Bild: Maximilian Senff / bento / Instagram Filter Floppy Nose
Schönheits-OP? Mundgeruch? Warum tragen so viele Menschen ihre Maske unter der Nase?

Anfangs war es ein Meme: Wer seine Nase über den Mund-Nasen-Schutz hängen ließ, wurde mit Menschen verglichen, die ihre Unterhose falsch tragen. Bei wem die Shorts zwischen den Knien baumeln, dem hängt oben so einiges drüber. 

Doch wo man eigentlich denkt, die Lernkurve – und mit ihr die Masken – müssten steil nach oben gehen, es müssten also immer mehr Menschen mit der Zeit begreifen, wie man die Maske richtig trägt, scheint das Gegenteil der Fall zu sein: 

Mittlerweile sind offenbar immer mehr Vertreter der Oben-Ohne-Fraktion unterwegs, gern mit dem Knüllerargument, man könne eben einfach besser atmen, wenn die Nase frei sei. Nun geht es natürlich genau darum, seinen Atem – und mit ihm die Viren – nicht ungebremst in die Landschaft zu schleudern. Da die Viren im Nasen-Rachen-Raum zu Hause sind, muss man Mund und Nase bedecken

Das ist eigentlich wirklich nicht schwer. Warum bloß tragen viele Menschen ihre Masken also trotzdem falsch?

Sind sie vielleicht einfach besonders stolz auf ihre Nasen? Die Nase markiert immerhin den zentralen Punkt des Gesichts. Ist sie schmal und gerade, gilt sie als perfekt. Und gerade die Selfie-Kultur könnte ein Grund für eine gesteigerte Nachfrage nach Nasen-Operationen sein. (Standard)

Wenn man schon mehr als ein durchschnittliches Monatsgehalt für einen perfekten Riechkolben ausgibt, will man wahrscheinlich zeigen, was man hat. Hochnäsig durch den Supermarkt, die Instagram-Timeline des Real Life. Die Maske trägt man dabei alibimäßig über den Mund gezogen. Auch wenn die gebleachten Zähne dann leider verdeckt sind. Aber die waren nicht so teuer.

Gegen diesen Verdacht spricht natürlich, dass, mit Verlaub, auch höchst durchschnittliche Zinken über der Maske durch die Welt getragen werden. 

Mit Maske zurück zur Normalität

Vielleicht ist die Sache also viel simpler – und der Grund fürs Nasedrüberhängenlassen ist einfach fehlende Mundhygiene. Wer einmal seinen eigenen Mundgeruch eingeatmet hat, für den ist viel klarer, warum Selbstliebe harte Arbeit ist. Aber wenn man doch eh gerade im Supermarkt ist: Zahnbürste und -pasta gibt es da auch. 

Wahrscheinlich ist natürlich, dass viele die Maske aus einer Mischung aus Unwissen und Bequemlichkeit falsch tragen. Und auch, weil man irgendwie nicht mehr so richtig Lust hat auf diese ganze Vorsicht.

Das Leben soll sich in den nächsten Monaten wieder normal anfühlen. Frei atmen fühlt sich halt normaler an. Und überhaupt, wir scheinen doch auf einem ganz guten Weg zu sein, braucht es diese unbequemen Masken überhaupt? 

Die Sache ist natürlich: Damit sich das Leben überall außerhalb des Supermarktes weiter normalisieren kann, muss das Infektionsgeschehen weiter unter Kontrolle bleiben. Da hilft es, wenn alle ihre Maske richtig tragen. Und wenn man zwischendurch mal wieder schlecht Luft kriegt, sollte man sich daran erinnern:

So lange das korrekte Tragen einer Maske in Supermärkten für die meisten von uns die größte Leistung ist, die wir erbringen, um andere zu schützen, haben wir echt noch kein Bundesverdienstkreuz verdient. Und unsere Probleme sind, im Vergleich zu dem, was gerade an vielen Orten auf der Welt passiert, wirklich eher klein. Selbst wenn man dummerweise vor dem Einkauf einen Döner gegessen hat – mit extrascharf.


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