"Kleider machen Leute" ist eine viel bemühte, beinah abgedroschene Wahrheit – aber eben auch: wahr. Nicht nur ermöglicht das Experimentieren mit dem eigenen Äußeren, die eigene Persönlichkeit anhand von Kleidung, Frisuren oder Körperschmuck auszudrücken, umgekehrt helfen uns diese Attribute auch, Menschen einschätzen zu können. Dass da auch Vorurteile im Spiel sind: vorprogrammiert. 

Jonas, Selma und Ali haben uns erzählt, wie sie aufgrund ihres Aussehens mit Diskriminierung zu kämpfen hatten – und warum sie schließlich nachgegeben und ihr Äußeres verändert haben.

Jonas* (28), Lehramtsstudent: Kiffer wegen seiner Dreadlocks?

Jonas damals mit seinen Dreadlocks, die ihm viel Ärger einbrachten – heute trägt er eine unauffälligere Frisur.

(Bild: privat)

Ich habe fast zehn Jahre meines Lebens Dreadlocks getragen und wurde in dieser Zeit sehr oft von der Polizei kontrolliert. Sie nannten nie den Grund, aber ich wusste, wieso: Aufgrund meiner Dreadlocks sind sie davon ausgegangen, dass ich Drogen verstecke oder kiffe. Ich habe mich dabei immer ungerecht behandelt gefühlt, weil es keinen Anlass für eine Kontrolle gab und ich nur kontrolliert wurde, weil ich anders aussah. 

Viele Menschen haben direkt ein Bild im Kopf, wenn sie Leute mit Dreadlocks sehen: Drogen, Kiffen und linke politische Einstellung, Kinder riefen mir "Bob Marley" hinterher. Ich habe mich oft abgestempelt gefühlt. Vor allem bei Polizeikontrollen hatte ich das Gefühl, dass die Polizei ihre Macht ausüben will und Menschen anhält, die in ihren Augen Klischees entsprachen. Manchmal mussten wir auch den Platz verlassen, obwohl nichts bei der Kontrolle gefunden wurde. Das fühlte sich ungerecht an. Wenn Polizisten Vorurteile haben, diese nicht reflektieren und Menschen nach bestimmten äußerlichen Merkmalen kontrollieren, dann ist das hochgradig problematisch. Seit sechs Jahren trage ich keine Dreadlocks mehr. Seitdem wurde ich auch nicht mehr kontrolliert. 

Selma* (30), Architektin: Ungebildet wegen ihres Kopftuchs?

Ungefähr vier Jahre habe ich überlegt, das Kopftuch nicht mehr zu tragen. Es war eine sehr schwierige Entscheidung für mich, aber vor einem Jahr habe ich dann das Kopftuch abgenommen. Ich hatte das Kopftuch immer freiwillig und gerne getragen, aber ich hatte mit sehr vielen Vorurteilen zu kämpfen. Ich bin eigentlich eine sehr selbstbewusste Person: Ich lebe alleine, bin gebildet und habe immer für mich selber gesorgt. Menschen hatten allerdings direkt ein ganz bestimmtes Bild im Kopf, wenn sie mich gesehen haben: Verheiratet, fünf Kinder, ungebildet und unselbstständig. Das hat mich wütend gemacht. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich als Mensch zweiter Klasse wahrgenommen wurde. Vor allem bei der Wohnungssuche ist mir das noch einmal stark aufgefallen. 

Als ich noch Kopftuch getragen habe, habe ich immer darauf geachtet, Deutsch zu sprechen, nett zu sein und immer gute Laune zu haben. Ich wollte, dass die Menschen ein positives Bild von mir haben. Seitdem ich es nicht mehr trage, falle ich gar nicht mehr auf. Das ist ein tolles Gefühl, weil ich dadurch einfach ich sein kann. Ich kann auch mal schlecht gelaunt sein, ohne dass man das direkt mit dem Kopftuch verbindet. Mein deutsches Umfeld hat sehr positiv reagiert, was ich wiederum allerdings nicht so gut fand: Als ob es etwas Tolles wäre, dass ich mich aufgrund von Vorurteilen dazu entscheiden musste, das Kopftuch abzunehmen. Und abgesehen von dem Tuch hat sich auch an meiner Persönlichkeit nichts geändert – ich bin immer noch ich.

Ali (32), Logopäde: Islamist wegen seines Barts?

Ali ließ seinen Bart wild sprießen – und wurde von seinen Kollegen daraufhin für einen Islamisten gehalten.

(Bild: privat)

Ich habe früher nie einen Bart getragen. Aber in meinem Basketball-Team hatten wir eine Wette laufen, dass ich mir so lange den Bart wachsen lasse, bis wir verlieren. Dann kam eine Siegesserie und wir haben drei Monate lang nur gewonnen. Mein Bart wuchs in alle Richtungen, denn die Abmachung war auch: Ich darf ihn weder rasieren, noch stutzen. Meine direkten Arbeitskollegen wussten, dass ich den Bart wegen einer Wette wachsen lasse und fanden es lustig. Allerdings haben sich bei denen, mit denen ich nicht direkt zusammenarbeite, trotzdem Gerüchte entwickelt. Eine Arbeitskollegin kam zu mir und meinte, es gäbe das Gerücht, dass ich mit dem IS sympathisiere und dass meine Kollegen verzweifelt wären – wegen meines Bartes.

Ich war schockiert und konnte einfach nicht glauben, dass Menschen das von mir dachten. Ich hatte nur meinen Bart wachsen lassen und war für die Leute plötzlich ein anderer Mensch: weil ich als dunklerer Typ mit buschigem Bart Assoziationen hervorgerufen habe. Das hat in mir eine große Frustration ausgelöst, weil ich nie erwartet hätte, dass Menschen, denen ich täglich in der Arbeit begegne und die mich kennen, so über mich reden könnten. Ich hatte mich ja nicht verändert. Ich war immer noch ich. Aber ich habe wohl nicht dem Ideal einiger Menschen entsprochen. Seitdem lasse ich mir dennoch regelmäßig meinen Bart wachsen, allerdings gepflegt.

*Diese Namen haben wir auf Wunsch der Personen geändert.


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