Bild: Pixabay/Deutsche Post; Montage: bento
So knapp sind die Krankentage angesetzt.

Die Deutsche Post macht die Entfristung von Arbeitsverträgen jetzt auch von den Krankheitstagen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abhängig. Wer in zwei Jahren mehr als 20 Tage krank war, hat keine Chance auf eine feste Anstellung. 

Die Idee kommt von der Chefetage der Deutschen Post, ein Konzept mit den Entfristungsregeln soll an alle Niederlassungsleiter ausgehändigt worden sein. 

Nun empören sich viele über die Post-Pläne – und fragen, wie sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schützen können.

Hier sind die wichtigsten Antworten:

1.

Was sagt die Post?

Sie hält ihre Entfristungspläne für okay. Gegenüber dem WDR erklärte ein Sprecher: 

"Dass wir für unsere Niederlassungen eine Orientierung geben, nach welchen Kriterien man Kollegen bewerten kann, ob sie auf Dauer dafür geeignet sind, halte ich nicht für verwerflich."

2.

Aber ist die Regelung überhaupt erlaubt?

Ja, sagt Matthias Jacobs, Professor für Arbeitsrecht an der Bucerius Law School in Hamburg, rechtlich würde die Deutsche Post nichts falsch machen. "Für den Arbeitgeber gilt Vertragsfreiheit, er hat bei einer Einstellung alle Freiheiten."

Bedeutet: Egal, was in einem befristeten Arbeitsvertrag stand – für einen festen wird noch mal komplett neu verhandelt. 

Aus Sicht von Jacobs haben befristet Angestellte auch kaum eine Chance, dagegen zu klagen. Das Gleichbehandlungsgesetz schütze zwar vor Diskriminierung – "aber es greift nur bei Behinderungen, längere Erkrankungen zählen nicht hinein". 

3.

Wie machen es andere Unternehmen?

Darüber gibt es keine offiziellen Zahlen. Grundsätzlich wird jede Arbeitgeberin oder jeder Arbeitgeber am liebsten diejenigen einstellen, die möglichst fit sind. Die Frage ist, ob sie sich dabei auch erwischen lassen.

Dass so etwas in einem Konzept auf Papier festgehalten wird – wie nun bei der Deutschen Post – das dann auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an die Presse weitergegeben wird, ist eher die Ausnahme.

4.

Wie häufig sind Arbeitnehmer krank?

Einheitliche Zahlen gibt es nicht. Aber verschiedenen Erhebungen:

  • Laut den jüngsten Zahlen der Bundesregierung war 2016 jeder Beschäftigte im Schnitt 12 Tage krank. Als häufigste Gründe für Fehltage nennt der Bund: Krankheiten des Kreislaufsystems und psychische Erkrankungen.
  • Die Techniker-Krankenkasse hat eigene Zahlen für 2017, allerdings nur gemessen an Kunden ihrer eigenen Kasse. Im Schnitt haben die Arbeitnehmer an 15,1 Tagen gefehlt. Den größten Anstieg verzeichneten Krankmeldungen für psychische Belastungen.
  • Und die AOK hat in ihrem Fehlzeiten-Report für 2016 im Schnitt 19,4 Tage gezählt, allerdings nur für Krankschreibungen mit ärztlicher Bescheinigung. Auch hier: Die  Zahl der Arbeitsausfälle wegen psychischer Probleme ist am stärksten gestiegen.

Für alle Zahlen gibt jedoch: Die Deutsche Post hat ihre Krankentage sehr niedrig angesetzt. 

Die Deutsche Post rechnet mit 20 Tagen auf zwei Jahre – also zehn Fehltage für ein Jahr. Das liegt leicht unter dem Schnitt der Bundeszählung und jeweils deutlich unter den Erhebungen der Krankenkassen. Mit einer fairen Behandlung hat die Entfristungsregelung also nur wenig zu tun.


Today

YouTuber Leon Machère muss 32.500 Euro Strafe zahlen
Nicht alles eignet sich als Snapchat-Video.

Nachdem ein spontanes Fan-Treffen in Augsburg aus dem Ruder lief, muss der YouTuber Leon Machère 32.500 Euro Strafe zahlen – wegen Beamtenbeleidigung.

Was ist passiert? Warum wurde Leon Machère verurteilt?

Leon Machère, der auf YouTube über zwei Millionen Abonnenten hat, war im März 2017 zu einem Besuch in Augsburg. Gut 1200 seiner Fans kamen daraufhin in die Augsburger Innenstadt, um ihn zu sehen. Das Ganze drohte im Chaos zu versinken und der YouTuber wurde auf eine Polizeiwache gebracht.