Jungs werden Abenteurer, Handwerker und Chef. Mädchen werden Prinzessinnen. Das vermitteln zumindest Tausende Motive auf Kleidungsstücken für kleine Kinder.

Auch die achtjährige Daisy Edmonds aus dem englischen Swindon entdeckte dieses Phänomen und erzürnte sich darüber in einem Facebook-Video.

"Ich glaube, dass das falsch ist. Warum sollten Jungs und Mädchen überhaupt unterschiedliche Kleidung tragen?"
Daisy Edmonds

In einer Filiale der britischen Supermarktkette Tesco entdeckte die Achtjährige gravierende Unterschiede in den Botschaften, die auf Kinder-T-Shirts gedruckt waren:

  • Die Jungs wurden ermutigt, Abenteuer zu erleben, um die Ecke zu denken oder direkt zum "HERO" erklärt.
  • Die Mädchenshirts hingegen zeigten Herzchen und Slogans wie "Schön", "Ich fühle mich märchenhaft" oder den schwer intellektuellen Aufdruck "HEY!".

Das Phänomen tritt übrigens nicht nur in England auf: Eine Studie der TU Berlin aus dem Jahr 2015 fand heraus, dass Jungskleidung in Deutschland am häufigsten mit den Adjektiven "crazy", "cool", "wild" und "strong" vertrieben werden, bei den Mädchen liegen "little", "sweet", "happy" und "cute" vorne. (ZEIT)

Im Slider: Die besten Zitate aus dem Video
"Das ist unfair, weil jeder denkt, dass Mädchen nur hübsch sein sollen und Jungs draufgängerisch."
"Ich finde das falsch. Warum sollten Jungs und Mädchen überhaupt andere Kleidung tragen? Es ist doch keiner besser als der andere."
"Bei Jungs heißt es, sie sollen um die Ecke denken. Jungs sollen sich nicht aufhalten lassen, ihre Träume verfolgen."
"Und was ist bitte toll am Aufdruck 'Hey'? Ich verstehe es nicht!"
1/12

Die Resonanz ist überwältigend: Bisher haben knapp 18.000 Menschen das Video geteilt, 1,6 Millionen mal wurde es angesehen. Supermarktriese Tesco entschuldigte sich sogar und bot an, die neue Kollektion gratis an Daisy und ihre Schwester zu schicken. (Facebook)

Allerdings hinterlässt die kluge Analyse des jungen Mädchens leider einen schalen Nachgeschmack: Offenbar vermarkten die Eltern Daisy und ihre Schwester auf Facebook, YouTube, Snapchat, Twitter und Instagram. So drehte Daisys Mutter auch das Video und stellte die Fragen. All das wirkt schon arg auf viralen Erfolg getrimmt.

Unter dem Namen "Lolly und Doodle" sind auf all den Netzwerken Profile und Bilder der beiden Mädchen zu finden. Unter anderem twitterten sie "Hermine"-Darstellerin und Feministin Emma Watson an, um das Video bekannt zu machen.

Dennoch, am Ende des Videos trifft Daisy jedenfalls noch eine kluge Entscheidung:
Ich glaube, dass auch Mädchen "Helden" sein möchten. Deshalb hänge ich diese T-Shirts jetzt in die Mädchenabteilung.
Daisy Edmonds
Hier gibt es das ganze Video:

Here's what I thought of the clothes in Tesco this morning....

Posted by Lolly and Doodle on Saturday, September 24, 2016

Das könnte dich auch interessieren:


Fühlen

Welchen Tinder-Typen du in Berlin begegnest

Wenn es Tinder nicht gäbe, hätte ich keine Ahnung, wie sich Menschen in Deutschland kennenlernen. Ernsthaft: Sie lernen sich entweder schon in der Schule kennen und bleiben dann für immer zusammen – oder aber Freunde helfen beim Verkuppeln. Was es in Deutschland nicht gibt, sind Männer, die einfach mal flirten.

Ich komme aus London, lebe aber schon seit sieben Jahren in Berlin. In Großbritannien sind Kerle sehr offensiv. Deutsche hingegen würden es sich nie erlauben, dich in einer Bar oder einem Club anzusprechen, oder – Gott bewahre – gar auf der Straße. Es gibt nur diese eine kleine Sache, die deutsche Männer machen. Sie ist so dezent, dass ich sie viele Jahre gar nicht bemerkt habe.

Achtung: Deutsche Männer schauen dich an.

Das ist schon alles. Sie schauen. Aus den Blicken muss frau dann erraten, ob sich ein Flirt entwickeln kann.