Die Geschichte in 3 Zitaten

Fatima ist 21 Jahre alt, Muslimin und sitzt im Rollstuhl, deshalb muss sie ein spezielles Sportprogramm machen. Seit zwei Jahren geht sie deshalb in ein Düsseldorfer Fitnessstudio – dort hatte sie ihr eigenes, speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Trainingsfahrrad sowie einen Duschstuhl. 

Am Dienstag ging sie, wie schon in den Monaten zuvor, in das "Fitnessloft". Sie wollte eigentlich nur schnell ihre Bankverbindung ändern. Während sie ihren Vertrag vor sich liegen hatte, habe sie eine Mitarbeiterin angesprochen, erzählt Fatima bento. Sie zitiert sie: 

Ist der Vertrag deiner? So wie du gekleidet bist, darfst du hier nicht trainieren!

Die 21-Jährige habe daraufhin entgegnet: "In Jeans und Pullover? Keine Sorge, ich will nur eben meine Bankverbindung ändern." Ihr sei aber sofort bewusst gewesen, dass es in Wirklichkeit um ihr Kopftuch ging. Auch wegen des Tonfalls, sagt sie: Laut sei der gewesen. Die Mitarbeiterin habe sie darauf hingewiesen, dass sie laut der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) keine Kopfbedeckung tragen dürfe. 

"Ich fühlte mich bloßgestellt, die Leute haben mich angestarrt", sagt Fatima. Die Mitarbeiterin habe ihr dann die Regeln des Fitnessstudios erklärt, "als würde ich sie nicht verstehen", so die 21-Jährige. 

Tatsächlich steht in den AGB des Studios, dass "das Tragen von Schmuck und Kopfbedeckungen beim Training nicht erlaubt" ist – zur Vorbeugung von Unfällen und dem "Erhalt der körperlichen Unversehrtheit". 

Bislang hatte Fatima in dem Fitnessstudio keine Probleme wegen ihres Kopftuches. Mit dem Geschäftsführer habe sie persönlich Kontakt gehabt, dieser sei ihr gegenüber auch freundlich aufgetreten. 

Mit dem Wechsel des Studioinhabers fingen dann die Probleme für Fatima an.

Bereits im März sei ihr Trainingsfahrrad aus dem Fitnessstudio verschwunden. Fatima fragte nach, was mit dem Gerät passiert war – daraufhin habe es lediglich geheißen, dass routinemäßig Equipment ausgetauscht werde, sagt Fatima. Obwohl ihr spezielles Fahrrad sich klar von den anderen Geräten unterscheide. Auf ihre Nachfragen sei sie nur immer weiter vertröstet worden. Kurz zuvor sei bereits ihr Duschstuhl verschwunden. Keiner wollte dafür verantwortlich gewesen sein.

Dabei habe es bezüglich der Geräte Absprachen mit dem Geschäftsführer gegeben, sagt sie. Er habe ihr gesagt, sie könne das Fahrrad im Studio lassen, man passe darauf auf. 

Fatima sei von den Trainerinnen und Trainern mehr und mehr ausgegrenzt worden: "Ich war darauf angewiesen, andere Trainierende zu fragen, ob ich Hilfe bekomme beim Benutzen des Laufbands", sagt Fatima im Gespräch mit bento. 

Erst hat man mir meinen Stuhl zum Duschen genommen, dann mein Fahrrad und jetzt verbietet man mir, zu trainieren.
Fatima

Ihre ältere Schwester Malika machte die Geschichte der 21-Jährigen am Mittwoch auf Facebook öffentlich, um gegen die Diskriminierung zu protestieren. Eine weitere Bekannte berichtete ebenfalls in einem Post von den Vorfällen:

https://www.facebook.com/FitnessloftDuesseldorf/ Ort: Fitnessloft Düsseldorf, Bonner Str. 29, 40589 Düsseldorf,...

Gepostet von Ouassima Laabich am Donnerstag, 12. Juli 2018

Fatimas Schwester Malika habe im Fitnessstudio angerufen, nachdem sie ihr davon erzählt habe. Dort habe ihr die Rezeptionistin gesagt, dass man auf Anweisung des Geschäftsführers gehandelt habe – sie verwies erneut auf die AGB.

Auf Facebook reagierte die Geschäftsleitung auf die Vorwürfe: Darin ist lediglich die Rede von "Gerüchten" über eine angebliche Diskriminierung. Man werde diesen "mit voller Energie und Ernsthaftigkeit" auf den Grund gehen. Außerdem heißt es, man habe bislang erfolglos versucht, mit der Betroffenen in Kontakt zu treten.

Ob es nun im Fitnessloft erlaubt ist, im Kopftuch zu trainieren, dazu gibt die Geschäftsleitung jedoch keine Auskunft.

Fatima sagte bento, dass das Fitnesstudio sie bereits angerufen habe. Eine Entschuldigung habe sie am Telefon jedoch nicht erhalten. Allerdings: Mit einem Mal sei nun ihr Duschstuhl wieder aufgetaucht – und auch um ihr Trainingsfahrrad wolle man sich jetzt umgehend kümmern.

Vielleicht könne man auch wegen des Kopftuches eine Ausnahme machen – das müsse jedoch zunächst mit dem Vorstand abgesprochen werden, zitiert Fatima aus dem Telefongespräch. Insgesamt habe man ihr jedoch vermittelt, dass sie sich die Diskriminierung lediglich ausgedacht hätte.

Wenn man etwas falsch gemacht hat, sollte man auch dazu stehen, statt zu sagen, dass ich mir da Gerüchte ausdenke. Das verletzt mich auch, dass sie so etwas schreiben.
Fatima zu bento

bento versuchte, mit der Geschäftsleitung von Fitnessloft Kontakt aufzunehmen, erreichte jedoch niemanden mehr. 

Update, 13.07.2018:

Die Geschäftsleitung des Fitnessstudios hat sich in einem Facebook-Beitrag zu den Vorwürfen der Diskriminierung geäußert und bestätigte, bereits mit Fatima in Kontakt zu stehen und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Außerdem kündigte man Gespräche mit der Mitarbeiterin an.

Hier könnt ihr die Stellungnahme des Fitnessstudios lesen.


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