Können wir die Maske bitte auch nach Corona beibehalten?

Wenn meine Kinder, die ich vielleicht mal haben werde, mich später fragen, was ich 2020 gemacht habe, um zum Ende der Corona-Pandemie beizutragen, werde ich sagen: nichts. Ich war einfach nur zu Hause. Ziemlich faul und rücksichtslos, werden meine Zukunftskinder denken. Doch ganz im Gegenteil: Ich, allein zu Hause, war Teil der Lösung. Erfolg durch Untätigkeit, fantastisch. 

Sollten meine Kinder mir die Frage stellen, etwa weil sie im Geschichtsunterricht über die Pandemie von 2020 sprechen, werde ich filmreif mit meinen Händen auf meine Oberschenkel klopfen, die Kids dort Platz nehmen lassen und ihnen etwas erzählen: über Rücksichtnahme, über gesellschaftliche Verantwortung – und darüber, welche Rolle damals Stofffetzen im Gesicht gespielt haben.

Zu Hause rumzuhängen und von dort zu arbeiten, war nämlich nur fast das einzige, was ich gemacht habe, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Mein Zukunfts-Ich wird an dieser Stelle der Erzählung eine extra lange Pause einlegen, wie das bei dramaturgischen Papa-Geschichten nun mal so ist. Dann werde ich sagen: Ich hatte auch zehn Minuten pro Tag eine selbstgenähte Stoffmaske auf, wenn ich für den Einkauf im Supermarkt war oder ein paar Stationen mit der Bahn fuhr. Meine Kinder werden wenig beeindruckt sein, was den Aufwand meines Opfers angeht.

Und sie haben recht: Es gibt Menschen, die während der Pandemie deutlich mehr leisten als ich – etwa Krankenhaus- und Pflegepersonal oder Supermarktmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Sie bilden seit Monaten das Rückgrat unserer Gesellschaft. Und müssen ihre Masken meist den ganzen Tag tragen und haben fortwährend Kontakt zu anderen Menschen. Nicht nur beim Brötchen holen.

Durch die Corona-Maßnahmen sank die Zahl der Grippeinfizierten

Die meisten anderen nehmen zwar Rücksicht auf ihre Mitmenschen, aber reißen sich dabei wahrlich kein Bein aus. Nur: Viel mehr kann man zurzeit eben auch nicht tun. Ich trage eine Maske in Teilen des öffentlichen Raums und rücke fremden Menschen nicht auf die Pelle. Rücksicht zu nehmen ist gerade vielleicht sogar einfacher als jemals zuvor in meinem Leben.

Ein Argument der verschworenen Gegner von Corona-Maßnahmen ist oft, dass das Virus doch nicht schlimmer sei als eine handelsübliche Grippe. Das stimmt zwar so nicht, führt aber zu einem interessanten Punkt: Während der Pandemie sank die Zahl der Grippeinfizierten in Deutschland merklich. Und das lag – und jetzt kommt wieder ein dramaturgischer Einschub, man denke sich die auf meinem Schoß sitzenden Zukunftskinder kurz dazu – an den Corona-Maßnahmen (SZ, €).

Dieser Erfolg spricht dafür, selbst nach der Coronakrise freiwillig eine Maske zu tragen, wenn man sich krank fühlt. Ehe man mit einer heftigen Erkältung oder gar Grippe in die vollgestopfte Bahn und ins Großraumbüro hustet, bleibt man einfach zu Hause. Oder man trägt zumindest im öffentlichen Raum, wenn kein Abstand möglich ist, eine Mund-Nasen-Bedeckung. Ganz freiwillig, einfach, um die Mitmenschen zu schützen. So ist es in vielen asiatischen Ländern schon seit Jahren üblich. Und ich würde mir diese Rücksichtnahme in Zukunft auch in Deutschland wünschen. Nun, wo alle eine Maske haben, sollte das nicht zu schwer sein. 

Eine heftige zweite Corona-Welle können wir vielleicht noch verhindern, neue Grippewellen werden aber mit Sicherheit kommen. Deren Ausmaß können wir jedoch beeinflussen. Irgendwann werden meine Zukunftskinder erstaunt sagen: Ach, damals habt ihr das mit den Erkältungsmasken eingeführt. 

Und ich werde nicken. Hoffentlich.


Musik

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