Bild: Deiter
Es ist nicht das einzige fragwürdige Kostüm.

Ende Februar feiern viele Deutsche Karneval, verkleiden sich, sind mal jemand ganz anderes. Die Kostüme von Märchenprinz bis Astronautin füllen bereits die Geschäfte, Online-Händler locken mit Sonderangeboten.

Einer der größten Kostümhersteller ist die Firma Deiters – nach eigenen Angaben in Deutschland der Marktführer in Sachen Verkleidung. 26 Filianen hat Deiters, die größte steht bei Köln. Insgesamt hat der Konzern angeblich 200.000 Kostüme im Angebot, viele sind über den Onlineshop verfügbar.

Ein Outfit von Deiters steht nun jedoch in der Kritik, rassistische Klischees zu verbreiten: die "Afrikanische Dame"

Die Firma bewirbt das Kostüm als "wild, sexy und unzähmbar". Dazu gibt es Stofffetzen mit Leoparden-Print. Das Outfit selbst sei ein "sexy Damenkleid", dazu wird eine "wilde Afro-Perücke" empfohlen. Trägerinnen könnten damit ihren perfekt "animalischen Raubtier-Look" betonen.

Der Twitter-Account "Was ist Rassismus" hat das Outfit und die Beschreibung entdeckt und kritisiert:

Was stört daran? 

Nichts spricht dagegen, "sexy" Kostüme an Karneval zu tragen – ganz unabhängig vom Geschlecht. Aber um ein sexy Outfit geht es hier nicht. Sondern um eine Übersexualisierung der vermeintlichen Afrikanerin und gleichzeitigen Entmenschlichung, schreibt "Was ist Rassismus" in seiner Begründung.

Es gibt nicht das eine traditionelle Kleid für Afrika. Der Kontinent ist riesig, beheimatet mehr als 50 Staaten, Hunderte Ethnien und Kulturen. Aber Deiters macht sich hier nicht die Mühe, ein traditionelles Outfit zu designen, sondern reduziert Afrikanerinnen schlicht und einfach auf einen Leopardenrock. So wie ihn Fred Feuerstein im Comic trägt. 

Genau das ist rassistisch: Die Afrikanerin wird zur vermeintlich "unzähmbaren" Wilden und zum sexuellen Objekt reduziert.

Mittlerweile ist das Kostüm im Onlinestore von Deiters gelöscht. Geschäftsführer Björn Lindert sagte gegenüber bento, dass es ausverkauft sei – aber auch davor schon nicht mehr den Afrikabezug in der Beschreibung hatte. Der Screenshot soll also älter sein.

"Mit dem Text zum Kostüm ist der Werbetexter übers Ziel hinausgeschossen, klar, dass wir das so nicht stehen lassen konnten", sagt Lindert. 

Das Kostüm wurde auch schon vor einiger Zeit in "Kleid mit Tierprint" umbenannt.
Deiters-Geschäftsführer Björn Lindert

Auch wenn das Outfit nicht mehr online ist, bei Drittanbietern wie Amazon ist es noch verfügbar – mit der umstrittenen Beschreibung. Bei real.de war der Artikel bis zum Freitag ebenfalls online, wurde jedoch nach Erscheinen dieses Artikels entfernt. Ein Sprecher teilte gegenüber bento mit: "Bei unserem Warenangebot akzeptieren wir versteckten oder offenen Rassismus nicht. Wir haben daher diesen Artikel umgehend auf unserer Plattform für den weiteren Verkauf gesperrt."

Amazon und real.de verdienen ihr Geld mit den Produkten anderer Hersteller, die Firmen distanzieren sich regelmäßig von fragwürdigen Inhalten, der redaktionelle Inhalt liege nicht bei ihnen. Manchmal heißt es, für die Inhalte des Anbieters könne man nichts, manchmal wird ein Produkt entfernt. 

Der Onlineauftritt von real.de hatte im vergangenen Jahr unter anderem einen nachgebildeten Wehrmachts-Helm des Afrika-Korps im Angebot. Ein Sprecher gab zu, dass dieser die Zeit des Nationalsozialismus verherrlicht – das Produkt wurde entfernt. Andere blieben:

Bei Deiters verhält es sich allerdings anders. Der Kostümhersteller hat die Karnevals-Outfits selbst im Angebot – ist also für Design und Vermarktung verantwortlich.

bento hat sich weitere Outfits angeschaut. Die "Afrikanische Dame" ist leider kein Einzelfall: 

  1. Ein Kleid mit Kopftuch und Münzgürtel "passt zu einer schönen Zigeunerin" heißt es über das Outfit "Gipsy", "der eine oder andere Vagabund" würde sich sicher nach der Trägerin umdrehen.
  2. Über ein braunes Fransenkleid mit Feder würde sich "nicht nur Pocahontas freuen".
  3. Mit einem quietschgelben Minikleid mit willkürlich aufgedruckter chinesischer Schrift würde die Trägerin "zur asiatischen Schönheit", und zwar "sexy und exotisch".
  4. Und auch bei den Männern gibt es Klischeefallen: Wer das "edle Scheichgewand" kauft, könne auf Partys mit seinem "Ölvorkommen prahlen" und dazu mit einem "teuren Sportwagen vorfahren".

Den Kostümhersteller in die rechte Ecke zu stellen, wie es einige Twitter-Nutzerinnen und Twitter-Nutzer nun tun, wäre dennoch falsch. Unter 200.000 Kostümen einige zu haben, die Klischees bedienen, ist kein Kalkül, sondern eher unbedarft.

Geschäftsführer Lindert weißt den Rassismusvorwurf auch entschieden zurück: "Deiters ist alles andere als rassistisch." Es gehe beim Karneval um gute Laune: 

Unser Motto lautet: "Sei wer Du willst" und nicht: "Sei über wen Du Dich schon immer lustig machen wolltest oder wen Du schon immer verunglimpfen wolltest".

Dem Hersteller gehe es darum, mit dem Angebot "die große Vielfalt der Kostümwelt abzubilden", Stereotype aufrecht zuerhalten sicher nicht.

Was lernen wir daraus?

Sich verkleiden ist nichts Verbotenes. Und wo es Karneval-Fans gibt, gibt es auch Anbieter, die Kostüme aus aller Welt im Sortiment haben. Aber es ist grundsätzlich schwierig, sich die Outfits fremder Kulturen anzueignen – wenn vor allem das Kostüm dann nur auf Stereotypen und Klischees basiert. Wer nach originellen Verkleidungen sucht, sollte Zeit und Sensibilität in das Outfit stecken.

Die Praxis des "Blackfacing", bei dem sich Weiße schwarze Farbe ins Gesicht schmieren, um schwarz auszusehen, ist rassistisch und vielerorts bereits verpönt. Sich Höhlenmenschen-Kleider anzuziehen und das als "afrikanisch" zu labeln steht dem in nichts nach. 

Hinweis: In der ersten Version hatten wir geschrieben, dass die "Afrikanische Dame" auch bei real.de im Angebot ist. Nach unserer Berichterstattung hat der Onlineshop den Artikel entfernt – das Update haben wir oben im Text erwähnt.


Fühlen

Es gibt jetzt ein Menstruations-Emoji – aber nicht so, wie die Erfinderinnen es wollten

Das Perioden-Emoji kommt!

Das Unicode-Konsortium hat die endgültige Emoji-Liste für 2019 genehmigt. Im Laufe des Jahres 2019 werden wir insgesamt 230 neue Emojis auf unsere Smartphones bekommen. (Unicode.orgbento und bento)

Auch dabei: ein Perioden-Emoji! Ein Tropfen Blut, der unter anderem für die Menstruation stehen soll. 

Aber eben nur "unter anderem". Denn wenn man sich die Beschreibung der neuen Emojis auf der Unicode-Seite ansieht, dann sieht man, dass der Bluttropfen für "Blutspende", "Medizin" und zuletzt auch für "Menstruation" stehen soll.

Das Menstruations-Emoji war eine Initiative von Plan International

Die Organisation startete 2017 eine Kampagne für ein Menstruations-Emoji, weil das Thema Menstruation noch immer stark tabuisiert ist (Plan International) und Mädchen und Frauen aus vielen Bereichen des Lebens ausschließt – nicht nur in Entwicklungsländern. Das Emoji soll helfen, Gespräche darüber zu erleichtern und so mit dem Tabu zu brechen.

Denn bisher gibt es Emojis mit Kopftuch und Emojis von Zombies, jemand plant rothaarige Emojis und jemand anderes geschlechtsneutrale Emojis. Und bei Grindr gibt es auch schwule Emojis. Aber eben keine Emojis, die die weibliche Periode darstellen.

Diese fünf Vorschläge hatte "Plan International" für das Menstruations-Emoji gestaltet: