Bild: dpa/Michael Kappeler;Montage: bento
Seine drei wichtigsten Zitate

Christian Lindner sieht eine Verrohung der Sprache und der politischen Kultur in Deutschland. Die werde auch von Politikern vorangetrieben, sagte der FDP-Chef nun in einem Interview mit der "Bild am Sonntag". (Bild, hinter Bezahlschranke)

Er selbst war erst vor wenigen Wochen mit eine Spruch aufgefallen, im dem er ausländisch Aussehende "in der Schlange beim Bäcker" unter Generalverdacht stellte. Dafür hatte Lindner einen Shitstorm geerntet, viele Betroffene warfen ihm Rassismus vor. Die Vorwürfe nannte Lindner später "hysterisch". (bento)

Nun sagt Christian Lindner: Deutschland erlebt eine "Vertrumpung" der Sprache, von links wie von rechts.

Seine drei wichtigsten Zitate:

Wir laufen Gefahr, in einer verprollten, vertrumpten Demokratie zu leben.

Mit Anspielung auf den US-Präsidenten Donald Trump meint Lindner, dass der demokratische Austausch leide. Das bedeutet: Statt um Inhalte ginge es darum, wer den heftigsten Spruch raushaut – wie eben Beispiel Donald "CAPSLOCK" Trump. Dagegen müsse man sich wehren, sagte Lindner.

Inhaber höchster Staatsämter nutzen Pegida-Vokabular, wodurch die politische Kultur verroht.

Konkrete Namen nannte Lindner nicht. Aber er verwies auf Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Der hatte das Wort "Asyltourismus" benutzt – Lindner lobte, dass Söder danach versprach, seine Worte besser zu überdenken. Viele hatten kritisiert, dass Söder die Flucht vor Krieg mit Urlaub gleichsetze.

Leider schießen die Berufsempörten der Republik dabei so oft so über das Ziel hinaus, dass sie das Gegenteil erreichen.

Die Kritik ging vor allem an "linke Trolle", wie Lindner sagt. Denn auch die würden zur Verrohung beitragen und ernsthafte Gespräche über Migrationsfragen nicht zulassen, indem sie andere vorschnell als Rassisten abstempeln. So sei die Debatte aktuell nur noch von "rechter Pöbelei und linkem Shitstorm geprägt". 

Juso-Chef Kevin Kühnert reagierte auf Twitter auf Lindners Watsche – und gab die Kritik zurück:

Was Kühnert meint: Lindner müsse nur auf seine eigenen Worte im gleichen Interview hören. Dann erkenne er, dass Kritik von links mit "Getrolle" gleichzusetzen auch eine Form der Verrohung ist.


Gerechtigkeit

Berliner Flüchtlingsinitiative lehnt Preis ab – weil Seehofer beteiligt ist
Ein Kölner Projekt sagt ebenfalls "Nein" – zwei Antworten zum Fall

Zwei Initiativen aus Köln und Berlin haben eine Nominierung für den Deutschen Nachbarschaftspreis abgelehnt – weil sie nicht auf Horst Seehofer treffen wollen. Es handelt sich um eine Flüchtlingsinitiative aus Berlin-Moabit und einen Kölner Rad-Verleih.

Die Nachbarschaftspreise sind mit bis zu 50.000 Euro dotiert. Aber: Innenminister Seehofer ist Schirmherr des Preises – bei der Verleihung wäre er entsprechend anwesend.