Bild: Marvin Ruder
Wir haben mit Maike Wolf, 23, gesprochen.

Die FDP hat ein Problem mit Frauen: Sie hat zu wenige davon. Nur 21,6 Prozent der Mitglieder sind weiblich. Auch in hohen Parteiämtern gibt es nur wenige Frauen. 

Das will die Partei jetzt ändern. Nicht mit einer festen Quote, aber mit individuellen "Zielvereinbarungen" auf allen Ebenen, von der Bundespartei bis zu den Ortsverbänden. Der Bundesvorstand der FDP hat das gerade erst beschlossen. (SPIEGEL ONLINE)

Ein paar Tage später hat die Partei stattdessen eine potenzielle Führungsfrau weniger: Maike Wolf.

Die 23-jährige ist ehemalige Landesvorsitzende der Jungen Liberalen (Julis) in Rheinland Pfalz. Sie war so wütend über die Maßnahme, dass sie aus der FDP ausgetreten ist.

Intern war bereits im Vorfeld eine "Austrittswelle" weiblicher Mitglieder befürchtet worden. Dabei ist der Schritt der FDP nicht einmal besonders revolutionär: Die meisten Parteien haben bereits ähnliche Regelungen. Sogar die konservative CDU hat eine Quote – wenn auch eine freiwillige. (Süddeutsche)

Was hat eine junge Frau gegen das Ziel, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen? Wir haben mit Maike gesprochen.

Ihren Austrittsantrag hat Maike bei Twitter veröffentlicht. 

Sie schreibt: 

Ich kann nicht Mitglied einer Partei sein, die mich primär als Frau sieht

Maike, was findest du so schlimm daran, dass die FDP mehr Frauen in Führungspositionen will?

Zielvereinbarungen für Frauenanteile in Führungspositionen gehen für mich nicht mit liberaler Politik zusammen. Ich will von meiner Partei darauf nicht reduziert werden, dass ich eine Frau bin. Ich will ausschließlich nach meinen Qualifikationen beurteilt werden, nicht nach Geschlecht, Alter oder Herkunft. Ich will keine Quotenfrau sein.

Der Beschluss sieht ja keine starre Quote vor, sondern Ziele, die auch verfehlt werden können.

Das macht für mich keinen großen Unterschied. Das Problem an Frauenquoten ist ja nicht, dass sie starr sind, sondern dass sie Geschlechterverhältnisse vorgeben. Es gibt zwar keine Sanktionen, wenn das Ziel verfehlt werden sollte, trotzdem wird von oben vorgegeben, was gut und was schlecht ist.

Braucht die FDP deiner Meinung nach überhaupt mehr Frauen in Führungspositionen?

Gute Frage, darauf habe ich keine eindeutige Antwort. Meiner Meinung nach sollte es das Ziel sein, dass jeder und jede das werden kann, was er oder sie möchte. Ich halte nichts davon zu sagen, dass wir ein 50:50-Verhältnis brauchen, weil wir das in der Gesellschaft auch haben.

Kann eine Frau in der FDP denn momentan werden, was sie will?

Wenn sie sich traut, ja. Klar, es gibt Sexismus in der Partei, wie es ihn auch überall anders gibt. Man bekommt mal Kommentare über sein Aussehen oder wird vielleicht als kleine, junge Frau nicht so ernst genommen, bevor man den Mund aufmacht. Ich nenne das Standard-Sexismus, der hoffentlich in ein paar Jahren ausgestorben ist. Es gibt aber auch Leute, die einem helfen, wenn man etwas will. Meiner Erfahrung nach ist es am wichtigsten, seine Wünsche und Ziele klar zu äußern. Sich vorzubereiten, zu netzwerken, wie es die Kerle auch machen, ganz einfach. Selbstvertrauen ist da unglaublich wichtig.

Warum gibt es dann so wenige Frauen in den oberen Rängen der FDP?

Ich glaube, dass Männer da oft mit einer entspannteren Einstellung rangehen: Einfach mal machen, was soll schon schiefgehen. Frauen sind vorsichtiger und wollen erst zu hundert Prozent sicher sein, dass sie ihr Ziel auch erreichen können. Das größte Problem ist ja außerdem, dass wir schon zu wenig weibliche Mitglieder haben. Wo sollen denn dann die Frauen für die Führungspositionen herkommen?

Die neue Regelung könnte doch mehr Frauen motivieren, in die Partei einzutreten?

Das höre ich öfter. Dagegen spricht allerdings, wie viele Mitglieder gerade austreten, Frauen, aber auch Männer. Die FDP ist eine liberale Partei, wo Menschen eintreten, weil sie Individualismus und Chancengerechtigkeit wollen. Das ist mit Geschlechterquoten nicht vereinbar.

Was würdest für mehr Frauen tun?

Letztes Jahr haben wir von den Julis eine Liste an Vorschlägen veröffentlicht. Darin fordern wir zum Beispiel eine Evaluation der Außenwirkung der Partei, um zu analysieren, warum wir unattraktiv für Frauen sind. Außerdem wollen wir eine aktivere Ansprache und digitale Mitmach-Angebote.

Du bezeichnest dich als Feministin. Was bedeutet das für dich?

Gleichberechtigung. Dass alle werden können, was sie möchten.

Was hast du jetzt vor – die Partei wechseln? Frauenquoten gibt es fast überall.

Ich bleibe bei den Julis, da haben wir ja keine Quoten. Und ich fühle mich der FDP natürlich weiterhin verbunden. Ich hoffe, dass die Partei wieder zur bedingungslosen Chancengerechtigkeit zurückfindet, dann trete ich auch wieder ein.

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Future

Code für Karriere: 3 Jobs, für die sich dein IT-Studium lohnt
…und ein Unternehmen, bei dem du all das machen kannst

IT studiert man nicht aus Versehen. Man schreibt sich da auch nicht aus Ratlosigkeit darüber ein, was man sonst studieren sollte. Und die Wenigsten entscheiden sich fürs Programmieren, weil sie glauben, dass das viel Geld bringt – obwohl das natürlich schon stimmen kann. Nein, wer Informatik studiert, der tut das, weil er von digitalen Technologien fasziniert ist. Weil er nichts interessanter findet als Algorithmen, nichts schöner als eleganten Code.

Und das ist auch gut so. 

Nur kommt dann natürlich schon irgendwann die Frage auf, was man nach dem Studium eigentlich machen möchte, beziehungsweise: Was ist eigentlich alles möglich mit einem Abschluss in IT? Die Antwort: mehr, als du vielleicht denkst. Daten und Algorithmen spielen inzwischen in eigentlich jeder Abteilung jedes Unternehmens jeder Branche eine Rolle. Das Einsatzgebiet guter IT-Spezialisten ist also erstmal so groß wie die Wirtschaft selbst. Und so gibt es extrem spannende Stellen auch in Bereichen, an die du vielleicht erstmal nicht gedacht hast. Drei davon stellen wir hier vor.