Bild: Arne Dedert/dpa
"Das ist völlig menschenverachtend."

Bevor die Deutsche Post befristete Mitarbeiter fest anstellt, zählt sie, wie oft die Menschen krank waren. Das ist nur eines der Kriterien, von denen die Post die Entfristung ihrer Angestellten abhängig macht und für die sie jetzt heftig kritisiert wird. Einen entsprechenden Bericht der Bild am Sonntag hat die Deutsche Post inzwischen bestätigt.

Was für Kriterien guckt sich die Post an?

  • Mitarbeiter dürfen in zwei Jahren nicht häufiger als sechsmal krank gewesen sein beziehungsweise nicht mehr als 20 Krankheitstage anhäufen dürften.
  • Weiter schreibe die Post vor, dass der Mitarbeiter "höchstens zwei selbstverschuldete Kfz-Unfälle mit einem maximalen Schaden von 5000 Euro" verursachen dürfe.
  • Außerdem dürften Postboten in drei Monaten nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen.

Was sagt die Post?

Die Aufregung darüber erschließe sich ihm nicht, sagte ein Sprecher der Post.

Dass wir im Konzern überlegen, wer auf Dauer den Anforderungen gewachsen ist, das ist im Interesse aller Beteiligten, insbesondere der Kunden.
Sprecher der Post

Die Tätigkeit des Postboten sei auch körperlich anstrengend. Im Übrigen lege die Post aber keine Schablonen an, sondern berücksichtige immer das Gesamtbild. Da Zusteller im Moment dringend gesucht würden, könne man außerdem davon ausgehen, dass die Auswahl nicht nach zu strengen Kriterien erfolge.

Wie reagieren Politiker?

  • Beate Müller-Gemmeke, Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte: "Diese Kriterien sind völlig menschenverachtend und sittenwidrig."
  • Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe von CDU/CSU: "So ein Kriterienkatalog, wie er vorliegt, ist ein Quatsch und der Personalabteilung eines Großunternehmens unwürdig." 
  • Bundesfinanzminister Olaf Scholz sagt am Sonntagabend bei "Anne Will": Er nehme diese Praxis nicht hin, sie sei nicht in Ordnung und nicht gut. Er sei überzeugt, dass die befristete Beschäftigung zurückgedrängt werden müsse. Bei der Post könne der Bund seinen Einfluss geltend machen.

Der deutsche Staat ist über die Kreditanstalt für Wiederaufbau indirekt an der Deutschen Post AG beteiligt. Die SPD hatte sich im Wahlkampf dafür eingesetzt, sogenannte sachgrundlose Befristungen zu verbieten.

Mit Material von dpa


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