Bild: David Patrick

Jetzt, im Winter, riechen Busse oft nach Heizungsluft und nassen Jacken, nach Hund und manchmal auch nach Zigaretten, wenn Raucher einsteigen. David Patrick, 22, stört das alles nicht. Was er mag: witzige Kalendersprüche, Angeln, Schalke 04 und – Busfahren. 

Busfahren, von Oberhausen aus quer durchs Ruhrgebiet, das macht er gern und viel, bis zu acht Sunden am Tag. David Patrick quatscht gerne mit den Busfahrern. Und er liebt es, aus dem Fenster zu schauen und die Welt an sich vorbei ziehen zu lassen, so mühelos, wie es sonst fast nie ist. Denn David Patrick ist querschnittsgelähmt. 

Er wurde mit einem offenen Rücken geboren, einer Fehlbildung, die schwere körperliche Behinderungen zur Folge haben kann. Als Kind lernte er zwar noch ein wenig laufen, aber schon bald musste er sein Leben im Rollstuhl meistern. 

Dass viele Orte in Deutschland noch immer nicht für Rollstuhlfahrer zugänglich sind, ärgert ihn deshalb. David Patrick scheitert an Treppen, kaputten Fahrstühlen und hohen Bordsteinkanten – aber fast nie an Bussen. Weil hier Menschen sind, die ihm helfen. An die richtete er sich vor ein paar Tagen auf Facebook:

"Bei allen (...) will ich mal ein echt großes Denkschön loswerden auch in diesem Jahr für die Hilfe (...) was das einsteigen und Helfen bei Bus und Bahn betrifft. Auch ein Dank an die Kollegen der Stadtwerke Oberhausen, dass ich immer bis zur Endhaltestelle mitfahren darf."

Mittlerweile ist David Patrick auch so etwas wie eine Lokalgröße, weil er sich in einem Porträt für eine behindertengerechte Stadtplanung eingesetzt hat (WAZ). Deshalb schreibt er weiter: "Wie ihr in einem Beitrag gelesen habt, hatte ich keinen einfachen Start ins Leben. Aber ich habe gemerkt, dass es wert ist, das Leben zu genießen."

Wir haben mit David Patrick gesprochen – über das Leben und natürlich das Busfahren:

Bist du jeden Tag mit dem Bus unterwegs?

Naja, unter der Woche erst nachmittags, vorher arbeite ich in einer Werkstatt für Behinderte. Am Wochenende fahre ich wirklich lange und auch gerne mit bis zur Endhaltestelle.

Und kennst du schon alle Busfahrer?

Fast alle, aber da kommen auch immer neue dazu – ich hoffe, dass ich die im kommenden Jahr alle erwische! 

Warum fährst du denn so gerne mit dem Bus?

Ich unterhalte mich während der Fahrt mit den Kollegen und wir haben eigentlich immer viel Spaß dabei. Nur bei manchen Fahrgästen komme ich nicht so gut an. 

Wie meinst du das?

Weiße Anführungszeichen
Einige Fahrgäste nehmen mich auf, wie ich bin: normal.
David Patrick

Aber ich habe es schon oft erlebt, dass ich nicht reinkomme, weil der Bus voll war, und dass einige mich ausgelacht haben. Manche sagen sogar zu mir: "Geh rein." Dann sage ich, dass ich nicht allein reinkomme. Und anstatt selber zu helfen, steigen die einfach ein. 

Passiert so etwas denn oft? 

Nein, eigentlich treffe ich mehr nette Menschen. Deswegen wollte ich mich ja auch bedanken!


Today

Streit über eine "Sicherheitszone" für Frauen – darum geht es wirklich
Nein, bei der Berliner Silvesterparty gibt es kein "Gehege für Frauen", um sie vor sexuellen Übergriffen zu schützen.

Ein "Gehege für Frauen" solle es in diesem Jahr auf der Silvesterparty in Berlin geben, schreibt der deutsch-türkische Aktivist Ali Utlu auf Twitter. So sei das eben, wenn Staat und Gesellschaft versagten. Diverse AfD-Politiker legen nach:

  • Bundestagsmitglied Martin Hess schreibt von "unwürdigen" Zuständen, fordert die Abschiebung von Flüchtlingen, die sich sexueller Belästigung schuldig gemacht hätten.
  • Alice Weidel schreibt "Frauen sollen Silvester in bewachten Reservaten verbringen" und dort "vor Übergriffen durch Migranten Zuflucht finden". Der Staat habe kapituliert