Bild: Getty Images/Joe Raedle
Es geht um's Weiße Haus.

Am Dienstag findet in den USA der "Super Tuesday" statt: Insgesamt zwölf Bundesstaaten entscheiden sich für ihren Präsidentschaftskandidaten. Auch wenn es bis zur endgültigen Wahl noch mehrere Monate hin ist – dieser Dienstag hat eine wichtige Signalwirkung. Und dank eines neuen Verbündeten könnte der "Super Tuesday" nun zum großen Erfolg für Trump werden.

Wer gibt sich auf dem Foto die Hand?

Donald Trump, rechts, der für die Republikaner ins Weiße Haus einziehen will und Chris Christie, seit sechs Jahren republikanischer Gouverneur von New Jersey.

Dass sich zwei Parteifreunde die Hand reichen, ist zunächst nichts Besonderes. Allerdings waren Trump und Christie bislang keine Freunde: Trump ist ein Quereinsteiger in der Politik, er steht für rechten Nationalismus und befeuert den US-Wahlkampf mit populistischen Sprüchen. Die meisten liberalen Republikaner konnten mit dem Schreihals bislang nur wenig anfangen.

Christie ist ein liberaler Republikaner – er gilt als eines der Schwergewichte der liberalen Strömung seiner Partei. Er setzt sich für die Homo-Ehe ein und fordert strengere Waffengesetze. Vielen Hardlinern ist er deshalb ein Dorn im Auge.

Was sagte Christie über Trump?

Am Freitagabend hat sich Christie für Trump als Präsidenten ausgesprochen: "I'm proud to be here to endorse Donald Trump for president of the United States. [...] He's a strong and resolute leader."

Erstmals nähert sich damit der moderate Flügel der Republikaner dem Populisten an. Trump, der bislang nur den rechten Rand begeisterte, dürfte nun bei kommenden Vorwahlen immer mehr Republikaner aus der Mitte hinter sich vereinen. Seine härtesten Konkurrenten Marco Rubio und Ted Cruz würden dadurch ins Hintertreffen geraten.

Was bedeutet das für den Wahlkampf?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die Republikaner auf ihrem Parteitag im Sommer Donald Trump zu ihrem Kandidaten für das Weiße Haus machen. Trumps Ankündigung, sich zur Wahl zu stellen, mag im vergangenen Sommer noch wie ein schlechter Scherz gewirkt haben – längst ist sie bitterer Ernst geworden.

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Wie sieht es bei den Demokraten aus?

Dort duellieren sich in den Vorwahlen die Polit-Veteranin Hillary Clinton und der sozialistische Außenseiter Bernie Sanders. Sanders fährt eine Art Graswurzel-Wahlkampf und kommt als "Underdog" gut an; wahrscheinlich ist jedoch, dass die erfahrene Clinton schlussendlich die Vorwähler hinter sich vereinen wird.

Dann gäbe es ein Duell Trump vs. Clinton?

Ja, und hier wird es gefährlich: Clinton ist für den Populisten Trump die perfekte Angriffsfläche. Er hetzt gegen Frauen und gegen das politische Establishment in Washington. Andere seien geschmierte Politiker, die das "wirkliche Amerika" nicht kennen – er aber sei ein Self-made-Mann, ein Mann aus der Wirtschaft, der sich selbst finanzieren kann und nicht korrumpierbar sei.

Bei einem möglichen Wahlkampf zwischen Clinton und Trump sehen viele Beobachter den Populisten klar im Vorteil. Er wird eine Schlammschlacht starten, der Clinton nichts entgegen setzen kann, ohne selbst mit Dreck zu werfen. Beim republikanischen Mitkandidaten Jeb Bush hatte das schon geklappt: Trump hat den jüngeren Bruder von George W. Bush und Sohn von George Bush dieses "Politiker-Sein" vorgeworfen. Nun schied Bush im Rennen aus.

Trump als US-Präsident: Droht das wirklich?

Aktuell stehen tatsächlich alle Zeichen auf Trump. Allerdings sind bis zur Wahl am 8. November noch viele Monate Zeit. Drei Szenarien, wie sich das Blatt wenden könnte:

  • Die Republikaner Marco Rubio und Ted Cruz bilden ein Gespann aus Präsident und Vize-Präsident, um in ihrer Partei genügend Stimmen gegen Trump zu vereinen. Trump würde somit als Kandidat ausscheiden.
  • Bernie Sanders gewinnt bei den Demokraten die Vorwahlen und wird Gegner Trumps im Wahlkampf. Es wäre ein Duell der Außenseiter, der "Politik-Freaks": Anders als bei Clinton könnte Trump den coolen Sanders nur schwer bloßstellen – und im Rennen um das Weiße Haus eventuell verlieren.
  • Donald Trump verliert die Lust. Bisher liefert er vor allem Ideologie, Inhalte hingegen nicht. Wenn sich Trump im Wahlkampf irgendwann tatsächlich zu politischen Fragen äußern muss, sehnt er sich vielleicht nach seinen Reality-TV-Formaten. Nicht wenige in den USA würden erleichtert aufatmen.