Bild: Hendrik Schmidt/dpa
Drei Fragen, drei Antworten

Was ist passiert?

Am Rande der teils fremdenfeindlichen Proteste nach dem tödlichen Messerangriff von Chemnitz soll sich nach Medienberichten auch eine schwere antisemitische Attacke auf ein Restaurant ereignet haben.

Am Abend des 27. August, dem zweiten Tag der rechten Demonstrationen, sei das koschere Restaurant "Schalom" von etwa einem Dutzend schwarz gekleideter Vermummter angegriffen, berichtet die "Welt am Sonntag". Zuvor hatte die Chemnitzer "Freie Presse" darüber berichtet.

Sie hätten "Hau ab aus Deutschland, du Judensau" gerufen und das Lokal mit Steinen, Flaschen und einem abgesägten Stahlrohr beworfen. Der Eigentümer sei an der Schulter getroffen und verletzt worden, eine Fensterscheibe zu Bruch gegangen und die Fassade beschädigt worden. 

Uwe Dziuballa, Eigentümer des "Schalom" sagte der "Freien Presse", an diesem Abend habe er das erste Mal seit langer Zeit wieder "richtig Schiss gehabt". Immerhin habe aber die Polizei schnell eingegriffen.

Das Landeskriminalamt habe eine entsprechende Anzeige des Wirts bestätigt, berichtet die "Welt am Sonntag". Ein Sprecher des Innenministeriums sagte dem Blatt, dass in dem Fall "derzeit eine politisch motivierte Tat mit einem antisemitischen Hintergrund naheliege". Die Ermittlungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen. 

Wie sind die Reaktionen auf die Attacke?

Der Beauftragte gegen Antisemitismus der Bundesregierung, Felix Klein, zeigte sich alarmiert. "Sollten die Berichte zutreffen, haben wir es mit dem Überfall auf das jüdische Restaurant in Chemnitz mit einer neuen Qualität antisemitischer Straftaten zu tun. Hier werden die schlimmsten Erinnerungen an die Dreißigerjahre wachgerufen", sagte er der Zeitung. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat dem Bericht zufolge mit dem Betreiber, einem alteingesessenen Chemnitzer, telefoniert. 

In welchem Zusammenhang steht der Vorfall?

Die Berichte über die antisemitischen Attacke kommen inmitten der Debatte darüber, ob es in Chemnitz vor knapp zwei Wochen "Hetzjagden" gegeben hat. Zuletzt hatte der Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen gesagt, es gebe keine Beweise dafür. Zu einem im Netz kursierenden Video, das rassistische Angriffe zeigen soll, sagte er, es gebe keine Belege dafür, dass die Bilder "authentisch" seien. Maaßen mutmaßte außerdem, es handele sich möglicherweise um eine "gezielte Falschinformation", um von dem "Mord" in Chemnitz abzulenken. (bento)

Aus Ermittlerkreisen in Sachsen heißt es aber, man habe derzeit keine Anhaltspunkte für Maaßens Behauptung, dass das Video nicht authentisch ist. (SPIEGEL ONLINE)

Auch der Verfassungsschutz selbst stellte sich nicht hinter die Aussage seines Chefs, sondern schrieb in einer Pressemitteilung, die Ermittlungen liefen noch. (SPIEGEL ONLINE)

Mittlerweile hat die Antifa-Gruppe "Zeckenbiss", die das Video veröffentlichte, mit einer Stellungnahme reagiert. Das Video sei ein Netzfund gewesen in einer "patriotischen Gruppe", in welcher auch Hetze gegen Flüchtlinge betrieben worden sei. 

In der Nacht vom 25. auf den 26. August war in der Chemnitzer Innenstadt ein 35-Jähriger Mann erstochen worden, mutmaßlich von einem 23-jährigen Syrer und einem 22 Jahre altem Mann aus dem Irak. Bislang ist juristisch nicht geklärt, ob es sich bei dem Tötungsdelikt um Mord oder Totschlag handelt.

In den darauffolgenden Tagen war es zu teils fremdenfeindlichen Protesten gekommen, bei denen es nach Angaben von Journalisten vor Ort auch zu Jagdszenen auf ausländisch aussehende Menschen gekommen ist – genau das soll das Video zeigen.

Mit Material von dpa


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