go" hat sein erstes Update erhalten – und zum Zorn vieler Fans wurde ein Feature entfernt, das für die Pokémon-Jagd bislang essentiell war (giga.de).

Das sind die wichtigsten Änderungen:
  • Der Akkuspar-Modus wurde unter iOS gestrichen.
  • Das Aussehen des Trainers kann nachträglich in den Profileinstellungen verändert werden.
  • Schadenswerte für Pokémon-Attacken wurden überarbeitet – einige Attacken wurden dabei geschwächt, einige gestärkt.
  • Einige Animationen in den Arenen wurden überarbeitet.
  • Fehlerbehebungen beim Erscheinen von Pokémon in der Wildnis.
  • Die Pokémon-Übersichtsseite wurde überarbeitet; die Medaillenbilder teilweise ersetzt.
  • Probleme bei der Darstellung von Kartenfeatures wurden angegangen.
  • Die Fußspuren-Funktion wurde entfernt.