Bild: Felix Huesmann
Die Partei will sich in Stuttgart ein Grundsatzprogramm geben. Manchen Mitgliedern muss man allerdings erstmal erklären, wie das geht.

"Wer ist dafür? Fast niemand. Wer ist dagegen? Fast alle. Wer enthält sich? Abgelehnt!"

So geht es beim AfD-Parteitag am Sonntag immer wieder. Die Partei will sich etwas mehr als ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl ein Grundsatzprogramm geben. Die größte Hürde sind dabei allerdings die eigenen Mitglieder.

Der Parteitag in Bildern – so sieht es aus, wenn die AfD sich trifft:
1/12

Es geht zum Beispiel um den Umgang mit dem Islam (gehört für die AfD auf keinen Fall zu Deutschland) und die Forderung nach einem "Verschleierungsverbot" in der Öffentlichkeit. Einem Antragsteller geht die Originalforderung im Programmentwurf nicht weit genug: Ursprünglich forderte die Partei dort, das Tragen von Burka oder Niqab zu verbieten.

Nun die AfD jedoch ganz allgemein für ein Verbot jeder Verschleierung ein. Ob damit auch Karnevalsmasken und Skihauben gemeint sind, wird in Stuttgart nicht erörtert.

Auch um die Grenzsicherung geht es, und um die Frage, ob sich die Partei generell gegen jede Einwanderung stellt. Viele der versammelten Mitglieder wollen Deutschland gegen alle "kulturfremden Ausländer" abschotten, am Ende setzt sich hier jedoch die etwas moderatere Fraktion durch, die zumindest gut ausgebildete Fachkräfte reinlassen will.

Krzysztof Walczak von der "Jungen Alternative" will angebliche "Lifestyle-Abtreibungen" verbieten.(Bild: Felix Huesmann)

Auch bei der Frage nach dem Abtreibungsrecht werden die Hardliner überstimmt. Die "Junge Alternative", die Jugendorganisation der Partei, spricht sich für eine drastische Verschärfung aus und redet von massenhaften "Lifestyle-Abtreibungen", die man verhindern müsse. Eine Mehrheit ist dann jedoch gegen die weitgehende Illegalisierung von Abtreibungen.

Viel mehr als über Inhalte wird allerdings über Geschäftsordnungsanträge geredet, also zum Beispiel über Anträge, die Tagesordnung zu verändern. Immer wieder strecken vor den Saalmikrofonen Menschen ihre beiden Arme in die Luft – das Signal für einen Antrag zur Geschäftsordnung.

Den überwiegend älteren Herren in Hemden und Sakkos müssen dabei allerdings immer wieder die Regularien ihres Parteitags erklärt bekommen. "Entschuldigung, aber das war kein Geschäftsordnungsantrag", sagt Christoph Basedow, der Vorsitzende des Parteitagspräsidiums immer wieder. Mehrfach muss er Parteimitgliedern erklären, dass bereits eine Abstimmung eröffnet wurde, und sie gar keine Anträge mehr stellen dürfen.

Hoch die Hände! So stellt man bei der AfD einen Geschäftsordnungsantrag.(Bild: Felix Huesmann)

Im Laufe des Tages wird Basedow dabei immer genervter und ungehaltener. Auch die Parteispitze auf dem Podium scheint über die unprofessionelle Parteibasis nicht erfreut.

Die Anti-AfD-Demo zum Parteitag in Stuttgart – die Fotostrecke:
1/12

Die meisten Parteimitglieder und vor allem der Parteivorstand halten sich mit rechtsradikalen Äußerungen jedoch eher zurück. Für so manche Flugblätter, die auf dem Parteitag verteilt werden, gilt das allerdings nicht:

(Bild: Felix Huesmann)

Das Flugblatt stammt offensichtlich von "Reichsbürgern", sie glauben, dass die Bundesrepublik gar kein Staat sei, sondern eine GmbH oder eine Verwaltung, die von den USA und den Alliierten geführt werde.

Das ist ziemlich absurd – und auch in der AfD keineswegs eine gängige Auffassung. Aber immerhin verbreitet genug, um im Raucherbereich der Parteitagshalle verteilt zu werden.


Gerechtigkeit

Die Teufelsaustreiber von Kairo
Wie Christen und Muslime in Ägypten durch Exorzismen zusammenfinden.

Der Scheich ist zufrieden. Mit seiner linken Hand hält der Muslim einen Dschinn in einem Wasserglas gefangen, die rechte Hand wölbt er an seinem Mund, um Koransuren zu rezitieren. Neben ihm sitzt Magdy, ein Christ, und schaut gleichsam besorgt und belustigt auf das Spektakel. "Woher weiß ich, dass das mein Dämon ist?", fragt er den Scheich. "Du musst es schon glauben", grummelt dieser.

Magdy, 33, lebt als Schweinezüchter im Armenviertel Manshiat Nasser der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Seine breiten Oberarme spannen den gelben Stoff seines Hemdes, dunkle Locken fallen ihm fast bis auf die Schultern. Er ist ein hübscher Kerl.