Bild: giphy
Hakuna Matata.

Ja, Walt Disney war ein Sexist. Es stimmt, dass er für die kreativen Stellen in seinem Unternehmen keine Frauen wollte. Es stimmt auch, dass viele Disneyfilme klassische Frauenrollen spiegeln. Und trotzdem können sie kleine Mädchen dazu ermutigen, ihren eigenen Weg zu finden und keinen Rollenbildern zu entsprechen – außer, sie möchten das! Denn darum geht es doch eigentlich: Dass jede Frau selbst entscheiden kann, wer sie sein möchte.

(Bild: giphy )

Seit Schneewittchen – fürsorglich, schüchtern, mit runden Kulleraugen – die im Film 1937 auf die Leinwand kam, hat sich einiges getan. Wer den Disneyfilmen vorwirft, lediglich Stereotype zu reproduzieren, der ist kurzsichtig. Weil sie behaupten, dass Mulan, so intelligent und unabhängig sie auch sein mag, ihr Glück letztlich doch nur mit Hauptmann Shang an ihrer Seite findet.

Oder weil sie sagen, dass Jane am Ende ihren Reifrock ablegt, sich einen Lendenschurz überwirft und bei Tarzan im Dschungel bleibt – die Frau sich also wieder einmal dem Typen anpasst. Na und?

(Bild: giphy )

Für jeden klassischen Lebensweg findet sich ein Disney-Gegenkonzept: Pocahontas folgt John Smith nicht nach England; sie steht am Ende des Films an einer Klippe und winkt den weißen Segeln nach. Arielle dagegen tauscht die Flosse gegen zwei Beine, und lebt bei ihrem Prinzen an Land. Strolch wiederum zieht letztlich bei Susi ein, Thomas O’Malley wird vom Streuner zu einem aristokratischen Kater wie seine Geliebte Duchesse. "Die Schöne und das Biest" trumpft mit einem alleinerziehenden Vater und einer intelligenten und wissbegierigen Tochter auf.

(Bild: Imago/ United Archives)

Auch verkörpert nicht jede Disney-Dame das Weiblichkeitsideal mit rundem Gesicht und Stupsnase. Meg aus "Hercules" hat eine spitze Himmelfahrtsnase. Bei "Lilo und Stich" hat die kleine Lilo eine sehr große Nase mitten im Gesicht. "Alles steht Kopf", eine der neusten Kooperationen von Disney mit Pixar, zeigt weibliche Charaktere mit grünen und blauen Haaren, groß und klein, dick und dünn.

(Bild: giphy )

Um Mädchen zu zeigen, dass sie unabhängig und frei in ihren Entscheidungen sind, muss nicht jede Frau sich am Ende des Films gegen die Liebe entscheiden. Es geht darum, Kindern zu zeigen, welche Vielfalt an Optionen sie haben und dass keine besser als die andere ist. Frauen vorzuschreiben, was sie wollen sollen – nämlich das Gegenteil des Stereotyps – ist genauso bevormundend, wie sie zu braven Ja-Sagerinnen zu erziehen. Wenn Mulan ihren Hauptmann haben will, dann soll sie ihn auch haben. Und wenn Pocahontas ihre Familie und ihre Heimat dem schönen John Smith vorzieht: auch in Ordnung. Sie entscheiden.

(Bild: giphy )
Weißt du, welche Disney-Figur hier wohnt? Mach das Quiz:
Quiz für Profis: Erkennst du diese Disney-Filme an einem Bild?


Streaming

Stumme Helden: Warum es in Hollywood-Filmen immer weniger Dialoge gibt

Hollywood hat in den vergangenen Jahren Filme auf den Markt geworfen, die bildgewaltiger waren als jemals zuvor. Leonardo DiCaprio ließ sich im "Revenant" so lebensecht von einem Grizzly zerfleischen, dass einem der Atem stockte. Sandra Bullock kämpfte in "Gravity" alleine gegen die Unendlichkeit des Weltalls. Und Matt Damon rast aktuell in "Jason Bourne" von einer Explosion zur nächsten.

Sie liefern Szenen, die echt wirken, die uns berühren, die uns Schauer über die Unterarme jagen. Aber gleichzeitig, ganz schleichend, passiert etwas anderes: Hollywoods Helden verstummen.

  • Matt Damon bringt es im neuen "Jason Bourne" auf sage und schreibe 42 Sätze.
  • Rund 130 Sätze presst Leonardo DiCaprio in "The Revenant" aus den gemarterten Lungen.
  • Sandra Bullock hat in "Gravity" zwar mehr als 500 Sätze – allerdings relativiert sich die Menge sofort mit einem Blick auf den eintönigen Inhalt: Der weitaus größte Teil besteht aus "No, no, no, no" gefolgt von "Come on, come on, come on" und "Fuck", "Shit" oder "Houston? Houston!".
  • Superman spricht in "Batman vs. Superman" 43 Sätze. (The Wrap)