Hier spricht Juso-Vize-Chefin Delara Burkhardt über ihre Bevorzugung auf der Liste für die Europawahl.

Delara Burkhardt ist 26 Jahre alt, eine Frau und in der SPD. Bei der Europawahl wird sie für ihre Partei antreten. Und wenn alles läuft wie geplant, wird sie ins Europäische Parlament einziehen. Das ist gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert.

  • Zum einen gibt es nicht so viele junge Frauen in der Partei.
  • Noch weniger junge Frauen werden von der Partei auf aussichtsreichen Listenplätzen aufgestellt, selbst wenn sie, wie Burkhardt, Vize-Chefin der Jusos sind.
  • Zudem war der Zug nach Brüssel für Delara Burkhardt schon abgefahren – eigentlich.

Auf dem Nominierungsparteitag der SPD in Schleswig-Holstein unterlag sie ihrem Kontrahenten Enrico Kreft, 40. Auf dem Vorschlag des SPD-Parteivorstands zur Bundesliste der Partei für die Europawahl hätte sie also weit abgeschlagen hinter Kreft landen müssen.

Aber es kam anders.

Der SPD-Parteivorstand zog zwei junge Kandidatinnen auf aussichtsreiche Plätze vor. Delara Burkhardt war eine davon. Sie bekam den Listenplatz fünf. Baden-Württembergs SPD-Generalsekretärin Luisa Boos, 33, bekam Platz 15. (Hier ist die Wahlliste der SPD für die Europawahl, die am 9. Dezember bei einer Delegiertenkonferenz gewählt werden soll.)

Burkhardts Konkurrent aus Schleswig Holstein, Enrico Kreft, blieb Platz 32. Obwohl ihn die SPD-Mitglieder im Norden vor Burkhardt platzieren wollten. Viele in der SPD beschwerten sich.

Evelyne Gebhardt, 64, ist eine von denen, die wegen der Bevorzugung von jüngeren Kandidatinnen zurückstecken mussten. Sie steht auf Platz 25. Gebhardt, immerhin Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, schrieb auf Facebook, sie sei "maßlos enttäuscht. Die Bundespartei wolle sich ein "jüngeres, social-media-konformes Image" verpassen. (SPIEGEL ONLINE)

Wir haben mit Delara Burkhardt über die Entscheidung und ihre Konsequzenzen gesprochen. Im Interview erzählt sie, was sie den Vorwürfen entgegnet, eine junge Quotenfrau zu sein. Und sie erklärt, warum es aus ihrer Sicht so wenig junge Politikerinnen und Politiker in der Partei nach oben schaffen.

Delara, der SPD-Parteivorstand hat dich auf der Kandidatenliste für die Europawahl nach oben gezogen. Warum war das notwendig?

Die SPD hatte vor einem Jahr beschlossen, jünger, weiblicher und vielfältiger zu werden. Nun haben vor der Europawahl viele Jusos kandidiert, aber niemand hat es auf einen aussichtsreichen Listenplatz geschafft. Einzige Ausnahme: Tiemo Wölken, der aber bereits Europa-Abgeordneter ist. Und wenn man das ernst meint mit jung und weiblich, dann muss der Vorstand eine politische Entscheidung treffen. Das hat er gemacht und wir Jusos freuen uns darüber.

In der Partei gab es aber ziemlich Ärger. Der Kandidat aus Schleswig-Holstein, Enrico Kreft, hatte die Abstimmung gegen dich eigentlich gewonnen, er müsste also auf der Liste über dir stehen. Nun steht er auf Platz 32, deutlich hinter dir. Er wird es wohl nicht ins Europäische Parlament schaffen.

Ich finde das auch problematisch, dass er so weit hinten steht. Aber ich habe Platz fünf als stellvertretende Bundesvorsitzende der Jusos, bei denen ich seit Jahren internationale Politik mache, erhalten. Das ist mir wichtig, weil mir einige vorgeworfen haben, dass mein guter Listenplatz undemokratisch sei. Das stimmt nicht. Die politische Entscheidung, die Liste vielfältiger zu machen, haben die Landesverbände im Nominierungsverfahren nicht umgesetzt, also wurde das im Nachhinein gemacht.

Fühlst du dich nun wie die junge Quotenfrau?

Natürlich fühle ich mich nun manchmal so, aber dafür schäme ich mich nicht. Ich repräsentiere die Lebensrealität junger Menschen, die bisher im europäischen Parlament fast gar nicht stattfindet. Da wird eine ganze Generation ausgesperrt. Darum geht es mir. Seitdem ich auf der Liste nach oben gezogen wurde, werde ich vor allem von der Presse auf jung und weiblich reduziert. Als hätte ich sonst keine Qualifikation. Allein in den vergangenen fünf Jahren war ich für die Jusos 33 Mal auf internationalen Delegationsreisen unterwegs und habe Politik gemacht. Ich brauche mich da echt nicht verstecken. In meiner Kampagne bin ich durch den Norden getourt, die SPDler im Land wissen, was ich drauf habe. Letztendlich habe ich nur sehr knapp im zweiten Wahlgang gegen Enrico Kreft verloren.

Die Entscheidung des Parteivorstands ist ein großer Erfolg für die Jusos. Wie habt ihr das geschafft?

Wir waren auch überrascht, wie deutlich der Parteivorstand unserem Vorschlag gefolgt ist. Wir haben einfach angemerkt, dass es ein strukturelles Problem ist, wenn ganze viele Jusos kandidieren, aber es niemand schafft. Offensichtlich war das Argument überzeugend.

Warum haben die Jusos denn so schlecht abgeschnitten?

Die Landesverbände nominieren ihre Kandidatinnen und Kandidaten, so machen sie ihre Prioritäten deutlich. Schon dabei wurde klar, dass es für Jusos schwer bis aussichtslos wird. Das ist genau das, was unter #diesejungenleute Anfang des Jahres deutlich wurde: Vermeintliche Lebenserfahrung wird zum Hauptkriterium gemacht. Wir Jungen sind zahlenmäßig unterlegen. Gerade junge Frauen stehen vor einer besonderen Herausforderung. 

Ich bin kein besonders großer Mensch und habe auch keine besonders laute Stimme. Politik ist männlich dominiert, meine Verhaltensweisen gelten in diesem Sinne nicht als normal. Ich muss zusätzlich überzeugen. Es ist schwer, dagegen anzukommen. Ich bin seit zehn Jahren in der SPD. Ich arbeite, habe ein Studium abgeschlossen, bringe super viel Expertise mit. Trotzdem gelte ich mit meinen 26 Jahren als viel zu unerfahren. Das nervt manchmal. Nun hat der Parteivorstand im Nachhinein eingegriffen, eine klare Quote gab es nicht.

Wäre es nicht besser, wenn alle vorher wissen, dass der Parteivorstand auch junge Menschen nach Europa schicken möchte?

Ich will nicht, dass es eine Rechenaufgabe wird, eine Wahlliste der SPD zusammenzustellen. Wir müssen unsere Durchlässigkeit aber verbessern.

Aber gerade die jetzige Liste hat doch gezeigt: Wenn es eng wird und die SPD wahrscheinlich nur wenige Kandidaten ins Parlament bringen kann, setzen sich alte und männliche Kandidaten durch.

Nicht ganz, sonst hätte die Parteispitze ja nicht auf Druck der Jusos noch mal in die Liste eingegriffen. Aber unser Vorschlag ist trotzdem, dass es auf der Liste feste Juso-Plätze gibt. Das würde auch dazu führen, dass ältere SPDler nicht einfach entscheiden können, welches junge Parteimitglied ihnen passt. Die Entscheidung träfen die Jusos. Solange es in der Partei exotisch ist, auch junge Leute aufzustellen, geht es nicht anders.

Bereust du, wie es nun gelaufen ist?

Nein, ich bereue nichts. Auf der Liste standen halt zu viele ältere Genossen oben. Die SPD hat das erkannt. Unter den ersten 15 Listenplätzen sind nun drei Menschen unter 35. Das ist ein starkes Signal, ich feiere das. Aber das strukturelle Problem existiert weiterhin.

News und Storys von bento per WhatsApp oder Telegram!


Streaming

Wann und wo laufen die wichtigsten Weihnachtsfilme? Hier sind die Sendetermine 2018

An Weihnachten die ganze Zeit vorm Fernseher abzuhängen, ist ungesellig? Nein! Denn gemeinsam Weihnachtsfilme zu schauen, gehört bei vielen inzwischen genauso zur Tradition wie Weihnachtslieder und Glühwein.

Und, man muss ja nicht die gaaaanze Zeit Fersnehen schauen. Nur zur richtigen Zeit! 

Das sind die TV-Sendetermine 2018 und Streaming-Möglichkeiten der wichtigsten Weihnachtsfilme:

Hier geht es nur um Free-TV-Sendetermine. Da Fernsehsender gerne kurzfristig ihr Programm ändern, sind diese Angaben ohne Gewähr. Die Daten sind der aktuelle Stand vom 30. November 2018.