In Dänemark sorgt ein heimlich gefilmtes Handyvideo gerade für viele Diskussionen. Zu sehen ist ein kleiner syrischer Junge, der an einer Kantinentheke wartet – und mehr und mehr traurig wird. Es folgen Diskussionen zwischen einer Kantinenmitarbeiterin, einem Wachmann und dem Mann, der das Handy hält.

Laut der dänischen Zeitung "Politiken" und dem Onlinemagazin "The Local" geht es um die einfache Frage, ob der Junge gekochte Kartoffeln und Brokkoli bekommen darf. Das wird ihm verweigert – er sei bereits zu alt dafür.

Die Szene soll im Abschiebelager Sjælsmark aufgenommen worden sein – und wirft nun Fragen über den Umgang mit Geflüchteten in Dänemark auf.

Laut dänischer Medien heißt der Junge Amin und ist fünf Jahre alt. Sein Vater soll das Video gefilmt haben. Beide gehören zu 250 Geflüchteten, deren Asylantrag abgelehnt wurde und die im Sjælsmark-Lager auf ihre Abschiebung warten.

Sjælsmark ist ein "udrejsecenter", eine spezielle Einrichtung für die Abschiebung von Geflüchteten. Die rechtsliberale Regierung in Dänemark hat in den vergangenen Jahren ihre Asylgesetze verschärft, die Zentren gehören mit zum Programm.

Das Handyvideo wurde unter anderem von den "Sjælsmarks Venner" geteilt, den "Freunden von Sjælsmark", einem Unterstützerverein, der mit Lebensmittel- und Sachspenden den Aufenthalt von Abzuschiebenden verbessern will.

Laut des Vereins und dänischer Medien wollte Amin Kartoffeln zu Essen haben, ihm wurde aber eine Banane zugeteilt. Die Begründung laut Gesetz: Gekochtes Gemüse gibt es nur für Kleinstkinder, die noch keine Zähne haben. 

Die Regeln für die Lager werden vom Integrationsministerium festgelegt, umgesetzt werden sie dann aber vom dänischen Gefängnisservice, dem "Kriminalforsorgen", schreibt "The Local".

Politikerinnen und Aktivisten sind nun entsetzt: Klare Asylregeln meinetwegen, aber auf Kosten der Kinder?

Mette Gjerskov, eine Sozialdemokratin, schreibt auf Twitter:

„Wir haben ein Monster geschaffen, wenn wir in Sjælsmark einem Fünfjährigen eine gekochte Kartoffel verweigern.“

Und weiter: "Wir wollen abgelehnte Asylbewerber zur Heimreise bewegen. Aber sind wir wirklich darauf vorbereitet, diese Kinder den Preis zahlen zu lassen?"

Und die sozialliberale Politikerin Sofie Carsten bezeichnete in der "Politiken" die Behandlung in dem Lager als "pure Erniedrigung". 

Wie die Geschichte in dem Abschiebelager ausging, bleibt unklar. Medien sollen die Einrichtung nicht besuchen dürfen, das Handyvideo endet unvermittelt. Amin isst eine Banane, aber an er Theke streiten die Erwachsenen immer noch. 

Erst kürzlich hatte Dänemark beschlossen, eine neue Abschiebehaft auf einer einsamen Insel aufzubauen. Dort sollen kriminelle Ausländer untergebracht werden. (Handelsblatt)

Dass sich der Umgang mit Geflüchteten verschärft, liegt vor allem an den Rechtspopulisten im Land.

Die Koalition von Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen hat im Parlament in Kopenhagen keine eigene Mehrheit. Für Gesetze ist sie daher auf die Stimmen anderer Paerteien angewiesen – oft ist das die rechtspopulistische Dänische Volkspartei. Und die treibt seit Jahren die Regierung mit ihren Vorschlägen zu einer äußerst restriktiven Einwanderungspolitik immer wieder vor sich her. 


Gerechtigkeit

Hollywood strebt nach mehr Gleichberechtigung, vergisst dabei aber: die Frauen
Was der neue "Hollywood Diversity Report" verrät.

Wie wir die Welt sehen, hängt davon ab, was wir von der Welt zu sehen bekommen. Was Kinofilme betrifft, so sind das: vor allem Filme aus männlicher und weißer Perspektive. Und die zeigen oft: männliche und weiße Helden.

Lange dachten große Filmstudios, Frauen als Hauptfiguren seien an der Kinokasse Gift. Mittlerweile ist es so, dass nicht mehr Männer immer die Hauptrolle spielen müssen – auch Frauen dürfen in Komödien, Actionfilmen oder Dramen die wichtigste handelnde Figur sein. Und deren Filme sind im Schnitt sogar erfolgreicher (bento).

Eine neue Studie über Vielfalt in Hollywood zeigt nun: Es geht voran – aber nicht für Frauen.

Die University of Southern California’s Annenberg untersucht seit 2007 einmal jährlich, wer in Hollywood bei den erfolgreichsten Filmen Regie führt. Wie vor elf Jahren bleibt es auch jetzt dabei: Hollywood ist vor allem weiß und männlich. Allerdings tut sich was.

Die Details der Untersuchung seit 2007:

  • Von allen 1200 erfolgreichsten Filmen wurden 96 Prozent von Männern gedreht.
  • Unter den Drehbuchautoren liegt die Quote bei 80 Prozent, von den Produzenten waren 72 Prozent Männer.
  • Der Anteil von Schwarzen und Asiaten liegt bei all den Filmen seit 2007 bei unter 10 Prozent.