Bild: Peter Kneffel/dpa
"Steht auf, wenn ihr für Bayern seid!"

Noch vier Wochen, dann wählen die Menschen in Bayern einen neuen Landtag. Für die CSU geht es dabei um fast alles – die Partei könnte weit hinter ihren bisherigen Wahlergebnissen landen. Nach derzeitigem Stand könnten bis zu sieben Fraktionen in den Landtag einziehen. Die CSU bräuchte dann vermutlich mindestens einen Koalitionspartner. 

Für viele auf dem eintägigen CSU-Parteitag in München war das an diesem Samstag ein Horror-Szenario. Doch warum tut sich die bayrische Volkspartei so schwer? Und wie wollen Parteichef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder den Wahlkampf noch drehen? 

Wir haben uns die Reden der beiden angeschaut und nach ihren Lösungsansätzen gesucht. 

Drei Probleme und wie die CSU sie lösen will:

Das Problem: Die AfD wirbt der CSU Wählerinnen und Wähler ab

Islam-Debatten, harte Sprüche über das Kirchenasyl und Einladungen an Viktor Orban – die CSU versuchte in den vergangenen Jahren viel, um ganz rechts im demokratischen System noch Stimmen zu sammeln. Doch bislang wirkt es eher, als hätten die Tabubrüche der AfD geholfen und nicht geschadet. Was also tun?

Die Lösung: Frontalangriff

Eine heftige Attacke gegen die rechtspopulistische Partei seitens Söder. Söder forderte die CSU auf, wie einst bei Republikanern und NPD den Kampf mit der AfD aufzunehmen. Rechts von der CSU dürfe es keine demokratisch legitimierte Partei geben. Weiter nannte Söder das Verhalten der AfD "schäbig und unanständig", man dürfe die Partei nicht weiter ignorieren (Süddeutsche).

Franz Josef Strauß würde diese AfD bekämpfen
Markus Söder


Das Problem: Die CSU ist im Umfragekeller

Derzeit steht die CSU in Umfragen bei etwa 35 Prozent – eine Katastrophe. Beim letzten Mal erhielt die Partei noch 47,7 Prozent und damit wieder die absolute Mehrheit. Die scheint jetzt unerreichbar, die Stimmung ist mies. Doch was tun? 

Die Lösung:

1. Die Lage schönreden

Weil die Ergebnisse der letzten Landtagswahl unerreichbar scheinen, sucht sich die Parteispitze andere Maßstäbe. CSU-Chef Horst Seehofer sagte auf dem Parteitag jetzt einfach:

Aus meiner Sicht stehen wir ganz passabel zum Beginn des Wahlkampfes dar.
Horst Seehofer

2. Selbstbewusst sein

Warum die CSU in Bayern bislang immer so stark war? Na, weil das Bundesland unter ihr so großartig geworden ist! Der bayrische Lokalpatriotismus war für die Partei schon oft ein Joker, deshalb spielten ihn beim Parteitag auch sowohl Söder als auch Seehofer fleißig aus:

Bayern ist mit Abstand das stärkste Bundesland in Deutschland.
Markus Söder
Steht auf, wenn ihr für Bayern seid!
Horst Seehofer

3. Vor Chaos warnen

Und wenn am Ende trotzdem keiner die CSU mag? Für den Fall der Fälle erklärt die CSU-Spitze schon einmal mit viel Pathos, was ohne eine starke CSU los wäre. Chaos, ostdeutsche Zustände!

Linkspartei, Rechtsextreme, ein völlig zersplittertes Parteiensystem. Wenn wirklich dieser Trend sich bestätigen würde, dann erleben wir ein Bayern, das nicht mehr das gleiche ist wie vorher.
Markus Söder
Wir sind die letzte verbliebene Volkspartei.
Markus Söder

Das Problem: Der Streit um Verfassungsschutz-Präsident Maaßen

Die Große Koalition streitet sich im Fall Hans-Georg Maaßen. Die SPD forderte den Rücktritt des Verfassungsschutzpräsidenten, nachdem dieser die Ausschreitungen in Chemnitz verharmlost hatte. Bundesinnenminister Horst Seehofer stellte sich vor wenigen Tagen hinter Maaßen und musste dafür ebenfalls viel Kritik einstecken.

Die Lösung:

1. Nix mehr sagen

In der vergangenen Woche stellte sich Seehofer demonstrativ hinter Maaßen. Das sorgte für Kritik – auch am Umgang der CSU mit der Affäre. Deshalb lautete die erste Regel des Bundesinnenministers auf dem Parteitag: ruhig bleiben.

Wir haben unter den drei Parteivorsitzenden Stillschweigen bis Dienstag vereinbart, und ich halte mich auch daran.
Horst Seehofer


2. Einfach weitermachen

Gleichzeitig betonte Seehofer in München, dass die Große Koalition nicht am Konflikt um Maaßen zerbrechen werde. Das Gute an der Aussage: Wenn sie nicht stimmt, ist Seehofer vermutlich ohnehin seinen Job los. Er kann also nicht viel verlieren.

Die Koalition wird weiterarbeiten.
Horst Seehofer

Wie und mit wem die CSU weiterarbeiten wird, zeigt sich spätestens am 14. Oktober. Dann wählt Bayern einen neuen Landtag. 

Mit Material von dpa


Future

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Für die heute 31-jährige Andrea war ein solcher Schnitt unerreichbar. In der Grundschule blieb sie sitzen, ihr Abi machte sie mit einem Durchschnitt von 2,5.