Bild: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa
Wir haben mit ihr über das Weltwirtschaftsforum und die Frage nach Generationengerechtigkeit gesprochen.

"Die ältere Generation hat viel Erfahrung, ja – aber wir haben Ideen, wir haben Energie und wir haben die Lösungen für die aktuellen Probleme und die der Zukunft." Die wohl markigsten Worte am ersten Tag des Weltwirtschaftsforums in Davos kamen von einem Teenager – und es war nicht Greta Thunberg. Die saß zwei Plätze daneben, als Natasha Mwansa das Wort ergriff und für kräftigen Zwischenapplaus sorgte.

Dabei gilt das Treffen in der Schweiz eigentlich in erster Linie als eine Demonstration der Macht, wo führende Politiker und andere gesellschaftliche Akteure zusammenkommen, um über die großen Fragen zu diskutieren. Im vergangenen Jahr mischte Greta Thunberg das Treffen der Wirtschaftsgrößen auf – wohl auch dank ihr durften in diesem Jahr elf weitere Menschen unter 20 Jahren teilnehmen. Die Mächtigen der Welt wollen offenbar ein kleines Signal senden: Wir hören euch zu.

Doch ist das auch so? Wir haben mit Natasha Mwansa über ihre Erlebnisse in Davos gesprochen – sie sagt, dass die ältere Generation keine Angst vor der Einbindung der Jugend haben muss.

bento: Natasha, wie hast du auf das Weltwirtschaftsforum in Davos geblickt, bevor du eingeladen wurdest?

Natasha Mwansa: In meinem Kopf war das ein Treffen wichtiger Politiker und Geschäftsleute, mit vielen Debatten und Resolutionen, bei denen es vor allem um Detailfragen geht. Natürlich gehört das alles dazu, aber es gibt auch viel Freiraum, um sich zu vernetzen und voneinander zu lernen.

bento: Trotzdem sind es viele ältere, mächtige Menschen – und der Frauenanteil bei den Teilnehmenden liegt bei gerade einmal 24 Prozent. Wie fühlt es sich an, als junge Aktivistin dort zu sein?

Natasha: Natürlich ist es auch eine große Ehre. Es ist das erste Mal, dass so junge Menschen hier sind, abgesehen von Greta Thunberg im letzten Jahr. Häufig werden die wichtigsten Entscheidungen von alten Männern getroffen, die nichts mehr von den Konsequenzen dieser Entscheidungen mitbekommen werden. Hier aber kann ich meine Ideen teilen und zumindest Teil des Entscheidungsprozesses sein. 

Es ist aber auch eine riesige Verantwortung. Wir sind nur zu zwölft und jede und jeder von uns repräsentiert eine Gruppe von jungen Menschen. Aber es ist ein guter Anfang: Wenn es um die Zukunft geht, gibt es keinen besseren Weg, als uns einzubinden. Das ist schon ein großer Erfolg.

bento: Jeder von euch jungen Abgesandten vertritt ein anderes Thema. Lauft ihr da nicht Gefahr, euch gegenseitig die Aufmerksamkeit zu stehlen?

Natasha: Ich glaube nicht, dass das etwas ist, wovor wir Angst haben müssen. Wir sind nicht für die Aufmerksamkeit hier, sondern wollen Probleme lösen. Und wir repräsentieren die größte demografische Gruppe der Welt – da sollten wir nicht mit unseren Anliegen konkurrieren. 

bento: Du sagtest in Davos, dass die ältere Generation sich entweder mit euch zusammentun sollte, oder ihr es allein macht – was meinst du damit?

Natasha: Ältere Menschen nehmen junge Menschen oft nicht ernst. Wenn wir uns die Welt ansehen, dann gehören Macht und Wohlstand zur Zeit eher der älteren Generation. Die Lösungen für die Probleme der heutigen Zeit sind einfach nicht nachhaltig. Aber wenn die ältere Generation nicht mit uns zusammenarbeiten will, um Lösungen zu finden, müssen wir eben rebellieren.

bento: Das klingt, als müsste die ältere Generation Angst haben vor euch.

Natasha: Ich glaube, manchmal haben sie das schon. Stell dir vor, du bist bereits lange an der Macht und plötzlich fordert ein junger Mensch dich und das, woran du geglaubt hast, heraus. Natürlich kann man da unsicher werden. 

Dass junge Menschen wie wir nach Davos eingeladen werden, bedeutet ja bereits, dass sich langsam etwas ändert. Und wir erwarten nicht, dass sich alles sofort ändert. Wir wollen aber als Partner wahrgenommen werden, mit denen sie zusammenarbeiten können. Mit ihrer Erfahrung und unseren Ideen können wir nachhaltige Lösungen finden. Nicht nur für jetzt, sondern auch für zukünftige Generationen. 


Uni und Arbeit

Schafft die Hausarbeiten ab!
Denn sie sind reine Zeitverschwendung – für Studierende und Dozierende.

Für eine Hausarbeit an der Uni habe ich mal ein komplettes Kapitel über die Farbe Gelb geschrieben. War das gefordert? Nein. Hat das zum Rest der Arbeit gepasst? Nein. Habe ich trotzdem eine gute Note bekommen? Auf jeden Fall.

Dozentinnen und Dozenten lesen die Hausarbeiten der Studierenden sowieso nicht richtig. Deswegen sollten sie einfach abgeschafft werden.

Ich musste für das Seminar einen Werbespot analysieren – in der Nacht vor der Abgabe fehlten mir noch drei Seiten bis zur vom Lehrstuhl festgelegten Zahl. Thematisch hatte ich schon alles behandelt. Also habe ich mir einfach einen willkürlichen Aspekt gesucht und auf die Schnelle die restlichen Seiten hingeklatscht. Ich hätte auch jede andere Farbe für meine Analyse wählen können. Oder darüber schreiben, ob in dem Spot Wiener Würstchen oder Nürnberger gezeigt werden. Es wäre völlig egal gewesen.

Schriftliche Hausarbeiten sind reine Zeitverschwendung für alle Beteiligten. Studierende müssen oft mehrere Arbeiten pro Semester schreiben, gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Dazu kommen Prüfungen und praktische Projekte. Wer ein Dutzend Dinge gleichzeitig erledigen muss, lässt irgendetwas schleifen. Das liegt in der Natur der Sache. Studentinnen können sich die Zeit für eine Hausarbeit frei einteilen – und stellen sie deshalb oft hinten an.

Die meisten bekommen trotzdem gute Noten. Das spart Stress für die Dozierenden, weil sie sich nicht in überlaufenenen Sprechstunden für eine 3,7 rechtfertigen müssen. Viele lesen die Arbeiten auch gar nicht im Detail. Das soll kein Vorwurf sein. Dozentinnen haben häufig mit überfüllten Kursen und schlechter Uni-Infrastruktur zu kämpfen. Und sie schieben auch Dinge auf – genau wie die Studierenden.