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Und was sie stattdessen fordern.

In der Männerpartei CSU gibt es zu wenige Frauen. Das befand sogar CSU-Chef Markus Söder, sonst eher nicht für progressive Vorstöße bekannt. Mit einer verpflichtenden Frauenquote wollte Söder dafür sorgen, dass Frauen schneller in Führungspositionen kommen.

Er wollte eine Quote von 40 Prozent für die Kreisvorstände einführen, die auf Landes- und Bezirksebene schon gilt. Beim Parteitag im Oktober wurde ihm jedoch ein Strich durch den Antrag gemacht – ausgerechnet von den Frauen. Statt einer verpflichtenden Muss-Bestimmung, wie sie der Parteivorstand gefordert hatte, gibt es nun lediglich eine Soll-Bestimmung (SPIEGEL).

Vor allem die jungen Frauen der Partei sprachen sich gegen eine Quote aus.

Drei Frauen der Jungen Union in Bayern haben uns erklärt, warum sie die Frauenquote nicht gut finden – und stattdessen Veränderung nach ihren eigenen Spielregeln fordern.

Madleine, 17, ist in der JU Haßberge Beisitzerin in der Vorstandschaft.

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"Wir leben in einer Welt, in der Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Es sollte selbstverständlich sein, dass es ein ausgewogenes Verhältnis gibt – auch in Führungspositionen. Wo das nicht der Fall ist, sollten wir Forderungen stellen und etwas verändern. Aber nicht mit einer Quote. 

Es gibt genügend qualifizierte Frauen, die den Einstieg und Aufstieg auch ohne eine Quote schaffen können. Eine Frauenquote löst gar nicht die wahren Probleme. 

An denen zu arbeiten und konkrete Forderungen aufzustellen und Änderungen umzusetzen ist natürlich mehr Arbeit. Frauen sollten sich zum Beispiel nicht entscheiden müssen, zwischen Familie, Beruf und Engagement. Sitzungen müssen familienfreundlicher gestaltet werden. Es sollte Kinderbetreuung geben, familienfreundliche Sitzungstermine und eine gerechtere Verteilung der Aufgaben und Positionen.

Eine Frauenquote ist nicht die Lösung, sondern eine Abkürzung, die nicht zu Ende gedacht ist. Diese Art von Mitleidsbonus braucht eine selbstständige Frau unserer Zeit nicht. Wir Frauen müssen uns trauen unsere Meinungen vorzutragen und Änderungen zu fordern und durchzusetzen. Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen, und Männer müssen akzeptieren, dass es auch geeignete Frauen für Posten gibt – und ihnen diese Posten freiwillig überlassen."

Paula Deufel, 18, ist Mitglied in der JU Karlshuld.

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"Ganz Deutschland denkt jetzt, dass wir Frauen hier in der CSU in Bayern ein bisschen mittelalterlich sind. Dass wir ok finden, dass Politik von Männer gemacht wird. Aber das stimmt einfach gar nicht.

Ich finde zum Beispiel, dass die Umwelt in der Partei einen höheren Stellenwert bekommen sollte als die Wirtschaft. Aber die Männer bringen hier eben ihre Themen ein, und weil wir so wenige sind, haben wir auch nichts zu sagen.

Das ist schon ein Problem. Aber die Frauenquote wird das nicht lösen. Die Partei würde sich ja wegen der Quote nicht darum bemühen, die Bedingungen herzustellen, damit mehr Frauen von sich aus mitmachen wollen und sich mit ihren Themen einbringen. Sie würden einfach Quotenfrauen anschaffen, denen dann die typischen Frauenaufgaben zugewiesen werden. In die Führungspositionen kommen die definitiv nicht. 

Dabei arbeiten Frauen genauso wie Männer und müssen sogar mehr leisten. Sie machen die gleiche Arbeit wie Männer und müssen dann noch ihre Rolle als Frau erfüllen und oft noch den Haushalt machen und sich um die Kinder kümmern.

Wir haben im Vorstand hier nur eine Frau und auch sonst bin ich eine der wenigen Frauen in meinem Ortsverband. Als ich dort angefangen habe, meinten die zu mir auch erstmal scherzhaft, dass ich jetzt ihre Frauenquote erfüllen muss. Ich bin eigentlich Feministin und Gleichberechtigung ist mir wichtig.  Die CSU ist eine Partei für die Mitte, die uns vereint und nicht spalten sollte.

Aber ich finde es blöd, dass im 21. Jahrhundert überhaupt noch eine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern gemacht wird – und wenn man uns einfach lässt, dann wird sich das auch irgendwann ändern!"

Wiebke Hönicke, 26, ist Ortsvorsitzende im JU Grasbrunn und stellvertretende Bezirksvorsitzende der JU Oberbayern.

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"Meine Eltern haben mich und meinen Stiefbruder losgelöst von Geschlechterrollen erzogen und mir alles ermöglicht. Während mein Bruder zum Beispiel das Geigespielen gelernt hat, habe ich zehn Jahre Fußball gespielt. Auf dem Bolzplatz musste ich mich schon gegen die Jungs behaupten, so wie eben jeder Spieler auf dem Feld. Das Geschlecht hat dabei keine Rolle gespielt, nur die Tore.

Ich glaube, hier zeigt sich auch ganz klar eine Parallele zur aktuellen Debatte um die Frauenquote: Wir brauchen Leistung statt Geschlechterzuschlag!

Für mich bedeutet Emanzipation, dass sich einfach jeder Mensch, unabhängig vom Geschlecht, aussuchen kann, was er persönlich machen will.

Ich bin bei der Bundeswehr. In meinem Beruf und unter meinen Kameraden spielen diese Geschlechterfragen gar keine Rolle mehr. Wer seine Leistung bringt, ist anerkannt, und wer sie nicht bringt, eben nicht. Die älteren Generationen, die vor allem in der Frauen-Union vertreten sind, haben manchmal noch dieses Schubladendenken. 

In der JU interessiert es keinen, ob du Männlein oder Weiblein bist. Entweder kannst du Leute wegen deiner Ansichten von dir überzeugen oder eben nicht. Ich persönlich glaube sogar, dass man es da als Frau manchmal etwas leichter hat. Seit meinem Eintritt in die JU wurde ich permanent gefördert, besonders von männlichen Parteifreunden. 

Ich weiß, dass ich mehr zu bieten habe als mein Geschlecht, und das lasse ich mir auch von niemanden absprechen."


Trip

Weg ohne Dreck: Runterkommen in Lübeck
Der Städtetrip im Herbst muss nicht immer mit einem langen Flug verbunden sein.

Meistens passiert es Ende Oktober. Der warme Hauch des Spätsommers verschwindet abrupt und wird vom nassen und kalten Husten des Herbstes abgelöst.

Ein wirksames Rezept gegen dunkle Gedanken ist ein Städtetrip. Wer neue Eindrücke sammelt, hat schließlich keine Zeit für Wetterfrust oder Sinnfragen.

Für einen schönen Trip muss man nicht in Europas Metropolen mit ihren Endloslisten berühmter Persönlichkeiten, ihren Sackbahnhöfen oder Großflughäfen reisen. Es gibt auch Städte, die große Köpfe hervorgebracht haben, aber nicht die Hektik einer überfüllten Großstadt versprühen. Orte, an denen du den Kopf frei bekommst, um Kraft für die letzten Monate im Jahr zu tanken – und gleichzeitig Neues entdecken kannst.