Bild: Felix Huesmann

Der Christopher Street Day in Köln ist die wohl größte queere Party Europas – hier feiern lesbische Lehrerinnen mit schwulen Leder-Fans, transsexuellen Diven und ihren heterosexuellen Freundinnen und Freunden. In diesem ging es den rund eine Million Teilnehmern auch darum, Solidarität mit den Opfern des Anschlags von Orlando zu zeigen. Die Botschaft: Jetzt erst recht!

LGBT

Das steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. Die in Deutschland manchmal verwendete Abkürzung LSBTTIQ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle, intersexuelle und queere Menschen.

Überall dröhnt Musik aus Lautsprechern: Bei den Fußballfans des FC Köln läuft Schlager, ein paar Wagen weiter tanzen junge Männer mit goldig glitzernd besprühten Körpern zu Techno. Wenige Meter entfernt steht eine Gruppe "Bären" – oberkörpferfreie Männer, mit ausgeprägtem Brusthaar und Vollbärten.

Mit dabei sind Gewerkschaften, Fetisch-Freunde, Aidshilfe-Gruppen, der Arbeiter-Samariter-Bund und auch Parteien. Zwischendrin feiert zum Beispiel Volker Beck. Erst vor einer Woche wurde er bei einer Gay-Pride-Veranstaltung in Istanbul vorübergehend festgenommen. (bento I)

Der CSD in einer Slideshow: "We stand with Orlando"
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Die Demo war am vergangenen Wochenende gewaltsam von der Polizei aufgelöst – mit Gummigschossen und Tränengas. Im amerikanischen Orlando tötete ein Mann vor wenigen Wochen 49 Menschen in einem LGBTI-Nachtklub. Beim Kölner CSD will man sich deshalb umso mehr für Toleranz und Freiheit einsetzen – und zwar mit ganz viel positiver Stimmung.

"Gerade nach Orlando ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass wir noch lange nicht am Ziel der Reise angekommen sind", antwortet der 30-jährige Lars auf die Frage, warum er dabei ist. Auch an vielen Wagen der Parade hängen kleine Fähnchen mit der Aufschrift "We stand with Orlando". "Wir müssen fröhlich an die Sache herangehen und dem ganzen mit positiver Energie entgegen wirken", findet Lars.

Lars will dem Hass mit positiver Energie entgegen wirken.(Bild: Foto: Felix Huesmann)
Gerade nach Orlando ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen.
Lars

Der Christopher Street Day erinnert ursprünglich einen Aufstand von Schwulen und Transsexuellen im Juni 1969 in der Christopher Street in New York. Nach einer gewalttätigen Razzia in der Schwulen-Bar "Stonewall Inn" kam es dort zu tagelangen Straßenschlachten mit der Polizei. Seit dem hat sich vieles, aber längst nicht alles verbessert.

Das Motto der CSD-Parade und der mehrtägigen Veranstaltungen der "ColognePride" ist in diesem Jahr "anders Leben". Die Veranstalter wollen damit die Frage stellen, was es heute bedeutet, "'anders' zu leben und zu lieben". Denn auch in Deutschland gehört Diskriminierung immer noch zum Alltag der LGBTI-Community.

Ich bin hier, weil ich die Freiheit liebe!
Alex

Alex ist trotzdem froh, in Deutschland zu sein. "Ich bin hier, weil ich die Freiheit liebe", ruft er laut, um die Popmusik im Hintergrund zu übertönen. Der 34-Jährige kommt ursprünglich aus dem Irak und lebt erst seit einem Jahr in Deutschland. Sein T-Shirt ist mit dem Logo der "Rainbow Refugees Cologne" bedruckt, einer Unterstützungsgruppe für "lesbische, schwule, bi-, trans- intersexuelle und queere" Flüchtlinge.

Im Gegensatz zu seiner Heimat würden Homosexuelle in Deutschland viele Freiheiten genießen, findet Alex, der vor dem Krieg und vor dem sogenannten Islamischen Staat geflohen ist.

Alex ist trotzdem froh, in Deutschland zu sein(Bild: Felix Huesmann)

"Ich glaube, der wichtigste Kampf in Deutschland ist heute der um das Adoptionsrecht", meint die 19-jährige Johanna, die vor einem großen Bus von Amnesty International herläuft. "In anderen Ländern geht es aber einfach um das nackte Überleben", sagt sie. In vielen Ländern seien LGBTI vom Tode bedroht und Straftaten, die gegen sie begangen werden, würden nicht aufgeklärt.

Für Johanna ist der wichtigste Streitpunkt das Adoptionsrecht. (Bild: Felix Huesmann)

Der CSD ist zwar schrill und bunt. Aber schrill und bunt heißt zumindest in Köln nicht mehr außergewöhnlich – hier feiert ein Querschnitt der Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der es mittlerweile normal ist, dass Menschen verschiedene sexuelle Orientierungen und Vorlieben haben – auch wenn das nicht allen gefällt.

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