Bild: dpa / Ina Fassbender
Vier Fragen zur (Nicht-)Äußerung von Paul Ziemiak

Auf dem Twitterprofil von Paul Ziemiak ging es in den vergangenen Tagen es um vieles: Einen Besuch beim SV Leuten/Klein Oßnig, lobende Worte an einen Journalisten zum Thema #Rentenniveau und die einstimmige Wiederwahl als Vorsitzender der CDU Iserlohn. Paul Ziemiak, der Vorsitzende der Junge Union, hatte offenbar einiges zu tun. #EuerPaul. 

Nur ein Thema kam in den Kurznachrichten des Vorsitzenden der größten politischen Jugendorganisation Deutschlands in der gesamten vergangenen Woche nicht vor: Chemnitz.

Hat die Nachwuchsorganisation von CDU und CSU zu den rechtsextremen Ausschreitungen keine Meinung? Wohl kaum. Am Sonntag äußerte Ziemiak sich schließlich doch noch:

In einer Nachricht fragte er, warum man bei einem Konzert gegen Rechtsradikale auch Musikgruppen einlade, die "Gewalt gegen Polizisten toll finden". Worum es dabei ging, zeigte das Bild dazu: Es zeigt eine Einladung zum Konzert "Wir sind mehr", das an diesem Montagabend in Chemnitz stattfindet. 

Offensichtlich wollte Ziemiak mit dem Bild in seinem Beitrag auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kritisieren, der das Protest-Konzert auf Facebook beworben hatte.

Wie sind die Reaktionen darauf?

Unter den anderen politischen Jugendorganisationen teilt bislang nur eine die Haltung von Ziemiak: Die AfD-nahe "Junge Alternative". Ihre Mitglieder kritisieren bereits seit Tagen, dass Steinmeier auf das Konzert in Chemnitz verwiesen hatte – ähnlich wie die Mutterpartei:

Einzelne Gliederungen nutzten den Facebook-Link für noch weitergehende, schrille Forderungen:

Bei den anderen Jugendverbänden lösten die Äußerungen von JU und JA dagegen bislang offenbar nur Kopfschütteln oder Desinteresse aus. 

Ein Mitglied der Jungen Liberalen und des FDP-Vorstands Berlin twitterte: 

Auch die Juli-Bundesvorsitzende Ria Schröder kritisierte die Reaktion Ziemiaks mit deutlichen Worten und stellte einen Zusammenhang zum sonstigen Auftreten der CDU in den vergangenen Tagen her:

Die Jugendorganisationen von SPD, Grünen und Linken haben sich bislang noch nicht zur Kritik der Jungen Union am Konzert geäußert. Alle drei Verbände hatten sich jedoch schon in der vergangenen Woche zu den Ausschreitungen in Chemnitz klar positioniert.

Warum gibt es Kritik an dem Beitrag?

Wie die beiden "Juli"-Vertreter kritisieren auch viele andere Menschen die Äußerung Ziemiaks – vor allem deshalb, weil er in der Woche davor nichts zu den Vorfällen in Chemnitz gesagt hatte:

Auch der junge CDU-Politiker Christian Reinboth kritisierte die Haltung des eigenen Nachwuchsvorsitzenden:

Warum gibt es um "Feine Sahne Fischfilet" so viele Diskussionen?

Der angekündigte Auftritt der Punkband hatte schon in der vergangenen Woche für Kritik gesorgt, zumindest bei konservativen und rechten Politikern und Medien. Viele verweisen darauf, dass die Gruppe von 2011 bis 2015 in den Berichten des Landesamts fürs Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern erwähnt wurde. 

Der Bericht unterstellte der Band eine "explizit anti-staatlichen Haltung" und das Ziel, die "staatliche Struktur aufzulösen". In den Texten werde Gewalt gegen Polizisten verherrlicht. Kritiker bemängelten jedoch schon damals, dass sich das Landesamt für Verfassungsschutz ausführlicher mit der Punkband beschäftigt habe als mit dem NSU (SPIEGEL ONLINE).

Die Mitglieder von "Feine Sahne Fischfilet" haben sich mittlerweile von einigen der in den Berichten erwähnten Texten distanziert und spielen sie inzwischen nicht mehr auf ihren Konzerten. Für die Band waren die Berichte durchaus auch Werbung. Inzwischen ist sie bekannt genug, um auf großen Festivals wie dem "Hurricane" zu spielen, es gibt einen Kinofilm, das jüngste Album stieg auf Platz drei in den Charts ein.

Geht von der Band eine Gefahr aus?

Die Texte von "Feine Sahne Fischfilet" sind oft so simpel wie die Akkorde der Songs. Trotz der eindeutigen Zeilen verstehen sich die Mitglieder nach eigener Aussage vor allem als Musiker: "Wir wollten nichts politisch bewegen, wir hatten einfach Bock auf Mucke", sagte Frontmann Monchi noch vor wenigen Jahren. 

Kritiker bezeichnten die Lieder unter anderem als "Rumpelpunk". Für sexistische Zeilen wurde die Gruppe auch schon von linker Seite kritisiert. Für die meist jungen Fans dürfte vor allem die Einfachheit der Text und die klare Haltung entscheidend sein. 

Auch wenn man "Feine Sahne Fischfilet" musikalisch und inhaltlich durchaus kritisieren kann, steht die Band bislang mit keinen Straftaten oder Angriffe auf andere Menschen in Verbindung – anders als manche der Kritiker, die in den vergangenen Tagen in Chemnitz und anderswo Stimmung gegen die Band gemacht hatten. 

Auf Twitter versuchten eine Nutzer, diese Perspektive auch Paul Ziemiak zu vermitteln:

Er erhielt bislang keine Antwort.


Today

Hier kannst du das #WirSindMehr-Konzert in Chemnitz im Livestream sehen
5 Dinge, die du zu dem Konzert wissen solltest

Am Montagabend findet das große #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz statt, zu dem schon bekannte Künstler wie Marteria & Casper oder Die Toten Hosen zugesagt haben (bento). 

Klar kann nicht jeder nach Chemnitz reisen, um das Konzert zu sehen. Doch zum Glück gibt es das Internet.