"Vielleicht können wir das hier wirklich gewinnen"

Während die Brexit-Hardliner gerade Theresa May absetzen wollen, weil ihnen der ausgehandelte EU-Austritts-Deal zu lasch ist, werden in Großbritannien gleichzeitig auch immer mehr Stimmen für ein zweites Referendum laut. Unter ihnen sind viele junge Aktivistinnen und Aktivisten, wie der 22-jährige Nat Shaughnessy aus Canterbury. Er ist Teil der Kampagne "Our Future, Our Choice", die sich für ein zweites Referendum einsetzt. 

Nach dem ersten Referendum mussten sich vor allem junge Leute vorhalten lassen, nicht gewählt zu haben. Eine Untersuchung ergab allerdings wenig später, dass die Wahlbeteiligung unter 18- bis 39-Jährigen fast genau so hoch gewesen sein soll, wie die älterer Altersgruppen – zumindest einer Nachbefragung zufolge. (bento)

Wir haben bei Nat nachgefragt, wieso er hofft, dass Großbritannien doch nicht aus der EU austritt.

Nat Shaughnessy aus Canterbury von der Bewegung "Our Future, Our Choice"

"Ich will ein zweites Referendum. Dafür setzen wir uns bei 'Our Future, Our Choice' ein. Die Bevölkerung sollte das letzte Wort darüber haben, ob der von Theresa May ausgehandelte Deal gut genug für unser Land ist. Unsere Kampagne richtet sich an junge Menschen. Die Debatte wurde von weißen Männern über 60 dominiert, dabei sind wir jungen Menschen es, die am längsten mit den Folgen leben müssen.

Wir erleben ein Momentum, das für uns spricht. Die Stimmung in Großbritannien hat sich geändert. Zum ersten Mal habe ich im Oktober gespürt, dass wir wirklich etwas erreichen können. 700.000 Menschen kamen zu unserer Demonstration für ein zweites Referendum. Ich weiß noch, wie ich dachte: Vielleicht können wir das hier wirklich gewinnen. 

May wusste, dass ihr Brexit-Deal am Dienstag keine Mehrheit im Parlament finden würde. Sie versuchte, Zeit zu schinden. Wahrscheinlich dachte sie, dass ihrem Deal mehr Abgeordnete zustimmen, je näher der Austrittstermin am 29. März 2019 rückt. Die Angst vor einem No-Deal-Szenario ist groß und May setzte darauf, dass die Abgeordneten aus Sorge vor gar keinem Abkommen für ein schlechtes Abkommen stimmen würden. In der englischen Sprache gibt es einen Ausdruck dafür: 'She’s kicking the can down the road'. Sie kickt die Dose die Straße hinunter. Und jetzt muss sie sich einem Misstrauensvotum stellen – und verliert vielleicht ihr Amt. 

Nicht nur das Parlament hat May mit der abgesagten Abstimmung verärgert. Auch in der Bevölkerung hat sie damit nur erreicht, dass ihre Glaubwürdigkeit und ihre Beliebtheit sinken. Mittlerweile sind viele Briten von dem ewigen Hin und Her frustriert. Sie wollen, dass der Austritt endlich entschieden wird, um für ihre Zukunft außerhalb der EU planen zu können. Die Menschen wünschen sich Gewissheit und Klarheit.

Viele Britinnen und Briten sind der Meinung, dass die britische Regierung bei den Verhandlungen mit der EU Mist gebaut hat. Entweder, weil sie glauben, dass ein besseres Abkommen möglich gewesen wäre, oder weil sie heute anders wählen würden als damals. Bei dem ersten Referendum haben die Menschen an das geglaubt, was Politikerinnen und Politiker ihnen versprochen haben. Woher sollten sie auch wissen, dass die Brexit-Befürworterinnen und -Befürworter mit ihren Versprechungen von zurückerlangter Kontrolle nicht die Wahrheit sagten? 

Doch alles, was von der Leave-Kampagne behauptet wurde, hat sich als nicht umsetzbar, oder schlicht gelogen herausgestellt. Ich habe zwar für den Verbleib gestimmt, aber ich verstehe auch, warum so viele Britinnen und Briten für den Austritt gestimmt haben. Sie konnten ja noch gar nicht wissen, für welchen Brexit sie da letztendlich abstimmen.

Das vorherrschende Narrativ in Politik und Medien war lange, dass der Brexit unumkehrbar ist. Aber das stimmt nicht. Ein Rücktritt vom Brexit ist möglich. Wir sind der Beweis. Immer mehr Menschen schließen sich 'Our Future, Our Choice' an, um zu sagen: Der einzige Weg aus dem Schlamassel ist es, die Abstimmung dem Volk zurückzugeben. 

Natürlich haben wir noch viel Arbeit vor uns. Im Unterhaus ist die Mehrheit der Abgeordneten gegen ein Referendum, deshalb versuchen wir, Druck auf die Abgeordneten aufzubauen. 'Our Future, Our Choice' hat Ableger in allen vielen Städten und unterschiedlichen Ländern des Vereinigten Königreichs. Wir rufen junge Menschen dazu auf, ihren Abgeordneten Briefe zu schreiben, wir fahren mit einem Bus durchs Land und werben für unsere Kampagne. Unser Ziel ist es, so laut zu sein, dass man uns nicht mehr ignorieren kann. 

Denn die Frage an die Britinnen und Briten muss sein: 'Die Umstände haben sich geändert. Das ist die neue Realität. Wollt ihr trotzdem austreten?' Wenn sich die Mehrheit der Menschen nach wie vor für den Brexit entscheidet, ist das eben Demokratie. Aber wenn sie sich dagegen entscheidet, haben wir unser Ziel erreicht."

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Ich habe versucht, Sächsisch zu lernen – und bin hart gescheitert
Der Dialekte-Lernkurs.

Aus Brötchen wird Semmel oder Schrippe, aus dem einfachen "Hallo" wird "Tach" oder "Servus". Nur da, wo ich ursprünglich herkomme, bleibt Brötchen einfach Brötchen und Hallo bleibt Hallo. Denn ich komme aus Hannover, wo das höchste Hochdeutsch – und damit leider auch das langweiligste Deutsch – gesprochen wird. 

Zum Glück habe ich aber Kollegen aus allen Landesteilen, die noch Hoffnung für meine sprachliche Individualität haben und mir als Dialekte-Lehrer zur Seite stehen. 

Wie Marc versucht, mir Sächsisch beizubringen, seht ihr im Video.