Bild: dpa/Paul Zinken
Drei Fragen, drei Antworten

"Kann sein, dass du von der Treppe fällst", sagt Khaled und zieht grinsend an einer Wasserpfeife. "Oder dir ein Stein auf den Kopf fällt", schiebt er nach. Die Welt sei "unberechenbar". 

Khaled gehört einer Großfamilie an, die von der Polizei als krimineller Clan eingestuft wird. 

Das rbb-Magazin "Kontraste" hat ihn interviewt und gemeinsam mit der "Berliner Morgenpost" in einer umfangreichen Recherche zu den Machenschaften von türkischen und arabischen Großfamilien in Deutschland zusammengetragen. Und zur Frage, warum die deutsche Justiz im Kampf gegen die Clans oft machtlos ist. 

Oder wie es Khaled ausdrückt: "Bewährungsstrafen sind ein Witz."

Wie bedrohlich sind Typen wie Khaled? Und wie will Deutschland gegen die Clans vorgehen? 

Die wichtigsten Antworten:

1

Wie operieren die kriminellen Clans in Deutschland?

Viele Clans bestehen vor allem aus einer Großfamilie – Brüder, Neffen, Onkel kümmern sich um die Geschäfte. Die Clans arbeiten mafiös, sind im Immobiliengeschäft tätig, besitzen Geschäfte. Geld häufen sie aber auch illegal an, durch Erpressungen, Raubzüge und Drogenhandel. 

Allein in Berlin sind etwa 20 Großfamilien mit jeweils bis zu 500 Mitgliedern bekannt, zehn davon leben in Neukölln. Etwa die Hälfte der 20 Familien ist im Visier der Polizei. 

Auch in Nordrhein-Westfallen und anderen Bundesländern soll es immer mehr kriminelle Clans geben. Viele haben Wurzeln im Libanon oder der Türkei.

Tarek, der als Drogenkurier in Berlin für einen Clan arbeitet, sagt, viele würden ins Geschäft einsteigen, weil sie in Deutschland keine andere Perspektive hätten:

Die meisten, die von Hartz IV leben, sind ja Araber, Türken. Und wer nicht mit der Schule weiterkommt, fängt an, irgendwas auf der Straße aufzubauen.

2

Warum bleibt die Justiz oft machtlos?

Zwei Punkte.

1. Die Justiz greift nicht hart durch. 

Die Clans agieren oft in einer Parallelwelt, viele Mitglieder bleiben im Hintergrund. Gefasst werden nur Handlanger – und die sind oft noch unter 21 Jahren. Die Berliner Staatsanwältin Susann Wettley sagt der "Morgenpost", dann würden oft milde Strafen verteilt oder Bewährungen vergeben. Das seien mitunter die falschen Signale:

Wir merken schon, dass wir vielfach nicht ernst genommen werden
Staatsanwältin Susann Wettley

2. Die Clans erzeugen eine "Paralleljustiz".

Das sagt Mathias Rohe, Rechts- und Islamwissenschaftler an der Universität Erlangen-Nürnberg. So haben die Clans eigene Streitschlichter, die Dinge regeln – am deutschen Rechtsstaat vorbei. Das wirke sich auch auf echte Gerichtsverhandlungen aus: Die Clans könnten "ein Klima der Angst" erzeugen, ausgelöst durch "gewalttätige, von staatlichen Behörden nur noch unzureichend kontrollierte Clanmilieus". 

Kurzum: Wer gegen die Clans aussagen will, wird eingeschüchtert, bis er doch nichts sagt.

3

Was soll sich jetzt ändern?

  • Die Bundesländer und der Bund wollen ihre Kompetenzen bündeln – die Polizei soll sich über Ländergrenzen hinweg besser absprechen. 

Berlins Innensenator Andreas Geisel verspricht so zum Beispiel eine "intensive Zusammenarbeit" der Behörden in Bund und Ländern, aber auch mit der Steuerfahndung, dem Zoll, dem Bundeskriminalamt sowie Sozialämtern und Opferschutzverbänden.

Wir müssen die Clans dort treffen, wo es ihnen richtig weh tut: beim Geld und Eigentum.
Andreas Geisel
  • Außerdem sollen kriminelle Handlungen der Clans endlich gesondert erfasst werden. 

Bislang gibt es anders als bei Drogendelikten oder Wirtschaftskriminalität zu Straftaten von Clan-Mitgliedern noch keine polizeilichen Lagebilder. Im Herbst sollen erste Ergebnisse nach Expertentreffen der Länder vorliegen. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hofft im "Kontraste"-Beitrag, Clan-Mitglieder so schon bei kleinsten Vergehen zu schnappen, Verkehrssünden zum Beispiel.

Es wäre das Modell Al Capone: Dem Mafiapaten hatte die US-Justiz damals Morde und Raubüberfälle nicht nachweisen können; er wurde schließlich wegen Steuerhinterziehung verknackt.

Eine Doku zu den Recherchen von "Berliner Morgenpost" und "Kontraste" läuft am Donnerstag, 21.45 Uhr in der ARD.


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