19 starke "MeTwo"-Tweets

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Deutsche haben heute türkische Wurzeln oder italienische, haben Großeltern, die aus Polen oder Russland kommen, sind aus afrikanischen Ländern eingewandert oder aus asiatischen. Mehr als jeder Fünfte, der hier lebt, hat mittlerweile einen Migrationshintergrund. (bpb)

Trotzdem fühlen sich viele nicht akzeptiert – denn sie werden nicht angenommen, aufgrund ihres Aussehens, ihres Nachnamens oder ihrer Kleidung.

Wer Kopftuch trägt, tut das aus persönlicher Überzeugung – aber hat es schwerer im Job (bento). Und wer Ökzan statt Müller heißt, findet seltener eine Wohnung (bento). Und wer einfach nur eine dunklere Haut hat, bekommt häufiger dumme Sprüche gedrückt – oder wird "für sein gutes Deutsch" gelobt. (bento)

Der Hashtag #MeTwo zeigt nun diese Formen von Diskriminierung und Rassismus im Alltag.

Der Aktivist und Buchautor Ali Can hat ihn gestartet. Er will damit – nach den Diskussionen um Mesut Özils Abschied aus der Nationalmannschaft – ein neues Zeichen gegen Fremdenhass setzen:

Ich wünsche mir mehr Menschen des öffentlichen Lebens, die jetzt sagen: Ihr gehört dazu, ihr seid Teil von Deutschland.

Der Wunsch geht noch nicht in Erfüllung. Deutsche Politikerinnen und Politiker schweigen bisher zum Hashtag. Betroffene allerdings nicht.

Tausende Geschichten hat "MeTwo" mittlerweile gesammelt. Es gibt traurige, witzige oder wütende Tweets – und solche, die sprachlos machen.

Viele berichten über Erfahrungen aus der Schulzeit. Schon Lehrerinnen und Lehrer hätten ihnen das Gefühl gegeben, nicht dazu zu gehören:

Egal, wie sehr man sich anstrengt – die Lehrkraft sieht nur dein Äußeres.

Auch der Comedian Shahak Shapira mischt sich ein – und spricht über Antisemitismus.

Andere erleben offenen Hass, direkte Gewaltandrohungen.

Was schmerzt, ist der subtile Alltagsrassismus. An der Uni...

...oder bei der Arbeit.

Viele berichten unter dem Hashtag über Diskriminierung bei der Wohnungssuche. 

Andere schildern Szenen aus dem Alltag – beim Einkauf zum Beispiel. 

Es erinnert an Christian Lindners Spruch, dass man wissen wolle, wer in der Schlange beim Bäcker stehe.

Was der Hashtag auch zeigt: Viele fühlen sich schutzlos, wissen nicht, wie sie auf den Alltagsrassismus reagieren sollen.

Aber "MeTwo" scheint nun Dinge zu verändern – denn der Aufschrei gibt Kraft. Und macht klar: Es ist deine Heimat – egal, was andere sagen.


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