Es geht um Migranten in der Bäckerschlange.

Fast anderthalb Stunden lang stand Christian Lindner am Samstag auf dem Parteitag vor den FDP-Mitgliedern und hielt eine leidenschaftliche Rede über seine Visionen für die Partei (die ganze Rede auf YouTube).

Dafür bekam er Standing Ovations und tosenden Applaus

Doch zeitgleich setzte ein Parteimitglied einen Tweet ab, der sich sehr schnell verbreitete:

Chris Pyak ist seit vielen Jahren FDP-Mitglied, richtig aktiv seit 2011. In einer Partei zu sein, bedeutet zwar auch, nicht mit allen Positionen übereinzustimmen – doch die Rede seines Vorsitzenden war für Pyak eine Verfehlung zu viel. 

Es ging um eine ganz bestimmte Passage in Lindners Ansprache:

Einer Partei mit einer solchen Einstellung wollte Pyak nicht mehr angehören und entschied sich für den Austritt

Wir haben mit ihm über diesen Entschluss gesprochen.

Chris, was genau stört dich an Lindners Aussage?

Da wird ein Grundprinzip unserer Gesellschaft mal ganz nebenbei ausgehebelt. Und zwar: Dass wir von jedem Menschen grundsätzlich annehmen, dass er anständig ist – bis er das Gegenteil beweist. 

Lindner suggeriert, dass dies nicht für Menschen gilt, die anders aussehen. Bei denen ist es nicht einfach in Ordnung, dass sie da sind, sondern es bedarf einer Bestätigung, dass sie wirklich hier sein dürfen. Und das ist einfach übelster Alltagsrassismus.

Chris Pyak

Was hältst du daran für gefährlich?

Vielleicht ist es Lindner nicht bewusst, aber damit liefert er Rassisten einen exzellenten Vorwand, farbige Menschen zu drangsalieren. Denn wenn ich als Rassist oder als "guter Deutscher" das Recht habe, dass in meiner Bäckerschlange keine Illegalen sind, dann gehe ich am besten erstmal hin zu dem Farbigen und sage: "Zeig mir deinen Aufenthaltstitel". Lindners Statement ist also die ideale Rationalisierung dafür, dass ich ein Arschloch bin.

Wer glaubt, dass so etwas nicht passieren würde, der hat keine Ahnung, was für Gestalten in diesem Land herumlaufen. Ich habe einen Freundeskreis mit Menschen aus der ganzen Welt, die regelmäßig wegen ihrer Hautfarbe bedrängt, bedroht oder sogar angegriffen werden. Meine Frau, beispielsweise, ist Asiatin und sie wurde schon körperlich angegriffen, wegen ihrer Herkunft. 

Du bist seit vielen Jahren FDP-Mitglied. Was hat sich in der Partei deiner Meinung nach verändert?

Ich sehe in Christian Lindners FDP eine zunehmende Radikalisierung. Dadurch verliert man Leute wie mich, die in politischen Diskussionen Wert auf ein gewisses Maß an Anstand legen.

Man muss sich mal die Statements der FDP zu Ausländern und Zuwanderung seit 2015 angucken: Die FDP sieht Ausländer entweder als Ressource – gegen den Fachkräftemangel oder für die Rente –, als Problem, oder sogar als Gefahr. In den wenigsten Statements wird von Ausländern mit Wertschätzung gesprochen und in den allerwenigsten werden die Probleme, Sorgen und Wünsche von Deutschen mit Migrationshintergrund und Ausländern angesprochen. 

Ich verstehe den Liberalismus anders als viele der heutigen FDP-Mitglieder: Für mich geht es darum, dass jeder einzelne Mensch seinen persönlichen Lebenstraum verwirklichen kann. Und das erreicht man – wie ich finde – am besten, indem man anderen Menschen genau dabei hilft. Diesen zweiten Teil verstehen viele in der FDP überhaupt nicht. 

Was würdest du dir für die FDP wünschen? 

Ich wünsche mir eine liberale Partei, die gerade in dieser Zeit, in der Rassismus und Nationalismus grassieren, sich schützend vor die Würde jedes einzelnen Menschen stellt. 

Am Sonntagmittag hat Christian Lindner per Facebook-Video auf die Anschuldigungen reagiert. Darin sagt er, er sei missverstanden worden – wiederholte letztlich aber sein voriges Argument: Es brauche strenge Regeln und einen starken Rechtsstaat, damit sich deutsche Bürger in Gegenwart von zugewanderten Menschen sicher fühlen.

Er sieht offenbar weniger ein Problem in den schiefen Blicken und "Ressentiments" aus seiner "Anekdote", als in der Vertrauenswürdigkeit der Menschen mit Migrationshintergrund.

Hier kannst du Video ansehen.


Today

Gigantische Spinne im Supermarkt: Aldi hat die einzig richtige Lösung
Packt die Räucherstäbchen aus!

Der Anblick ihrer langen, haarigen und dünnen Beine versetzt Menschen in Angst und Schrecken: Spinnen sind nicht gerade die Lieblingstiere der Deutschen. Die Angst vor ihnen ist weit verbreitet und äußert sich meist in Abstufungen zwischen entsetztem Aufschreien, panikartigem Verlassen des Raumes oder der Suche nach einem passenden Schuh, um kurzen Prozess zu machen. 

In einem Aldi-Markt in Bochum wurde das Problem an diesem Wochenende auf andere Art gelöst: Dort wurde kurzerhand der gesamte Laden ausgeräuchert

Aber von Anfang an.