Wenige Junge müssen viele Alte versorgen
Was ist passiert?

China ändert seine Bevölkerungspolitik dramatisch. Die Ein-Kind-Politik wird abgeschafft, beschloss das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei auf einem viertägigen Treffen.

Künftig dürfen alle Paare zwei Kinder bekommen. Für Millionen chinesischer Familien ist das eine große Erleichterung. Die Ein-Kind-Politik ist zuvor oft brutal durchgesetzt worden, es gibt Berichte über erzwungene Spätabtreibungen und Zwangssterilisation.

Was heißt Ein-Kind-Politik genau?
  • Die strengen Vorschriften gelten seit 1979. Sie sollten eine Bevölkerungsexplosion im damals sehr armen China verhindern. Heute leben rund 1,4 Milliarden Menschen in China.
  • Das Gesetz galt zuletzt nicht mehr für alle. Die chinesische Regierung hat die Ein-Kind-Politk in den vergangenen Jahren mehrmals gelockert. Seit 2013 dürfen Ehepaare in bestimmten ländlichen Regionen des Landes zwei Kinder bekommen. Gleiches gilt, wenn ein Elternteil Einzelkind ist. Ausgenommen von der Ein-Kind-Regelung waren auch ethnische Minderheiten wie die Uiguren und Tibeter.
  • Durchgesetzt wurde die Politik mit harten Strafen. Frauen mussten sich regelmäßig Schwangerschaftstests unterziehen – auch wenn sie bereits über 40 Jahre alt waren. Bei einem Verstoß gegen die Regelung drohten Frauen zum Beispiel Zwangsabtreibungen und Sterilisation. Alternativ konnten sich Familien dazu entscheiden, eine hohe Abgabe zu zahlen.
Warum braucht China mehr Kinder?

Experten fordern schon lange ein Ende der Ein-Kind-Politik, weil die chinesische Bevölkerung altert.

  • Mittlerweile hat das Land im weltweiten Vergleich eine der geringsten Geburtenraten: Im Durchschnitt gebärt eine Frau in China 1,55 Kinder. Selbst im rapide alternden Deutschland sind es mit 1,4 fast genauso viele. Eine stabile Bevölkerungsentwicklung setzt eine Quote von 2,1 voraus.
  • Chinesische Behörden schätzen, dass es durch die Ein-Kind-Politik rund 400 Millionen Geburten verhindert worden sind. Während die Geburtenrate annähernd stabil bleibt, werden die medizinische Versorgung und auch die Lebensqualität in China besser. Die Menschen werden also zunehmend älter.


Weniger junge und mehr alte Menschen bedeuten Probleme:

  • Das Gros der seit 1979 Geborenen sind Einzelkinder. Trotzdem müssen sie oft sowohl ihre eigenen Eltern im Alter unterstützten als auch ihren eigenen Nachwuchs versorgen – ähnlich wie in Deutschland.
  • Auch für die Wirtschaft wird der Nachwuchsmangel zum Problem: Der Anteil der arbeitsfähigen Bevölkerung nimmt ab, für Unternehmen wird es schwerer, Fachkräfte zu finden.
  • Eine weitere Folge der Ein-Kind-Politk: Der Männerüberschuss. Chinesische Familien bevorzugen männliche Nachkommen. Sie können später auf dem Feld mithelfen, dienen als eine Art Altersversorgung. Durch den Männerüberschuss werden Schätzungen zufolge 40 bis 50 Millionen ohne Frau bleiben. In einem Land, in dem Ehe und Familie das Ansehen bestimmen, ist das für die Männer eine Katastrophe.
Werden jetzt alle Paare zwei Kinder bekommen?

Wahrscheinlich nicht. Es könnten sich nicht alle leisten, Kinder aufzuziehen, sagte Mu Guangzong, Professor für Demographie an der Pekinger Universität, der New York Times.

Gesellschaftlich gesehen sei die Entscheidung sicher richtig. Allerdings hatten bereits weniger Familien als erhofft die Lockerungen der vergangenen Jahre genutzt. Nur 12 Prozent der dazu berechtigten Familien beantragten ein Ausnahme von der Ein-Kind-Regel.