Bild: Ferry Dietel
Was "Die Urbane" in der Politik will

HipHop und Politik – passt das zusammen? Die Gründer von "Die Urbane. Eine HipHop Partei" (DU) finden: sehr gut. Bereits bei der Bundestagswahl im September wollen sie mitmischen. 

Wir beziehen uns auf den Gründungsmythos der HipHop-Kultur – gewaltfreie Konfliktlösung mit Hilfe der Kreativität
Fabian Blume, Generalsekretär Bundesvorstand Die Urbane

Dass HipHop politisch sein kann, zeigen auch die Antilopen Gang oder Samy Deluxe. Die Gründer der Partei stricken daraus ein fundiertes Programm: "Urban" steht für die Herausforderungen einer zusammenwachsenden Gesellschaft über Städte, Regionen und Nationen. DU steht für mehr direkte Politik von unten anstelle von oben herab. (Die Urbane)

Wer sind die Gründer?

Initiiert wurde die Partei von Rapper Fabian Blume aka Dra-Q, dem ehemaligen Breakdance-Weltmeister Niels Robitzky aka Storm und DJ Freshfluke, die DJane von Sookee. Ihre Motivation: HipHop ist für sie eine globale und emanzipatorische Bewegung – diese Werte wollen die Mitglieder in die Politik bringen. 1

Bei einem Kick-Off-Jam am 20. Mai in Berlin wurde die Parteigründung offiziell gefeiert. Support gab es vom Rapper Chefket, an den Turntables stand DJ Mirko Machine, der schon den Sound für Dendemann und Gangstarr geregelt hatte. 

Was ist das Programm?

Ein Blick in das 31-seitige Parteiprogramm zeigt Punkte, die man von einer HipHop-Partei auch erwarten würde:

  • Ein Schwerpunkt bildet Kultur als Bildungsprogramm. Mit einem Stimmzettel soll jeder mitbestimmen, an welche Institutionen staatliche Kulturförderung geht. So sollen Menschen stärker in kulturpolitische Entscheidungen einbezogen werden. 
  • Verständlich wollen sie kreative Freiheit fördern und das sogenannte Sampling schützen. Dies meint ein Zitieren von bestehenden musikalischen Inhalten – ein Grundpfeiler vom HipHop-Sound. DU will, dass diese urheberrechtlich umstrittene Methode weiterhin möglich bleibt.
Es geht nicht darum, "Yo!" zu schreien und das Parteiprogramm zu taggen.
Aus dem Parteiprogramm
  • Ein humanitäres Visum soll geflüchteten Menschen ermöglichen, schnell in Deutschland Asyl zu erhalten. 
  • Zum Leben in der Stadt: DU will gegen Gentrifikation vorgehen, manche Einrichtungen sollen sogar "Milieuschutz" bekommen. Im Sportunterricht soll anstelle von Leichtathletik Breakdance, im Kunstunterricht Graffiti und im Deutschunterricht Rap-Lyrics statt Goethe-Gedichte gelehrt werden. 
  • Und klar – Cannabis will die DU auch legalisieren.
Politik ist nur ein Wort dafür etwas zu tun, das die gesamte Gesellschaft betrifft, sie beeinflusst und hoffentlich voranbringt. Das tun wir sowieso, mit der HipHop Kultur.
Aus dem Parteiprogramm
Ist das ernst zu nehmen?

In der Summe kommt DU mit einem Programm daher, das nicht wirklich neue Punkte zu bieten hat. Gras legalisierendas wollen die Grünen schon länger und soziale Gerechtigkeit ist fester Programmpunkt der Linken. 

Aber: HipHop erreicht Menschen, die sonst mit Politik nicht viel zu tun haben – warum die Werte also nicht in ein politisches Programm überführen? 

Der Vorteil der Partei – die Künstler sind in der HipHop-Szene gut vernetzt. Das könnten sie nutzen, um bekannter zu werden und sich als Partei zu etablieren

Denn dass aus kleinen Bewegungen etablierte Parteien werden können, haben schon andere Beispiele gezeigt. Aus der Friedens- und Anti-Atomkraftbewegung der Siebzigerjahre gründete sich später Die Grünen

"Die Urbane" muss jedoch zunächst die Gründungsphase überstehen. 200 Mitglieder haben sie bereits, mit Landesverbänden in Niedersachen, Berlin und Sachsen.

Den Bundeswahlausschuss haben sie von ihrem Programm bereits überzeugt – und die Zulassung zur Bundestagswahl im September in der Tasche. Jetzt müssen sie bis zum 17. Juli noch die notwendigen 2000 Unterschriften zusammenkriegen.

Dann wäre das erste Battle – ein Platz auf dem Stimmzettel – geschafft.


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