So wie “Friends”-Star David Schwimmer

Alle "Friends"-Fans werden sich daran erinnern: Serien-Nerd Ross Geller hatte nicht immer Glück bei Frauen – und manchmal ging er bei seinen verzweifelten Versuchen, eine Freundin zu finden, zu weit. Zum Beispiel als er beschloss, seine Cousine zu küssen, oder versuchte, mit der Pizzabotin zu flirten. Beim Zuschauen finden das wahrscheinlich die meisten lustig, doch wenn man darüber nachdenkt, stellt man fest: Eigentlich ist das Belästigung, und überhaupt nicht lustig.

Schauspieler David Schwimmer, der Ross zehn Staffeln lang verkörperte, hat jetzt eine Kampagne gestartet, um auf sexuelle Belästigung im Alltag aufmerksam zu machen: #ThatsHarassment ist eine Serie von sechs Kurzfilmen, in denen Frauen von Männern angegraben, objektifiziert und begrapscht werden. Politiker versus Journalistin, Fotograf versus Model, Schauspieler versus Kostümbildnerin – zugegeben, nicht alle gezeigten Situationen sind wirklich alltäglich.

Aber es gibt Episoden, mit denen sich wohl jede Frau identifizieren kann – zum Beispiel die, in der Schwimmer selbst auftritt. Er spielt einen Chef, der seine Mitarbeiterin (gespielt von Zazie Beetz) "sehr süß" findet, sie unbedingt nach Hause begleiten will – und sie dann einfach küsst. Und der am Ende sagt: "Ich wollte Ihnen nur zeigen, wie großartig Sie sind."


In einem anderen Video "untersucht" ein Arzt die Brust seiner Patientin, obwohl die wegen ganz anderer Beschwerden zu ihm gekommen ist. Und in einem dritten fasst ein Barkeeper seiner Kollegin einfach an den Hintern, um sie auf die Übergriffe durch Gäste vorzubereiten, ist klar. Und immer erzählen die Männer, wie hübsch die Frauen seien, wie sexy, wie heiß. 

Als ob das eine Rechtfertigung für den Übergriff sei.

Die Videos basieren auf wahren Geschichten. Am eindrücklichsten sind die Gesichter der betroffenen Frauen – und die Art und Weise, mit der die Männer die Situationen herunterspielen, überspielen, sich herausreden.

Ursprünglich stammen die Filme aus Israel. Geschrieben und produziert hat sie Sigal Avin, eine israelisch-amerikanische Regisseurin, die selbst sexuelle Belästigung erlebt hat. Um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, schickte Avin die Videos an ihren Kollegen David Schwimmer; der beschloss, eine US-Version zu entwickeln. So entstand #ThatsHarassment. (Cosmopolitan)

Nicht alle finden das gut – weil Schwimmer nur die Arbeit anderer verbreite (und die Lorbeeren dafür einsacke), und weil er ein Mann sei und nur deshalb so viel Applaus für die Aktion bekomme ("The Guardian"). 

Und es stimmt natürlich: Man darf nicht übergehen, dass Sigal Avin die Videos entwickelt hat. Und es stimmt auch, dass Schwimmer sich wahrscheinlich nicht mit dem gleichen Hass rumschlagen muss wie Frauen, die sich gegen Belästigung auflehnen. 

Trotzdem ist es gut, dass er #ThatsHarassment gestartet hat. Weil es egal ist, wer auf sexuelle Belästigung aufmerksam macht und warum. Hauptsache, man tut es. Immer und immer wieder.

Klar, Schwimmer macht das alles höchstwahrscheinlich nicht ganz uneigennützig. Solche Aktionen sorgen für Aufmerksamkeit, für Schlagzeilen, für Publicity. Egal ob Leonardo DiCaprio nun über den Klimawandel spricht oder David Schwimmer über Belästigung – wenn Stars ihre Bekanntheit nutzen, um auf so wichtige Probleme hinzuweisen, ist das gut. Vielleicht erreichen sie damit Menschen, die sich sonst nicht interessieren würden.

Und dass Schwimmer ein Mann ist, sollte auch niemanden stören.

Warum wird hier überhaupt ein Unterschied gemacht? Wenn ein Mann darüber spricht, wie Männer Frauen Tag für Tag belästigen, ist das nicht besser oder schlechter. Es ist genauso gut und genauso wichtig.

Die Videos von #ThatsHarassment thematisieren sexuelle Belästigung auf eine unaufgeregte, sachliche und genau deshalb so kraftvolle Art und Weise. Solche klugen Kampagnen kann es nicht häufig genug geben – egal ob von Männern oder Frauen, von Stars oder ganz normalen Menschen.

Wie gehst Du mit sexueller Belästigung um?

Today

Anschlag auf BVB-Bus: Was die Ermittler jetzt preisgeben
Was ist passiert?

Nach dem Anschlag auf den BVB-Bus in Dortmund ist am Mittwoch ein Mann festgenommen worden. "Im Zuge der bisherigen Ermittlungen sind zwei Verdächtige aus dem islamistischen Spektrum in den Fokus der Strafverfolgung gerückt", sagte Frauke Köhler, Sprecherin der Bundesanwaltschaft.

Bei beiden seien die Wohnungen durchsucht worden, nur einer wurde festgenommen. Der Haftbefehl wird überprüft.