Bild: Epa/Ghulamullah Habibi
Der Islamische Staat strebt nach immer mehr Macht. Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen.
Was ist passiert?

Die EU fürchtet, dass der Islamische Staat auch Afghanistan erobern könnte. Der Sonderbeauftragte der EU warnt in einem Gastbeitrag in der Welt: "Machen wir uns keine Illusionen: Der Islamische Staat (IS) ist angekommen in Afghanistan", schreibt Franz-Michael Mellbi. Die afghanischen Sicherheitskräfte seien mit der Situation überfordert.

In den vergangenen Wochen hat sich der IS in Afghanistan neu formiert, Orte in Nangarhar verwüstet, Stammesführer brutal ermordet, Kämpfe mit den Taliban geführt, ganze Familien gefangen genommen und rigorose Regeln für Frauen verhängt
– EU-Beauftragte Franz-Michael Mellbi
Warum ist das wichtig?

Falls der IS sich wirklich in Afghanistan etablieren könnte, wäre das eine Katastrophe – für das Land selbst wie auch für den Westen: In Afghanistan marschierten die USA und ihre Verbündeten einst ein, um die Taliban zu entmachten. Schon das hat nicht vollständig funktioniert. Eine Schreckensherrschaft des IS wäre wahrscheinlich noch schlimmer für die Bevölkerung.

Im Irak und Syrien hat die Miliz ihre Terrorherrschaft gefestigt – und zeigt mit zahlreichen Grausamkeiten täglich, was das bedeutet. Übernimmt der IS die Macht, wäre die Afghanistan-Strategie des Westens offiziell gescheitert.

Eine weitere mögliche Konsequenz: Noch mehr Menschen müssten aus Afghanistan flüchten. Zwischen Januar und August 2015 haben über 13.000 Afghanen Asyl in Deutschland beantragt. Ganz Europa müsste sich im Fall einer IS-Herrschaft auf deutlich mehr afghanische Flüchtlinge einstellen. Und wäre mehr denn je verpflichtet zu helfen.

Wie groß ist die Gefahr?

Das weiß auch der EU-Beauftragte nicht. Es sei allerdings keineswegs sicher, dass der Islamische Staat sich wirklich in Afghanistan festsetzen kann. So richtig gefährlich wird es wohl nur dann, wenn der IS zu einem Sammelbecken für alle möglichen Taliban wird, die keine Lust mehr auf interne Streitereien haben.

Was schlägt der EU-Beauftragte vor?
  • Den IS besser zu analysieren. Und daraus eine Strategie gegen den IS in Afghanistan zu entwickeln, bisher gebe es nämlich noch keine.
  • Den afghanischen Staat zu stärken. Der Grundgedanke: Solange der Staatsdienst die bessere Option für junge Männer ist, laufen die nicht zum IS über.
Und die Taliban?

Die hatten am Montag Kunduz erobert. Damit haben die Taliban ausgerechnet die Stadt eingenommen, in der bis vor zwei Jahren deutsche Soldaten stationiert waren. Inzwischen haben afghanische Spezialkräfte die Taliban wieder aus der Stadt vertrieben.

Nur 150 Kilometer von Kunduz entfernt bilden deutsche Soldaten immer noch die afghanische Armee aus. Eigentlich nur bis Ende 2016, dann soll die Bundeswehr Afghanistan verlassen. In Deutschland diskutieren Politiker jetzt, ob der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr nicht doch verlängert werden sollte.