Bild: Dominique Leppin/dpa
Ausbildung, Studium, Jobeinstieg – das Leben der Jungen sollte beginnen, aber wegen Corona steht vieles still. Was tut die Regierung?

Insgesamt 130 Milliarden Euro sollen helfen, Deutschland nach der Coronakrise wieder flott zu machen. Darauf haben sich die Spitzen von CDU, CSU und SPD am Mittwoch geeinigt. Das Geld steckt in einem Konjunkturpaket für dieses und kommendes Jahr, darin soll es darum gehen, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, von der Coronakrise betroffene Menschen zu unterstützen und auch den Klimaschutz nicht zu vernachlässigen. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte das Anti-Corona-Folgen-Kraftpaket am Mittwochabend auf einer Pressekonferenz vorgestellt – und betont, dass auch Familen und junge Menschen besonders gestützt werden sollen. "Jedes Kind, jeder Jugendliche, der ausbildungswillig ist, soll auch dazu die Möglichkeit bekommen", versprach Merkel dabei. (Bundesregierung)

Die Jungen leiden am meisten unter der Coronakrise

Das Versprechen ist nicht unwichtig: Die Jungen leiden unter der Coronakrise in besonderem Maße. Schul- und Uniabschlüsse verschieben sich, der Einstieg in den Arbeitsmarkt ist wegen fehlender Ausbildungsangebote schwer. Gleichzeitig arbeiten viele junge Menschen häufiger in prekären oder befristeten Jobs. Nicht nur Azubis könnten gerade Unterstützung gebrauchen. 

Die Krise der Jungen

Im Alter zwischen 20 und 30 sortiert sich für viele Menschen das Leben: Ausbildungen werden abgeschlossen, erste und zweite Jobs ausprobiert, man investiert Geld in Wohnungen, Autos oder Aktien, findet Freunde oder Partner fürs Leben. Was bedeutet es für eine Generation, wenn dieser Prozess dramatisch verlangsamt wird – weil Corona das Leben lahmlegt? 

In unserem Schwerpunkt "Die Krise der Jungen" sprechen wir mit jungen Menschen, die ihre Jobs verloren haben. Wir fragen eine Zukunftsforscherin, wie sie die Krise überwinden können. Und wir lassen uns von Lobbyistinnen und Aktivisten erklären, wie sie jetzt erst recht versuchen, junge Menschen in Politik und Gesellschaft zu repräsentieren.

bento hat sich daher das Konjunkturpaket für euch angeschaut: Was steckt drin? Was können Einzelne erwarten? Und wie sinnvoll ist die Maßnahme für die Jungen?

Konkret stehen im Maßnahmenpaket sechs Punkte in der Rubrik "Junge Menschen und Familien":

  1. Familien bekommen einen einmaligen Bonus von 300 Euro pro Kind.
  2. Kindergärten und Krippen sollen ausgebaut werden.
  3. Auch Ganztagsschulen und die Betreuungsangebote dort sollen erweitert werden.
  4. Alleinerziehende sollen entlastet werden.
  5. Ausbildungsplätze sollen gesondert gefördert werden.
  6. Die regionale Wirtschaft soll gestärkt werden.

Insgesamt veranschlagt der Bund für die sechs Maßnahmen etwas mehr als neun Milliarden Euro, der größte Teil – knapp die Hälfte – entfällt auf den Kinderbonus. 

Vier der Maßnahmen zielen auf Familien ab. Junge Menschen, die zwar volljährig sind, aber noch nicht Teil einer Familie, spielen fast keine Rolle. 

Allein Azubis werden erwähnt: Kleine und mittelständische Unternehmen sollen Prämien erhalten, wenn sie Ausbildungsplätze trotz der aktuell schwierigen Lage anbieten. Der sechste Punkt, die regionale Wirtschaftsförderung, kann zusätzlich zumindest indirekt dabei helfen, Arbeitsplätze zu sichern.

„Die 18- bis 35-Jährigen sind in der Coronakrise die vergessene Generation.“
Anna Braam, Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen

Anna Braam von der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen hält das Paket dennoch für unzureichend. "Jeder wird von der Regierung bedacht", sagt Anna zu bento, "außer den 18- bis 35-Jährigen. Wir sind in der Coronakrise die vergessene Generation." 

Studierende bleiben auf der Strecke, Jobs werden nicht gesichert

Auch Manuela Conte, Bundesjugendsekretärin des DGB, kritisiert, dass die Studierenden leer ausgegangen sind. Insgesamt lobt sie das Paket als Konjunkturankurbler und auch mit Blick auf die Azubis. "Es darf keine Ausbildungskrise auf die Coronakrise folgen", sagt Manuela zu bento. "Deshalb ist es gut, dass die Bundesregierung einen Schutzschirm für Ausbildung aufspannt." 

Das sieht auch Anna Braam so, sie hat aber Zweifel an der Effizienz der Maßnahmen. Zwar sei gut, dass es Prämien für Azubis gebe, aber noch sei unklar, wie die zur Geltung kommen. "Schon jetzt haben viele Berufseinsteiger und Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen ihre Jobs verloren", sagt Anna. Sie glaubt nicht, dass sich das ohne große Hilfe der Regierung ins Gegenteil verkehrt.

Aktuell würden aber vor allem Studierende auf der Strecke bleiben. Für die gebe es zwar Kreditangebote, "aber die müssen sie ja dann über Jahre abstottern". Anna ist sich sicher: "Beim Erarbeiten dieses Konjunkturpakets hat niemand bei Studierendenvertretern nachgefragt, es geht komplett an der Realität vorbei."

„Es darf keine Ausbildungskrise auf die Coronakrise folgen.“
Manuela Conte, DGB Jugend

SPD-Mitglieder Yannick Haan und Christina Kampmann haben deshalb vorgeschlagen, auch jungen Menschen pauschal eine Finanzhilfe von 300 Euro im Monat zukommen zu lassen. (bento) Eine Petition unter dem Titel "Soforthilfen für Studierende" hat innerhalb weniger Wochen mehr als 55.000 Unterschriften gesammelt. Gefordert wurde darin eine Soforthilfe von 3000 Euro für Studierende, die Nachweisen können, dass wegen Corona ihre Einkommensgrundlage weggebrochen ist – anstelle von Krediten, die hinterher von den Betroffenen wieder abgestottert werden müssten. Soforthilfen für Studierende wurden auch von prominenten jungen Politikern wie Ria Schröder (Vorsitzende Junge Liberale), Kevin Kühnert (Bundessprecher der Jusos) und Tilmann Kuban (Vorsitzender der Jungen Union) unterstützt. (Die da oben

Doch geschehen ist davon nichts. Und das, obwohl die Generation auch laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO), einer Uno-Institution, besonders gefährdet ist. Sie warnt davor, dass "Covid-19 junge Leute schneller und härter" trifft als andere Teile der Bevölkerung. "Rasches Handeln" sei angezeigt, um das Entstehen einer "Lockdown-Generation" zu verhindern. Wenn das nicht gelingt, birgt der schwelende Generationenkonflikt "gehörigen sozialen Sprengstoff". (SPIEGEL


Fühlen

Depression bei Männern: "Mein Vater sagte mir, ich solle mich nicht selbst bemitleiden"
Warum Depressionen bei Männern seltener erkannt werden.

Als Kind hatte ich Angst vor allem. Gerade vor meinen Mitschülern, denn sie mobbten mich. Mein Vater sagte mir oft, ich solle mich nicht selbst bemitleiden, wenn es mir schlecht ging oder ich mich überfordert fühlte. Ich internalisierte seine Stimme und tat meine Probleme als unbedeutend ab – sie wurden so nur größer. Heute lebe ich mit einer Depression.

Es gibt viele Faktoren, die psychische Erkrankungen begünstigen. Einer fällt besonders auf: Bei Frauen werden rund doppelt so viele Diagnosen gestellt wie bei Männern. Sind Männer weniger anfällig für psychische Erkrankungen oder werden diese einfach seltener erkannt?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen in der männlichen Sozialisation einen der Gründe dafür, dass die Ausprägungen psychischer Erkrankungen bei Männern schwerer zu erkennen sind. Der Begriff der "toxischen Männlichkeit" wird seit ein paar Jahren immer bekannter. Er meint das destruktive Verhalten von Männern: der machtmissbrauchende Chef, der übergriffige Typ auf dem Dancefloor oder der Manspreader in der U-Bahn. Die Grundlagen der toxischen Männlichkeit erlernen wir alle. Dafür braucht es keinen Vater, der dem Sohn den Trump'schen Satz "Grab 'em by the pussy" sagt – Geschlechterbilder bekommen wir von klein auf überall vorgelebt, angefangen mit der Verteilung der Hausarbeit zwischen unseren Eltern.