Bild: #peoplereachingout
So sieht es aus, wenn sich empörte Dänen gegen die eigene Regierung auflehnen.
(Bild: #peoplereachingout)

Mit dieser Anzeige in vier libanesischen Zeitungen hat sich die Organisation #peoplereachingout für die abschreckenden Maßnahmen des dänischen Staates gegenüber Flüchtlingen entschuldigt.

A Statement from people to people: Sorry for the hostility towards refugees expressed here. As ordinary Danes we wish to extent our sympathy and compassion to anyone fleeing war and despair.
#peoplereachingout

Die Kampagne ist eine Reaktion auf eine Anzeige der dänischen Regierung. Die hatte zuvor selbst in diesen libanesischen Zeitungen über die neuen strikten Asylregelungen des dänischen Staates informiert, um potenzielle Flüchtlinge abzuschrecken.

Den Leuten von #peoplereachingout stank das so gewaltig, dass sie Geld für eine Replik sammelten. Mehr als 22.000 Euro kamen nach Angaben der Organisation innerhalb von drei Tagen zusammen. Am Freitag wurden die Anzeigen dann gedruckt.

In einer Presseerklärung schreibt #peoplereachingout: "We feel that the official advertising campaign doesn’t represent the Danish tradition of humanity. In placing this advert we just hope to reach out, as global citizens, from human being to fellow human being."

Was in der Anzeige der dänischen Regierung stand
Die Anzeige der dänischen Regierung war tatsächlich sehr direkt – zumal sie sich an Menschen richtet, die vor Krieg und Verfolgung fliehen.

Das klare Ziel: Abschreckung. Weniger Menschen sollen Dänemark als Zufluchtsort wählen.

Ein paar Kostproben:
  • Die Sozialleistungen für Asylbewerber seien gerade um bis zu 50 Prozent gekürzt worden.
  • Ausländern sei es frühestens nach fünf Jahren möglich, eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Bis dahin müssten sie mit dem Risiko leben, dass ihnen ihre Aufenthaltsgenehmigung entzogen wird.
  • Es gebe spezielle Rückkehrzentren, damit abgelehnte Asylbewerber Dänemark so schnell wie möglich verlassen.

Dänemark hat seine Asylpolitik nach dem Rechtsruck bei den Wahlen im Juli verschärft. Trotz der Kürzungen der Leistungen für Asylbewerber bekommt ein alleinstehender Flüchtling in Dänemark immer noch rund 800 Euro, so viel wie ein dänischer Student.

Auch Ungarn will mit Anzeigen abschrecken

Dänemark ist nicht das einzige europäische Land, das mit Zeitungsanzeigen Flüchtlinge abschrecken möchte. Auch die ungarische Regierung hat in libanesischen Zeitungen Anzeigen nach dem dänischen Vorbild geschaltet. Darin heißt es unter anderem: "Hört nicht auf die Schlepper. Ungarn lässt es nicht zu, dass illegale Immigranten über die Grenze kommen." Zuvor hatten auch Österreich, Deutschland, die Schweiz und Großbritannien ähnliche Maßnahmen ergriffen.

Und jetzt?
Wir haben mit Menschen gesprochen, die nach Deutschland geflüchtet sind. Sie haben uns erzählt, welche Gegenstände sie mit Deutschland verbinden.