Bild: dpa/privat
Was ist passiert?

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat dem in der Türkei inhaftierten Welt-Korrespondenten Deniz Yücel "Spionage" vorgeworfen. Das berichtet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. (SPIEGEL ONLINE)

Erdogan bezeichnete Yücel in einer Rede in Istanbul demnach als kurdischen Aktivisten und deutschen Agenten.

"Als ein Vertreter der PKK, als ein deutscher Agent hat sich diese Person einen Monat lang im deutschen Konsulat versteckt."​
Erdogan über Yücel
Was wird Deniz Yücel vorgeworfen?
(Bild: dpa/Karlheinz Schindler)
  • Yücel sitzt seit dem 28. Februar in der Türkei in Untersuchungshaft – weil er seinen Job als Journalist machte. Er besitzt einen deutschen und einen türkischen Pass und berichtete für die "Welt" unter anderem über die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die Geschäfte von Erdogans Schwiegersohn.
  • Die türkische Justiz wirft Yücel Terrorpropaganda und Volksverhetzung vor. In der Türkei und auch in Deutschland gilt die PKK als terroristische Vereinigung.
  • Die Pressefreiheit gilt in der Türkei nicht mehr: Seit dem Putschversuch im Juli des vergangenen Jahres hat Präsident Erdogan rund hundert Journalisten festnehmen lassen, 170 Medienhäuser mussten schließen.
  • Allein die Untersuchungshaft kann in der Türkei dank des verhängten Ausnahmezustandes fünf Jahre dauern. Erst dann müsste Yücel spätestens der Prozess gemacht werden. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehneinhalb Jahre Haft.

Was bedeutet Erdogans Spionagevorwurf für Yücel?
  • Ob Erdogan den Vorwurf wirklich ernst meint, bleibt abzuwarten. Die Rede zeigt aber: Yücel ist offenbar zu einem Mittel Erdogans im türkischen Wahlkampf geworden. Erdogan scheint den Konflikt mit der deutschen Regierung gezielt zu eskalieren, der Fall Yücel könnte ihm dabei helfen.
Warum könnte Erdogan an einer Eskalation des Konflikts gelegen sein?
(Bild: dpa/Yasin Bulbul)
  • Die Türkei stimmt am 16. April über ein Präsidialsystem ab. Auch rund 1,5 Millionen Türken in Deutschland sind wahlberechtigt.
  • Erdogan möchte durch die Reform unter anderem das Amt des Ministerpräsidenten abschaffen und dessen Befugnisse auf den Präsidenten übertragen – also sich selbst.
  • Erdogans Vorschlag spaltet das Land, ein Sieg beim Referendum ist ihm nicht sicher. Der renommierte türkische Oppositionspolitiker Mithat Sancar glaubt deshalb:
"Erdogan schürt den Konflikt mit der Bundesregierung ganz bewusst, um die nationalistischen Gefühle in der Türkei zu befeuern. Denn er braucht die Stimmen der Nationalisten beim Referendum." Das sagte er im Interview mit SPIEGEL ONLINE.
Bild: dpa/Bern Thissen
Weiße Anführungszeichen
Die Verhaftung ist ganz klar eine Erpressung.
Tatsächlich warf Erdogan Yücel erst Spionage vor, nachdem zwei Wahlkampfauftritte seiner Minister in Deutschland untersagt worden waren.
  • Am Donnerstagabend sollte der türkische Justizminister Bekir Bozdag im baden-württembergischen Gaggenau auftreten. Gaggenau sagte eine Veranstaltung kurzfristig ab – aus Sicherheitsgründen. Die vorgesehene Halle sei für ein solches Event zu klein gewesen, heißt es.
  • Auch die Stadt Köln verweigerte dem Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci einen Auftritt im Bezirksrathaus. Die Begründung: Ein Kulturevent mit Zeybekçi sei spontan zu einer "Informationsveranstaltung" umbenannt worden und dafür gebe es keine Erlaubnis.
Die Auftritte sind für Erdogan wichtig, um die in Deutschland lebenden Türken von seiner Verfassungsreform zu überzeugen.

In seiner Rede sagte Erdogan deshalb in Richtung der Verantwortlichen für die Absagen:

"Man sollte sie wegen Beihilfe zum Terrorismus verklagen."​

  • Formal haben die beiden Kommunen die Auftritte abgesagt und nicht die Bundesregierung.
  • Außenminister Sigmar Gabriel bekräftigte jedoch: Reine Wahlkampf-Reisen türkischer Minister nach Deutschland seien nicht erwünscht. Gäste aus der Türkei sollten nicht nur zu Wahlkampfveranstaltungen fahren, sondern sich dann auch dem Gespräch mit deutschen Amtskollegen stellen, sagte Gabriel bei einem Besuch in Kiew.
Erdogans Wahlkampf, die Auftritte türkischer Politiker in Deutschland und die Inhaftierung Yücels sind in der öffentlichen Diskussion kaum mehr voneinander zu trennen.

Das zeigt auch die Reaktion des Grünen-Chefs Cem Özdemir. Seine Forderung:

Bild: dpa/Gregor Fischer
Weiße Anführungszeichen
Wenn Erdogan in Deutschland reden will, muss er der türkischen Opposition und den inhaftierten Journalisten ihre Freiheitsrechte zurückgeben.

Dazu schrieb er in seinem Tweet: #FreeDeniz.


Fühlen

In Australien ziehen sich gerade viele Menschen aus – mitten in der Natur

Das sieht wirklich nach Freiheit aus: Nackte im Wasser, drumherum keine anderen Menschen. Nackte, die an einer Schlucht stehen und die Hände in den Himmel strecken. Nackte, die im australischen Dschungel neben wuchernden Pflanzen stehen, ihre Füße versinken im Sand.

Nackte Körper sind was ganz Natürliches – das will uns zumindest ein Instagram-Account sagen, dem gerade immer mehr Leute folgen. Zu sehen ist: Fotos von Menschen, die sich mitten in der australischen Natur ausziehen.