Bild: John Moore/Getty Images
1475 Kinder aus Zentralamerika sind verschollen.

US-Präsident Donald Trump setzt seine knallharte Einwanderungspolitik durch: Seine Grenzer trennen sogar Kinder von ihren Eltern. Betroffene und eine Historikerin ziehen Vergleiche zur deutschen NS-Zeit.

"Wir erleben, wie selbst Säuglinge ohne ihre Eltern deportiert werden"

Viele Eltern würden ihre Kinder "nie wiederfinden", sagte die Flüchtlingshelferin Michelle Brané dem "Houston Chronicle" – eine Vermutung, die die Bürgerrechtsorganisation ACLU bestätigt. "Wir erleben, wie selbst Säuglinge ohne ihre Eltern deportiert werden und, was noch üblicher ist, Eltern ohne ihre Kinder."

Schon unter Barack Obama und George W. Bush gingen die Grenztruppen hart gegen illegale Einwanderer vor. Nach einem ACLU-Bericht wurden von 2009 bis 2014 Tausende Migrantenkinder physisch, psychologisch und sexuell misshandelt – "lange bevor Präsident Trump die Behörde ermutigte und ihre Beamten entfesselte, um seine drakonische Einwanderungspolitik durchzusetzen".

Nun ist die Unmenschlichkeit offiziell sanktioniert. Anfang Mai kündigte Justizminister Jeff Sessions eine "Nulltoleranz-Politik" an: "Wenn du ein Kind über die Grenze schmuggelst, werden wir dich strafrechtlich verfolgen, und dieses Kind wird wahrscheinlich von dir getrennt werden, wie es das Gesetz vorschreibt." Dass es ein solches Gesetz aber gar nicht gibt, verschwieg Sessions.

Manche vergleichen die Zustände mit den Familientrennungen der amerikanischen Sklaverei oder des Dritten Reiches. "Eltern gewaltsam von ihren Kindern zu lösen, das hat Geschichte", warnt die Historikerin Martha Jones. Die aus Russland stammende US-Bürgerrechtlerin und Autorin Masha Gessen beschreibt die "Geiselnahme" von Kindern im "New Yorker" als "ein altbewährtes Instrument totalitären Terrors".

Nach Angaben der Radiomoderatorin Maria Hinojosa, die selbst eine Immigrantin ist, haben Einwanderer einen Namen für die Grenzbehörden: "Gestapo."

Donald Trump dogmatisiert, verzerrt Sachverhalte und erfindet Statistiken

Hinzu kommt fahrlässige Schlamperei: Den US-Behörden seien bis Ende vergangenen Jahres mindestens 1475 Flüchtlingskinder aus Honduras, El Salvador und Guatemala, die bei US-Pflegefamilien ("Sponsoren") untergebracht worden waren, "verloren" gegangen, sagte der zuständige Ministerialleiter Steve Wagner Ende April vor dem Senat: Man sei "nicht mehr in der Lage, ihren Verbleib mit Sicherheit zu bestimmen".

Dass diese verschollenen Kinder bereits unbegleitet und ohne Eltern an der Grenze erschienen sein sollen, macht die Sache kaum besser. Ähnliche Berichte gab es schon 2016: Damals landeten nach Angaben des Kongresses acht Kinder sogar bei Menschenhändlern, die sie zur Zwangsarbeit auf US-Farmen verkauft hätten.

Die Hetze gegen Einwanderer aus Südamerika ist für Trump ein wichtiges Propagandathema. Schon sein Präsidentschaftswahlkampf begann mit einer Tirade gegen Mexikaner. Er übertreibt die Zahl der illegalen Einwanderer und ihrer Vergehen – obwohl sie tatsächlich im Schnitt weniger Straftaten begehen als US-Bürger. Selbst die Kinder, poltert Trump gern, seien "nicht unschuldig".

Vor dem Hintergrund der erschütternden Berichte über verschwundene Kinder und zerrissene Familien sorgte ein Tweet der Präsidententochter Ivanka Trump für Empörung. Sie postete ein Foto von sich mit ihrem zweijährigen Sohn Theodore auf dem Arm: "My heart! #SundayMorning." Das Bild löste prompt einen Shitstorm aus, den die Popsängerin Halsey für viele andere so umschrieb: "Fuck deinen Sonntagmorgen!"

Zusammengefasst: Von Präsident Donald Trump ermutigt gehen US-Grenzschützer rabiat gegen illegale Einwanderer aus Lateinamerika vor. Wenn sie Familien fassen, nehmen sie den Eltern häufig sogar Kleinkinder weg und bringen sie in Heimen und bei Pflegefamilien unter. Manche von ihnen verschwinden.

Dieser Text ist zu erst auf SPIEGEL ONLINE erschienen. 


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Auch eine Entschuldigung konnte daran nichts mehr ändern.

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