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Die Whistleblowerin über ihr Leben im Gefängnis – und den Weg in die Freiheit.

Es war ein umjubelter Auftritt: Das Publikum der Berliner Netzkonferenz re:publica feierte Chelsea Manning bei ihrem Besuch in der Hauptstadt frenetisch. Die US-Whistleblowerin, 30, ist zum ersten Mal seit ihrer Freilassung vor einem Jahr im Ausland unterwegs. Nach einem Bühnenauftritt konnte SPIEGEL ONLINE sie als erstes deutsches Medium interviewen.

SPIEGEL ONLINE: Frau Manning, Sie sind vor einem Jahr freigekommen, nach sieben Jahren Haft. Wie sah Ihr Start ins Leben in Freiheit aus?

Manning: Zuerst war da eine große Euphorie, auf meine Freilassung folgte eine Art Flitterwochen-Gefühl. Aber alle Dinge, die mich zu meinen Taten getrieben haben, sind während meiner Haftzeit noch viel schlimmer geworden. Also konnte sich nie das Gefühl einstellen, dass ich mich zur Ruhe setzen kann. Es gibt viele wichtige politische Fragen, die darauf warten, adressiert zu werden. Nicht nur in den USA, sondern weltweit. Und wir können damit nicht mehr warten.

Welche meinen Sie?

Wir erleben gerade das Erstarken von autoritären Regimen in der ganzen Welt in Russland, China, aber auch in Europa. Die technologischen Entwicklungen haben dafür gesorgt, dass der staatliche Überwachungsapparat um ein Vielfaches intensiver und gefährlicher ist als jemals zuvor. Militarisierung ist ein weiteres Problem: Unsere Polizei auf lokaler Ebene erinnert heute an militärische Einheiten. Unsere Aufgabe ist es jetzt, dagegen zu kämpfen.

Chelsea Manning

Chelsea Manning, 30 Jahre alt, ist eine US-Whistleblowerin. Als Obergefreiter Bradley Manning hatte sie vertrauliche Dokumente über die Kriege im Irak und Afghanistan an die Enthüllungsplattform WikiLeaks durchgestochen. Das über die Plattform veröffentlichte Video "Collateral Murder" sorgte 2010 für einen weltweiten Aufschrei. Manning wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis unterzog sie sich einer geschlechtsangleichenden Operation. Nach sieben Jahren Haft verkürzte der scheidende US-Präsident Barack Obama ihre Haftstrafe drastisch. Manning kam im Mai 2017 frei. Derzeit bewirbt sie sich für die Demokraten um einen Sitz im US-Senat.

Wie hat die Haft Ihr Leben beeinflusst?

Auch wenn es wichtige Aufgaben gibt, ist mir in den letzten Monaten zunehmend klar geworden, dass ich mich auch um mich selbst kümmern muss. Manchmal versuche ich einfach, das Gefängnis und mein letztes Jahrzehnt zu vergessen, weil es so einfacher ist für mich. Ich bin zu einer öffentlichen Figur geworden, und das Leben als solches ist ein ganz anderes als das, das ich vorher hatte im Gefängnis oder in der Armee.

Sie sind auf sozialen Netzwerken wie Twitter und Instagram sehr aktiv. War es schwierig für Sie, an die neue Technik Anschluss zu finden?

Ich habe das Internet früh entdeckt, Mitte der Neunzigerjahre. Emojis habe eigentlich auch damals bereits benutzt, nur waren das damals eben noch Emoticons. Damals war das Netz noch ein ganz besonderer Ort, dem wir eine befreiende Wirkung zugeschrieben haben. Aber je mehr das Internet sich in unserer Gesellschaft etablierte, desto mehr wurde es zum Verstärker bestehender Systeme.

Sie kriegen im Netz auch jede Menge Hass ab.

Nach allem, was ich erlebt habe, sind das Kinkerlitzchen. Ich wurde in einem Stahlkäfig in der Wüste gefangen gehalten und war für nahezu ein Jahr am Stück allein in einer Zelle. Trolle können mir nichts mehr anhaben.

Wie schalten Sie ab?

In einem Bereich meines Zuhauses (in Bethesda, Maryland, Anmerkung der Redaktion) sind keine elektrischen Geräte oder Smartphones erlaubt. So kann ich besser schlafen und mich konzentrieren. Ich mache außerdem Yoga und andere Fitness-Übungen, gehe Laufen oder mache auch mal eine Runde Hampelmänner. Ich habe auch verschiedene Spielekonsolen und spiele gerne alte Arcade-Spiele, "Tetris" zum Beispiel. Generell sind mir meine Freunde und meine Familie sehr wichtig. Das sind Menschen, die ich teils schon mein ganzes Leben kenne.

Sie sind eine der bekanntesten Whistleblowerinnen der jüngeren Zeit. Aktuell denkt die EU wie Deutschland  über neue Regeln nach, wie Whistleblower besser geschützt werden können. Was halten Sie davon?

Ich weiß von den aktuellen Überlegungen, aber ich habe Vorbehalte.

Welche?

Es ist problematisch, wenn wir dem Staat die Entscheidung überlassen, wer ein Whistleblower ist und wer nicht. Das gilt sogar dann, wenn eine Institution wie die EU entscheidet. Meine Angst: Je nach Regelwerk kann es dem Staat gelingen, bestimmte Informationen zu unterdrücken. Nehmen wir die USA als Beispiel: Dort gilt der sogenannte Whistleblower Protection Act, aber der Name ist irreführend. Diese Regelung wird heute als Waffe gegen Quellen und gegen Medien verwendet. Wer die vorgesehenen Wege einhält, wird zum Ziel der Strafverfolgungsbehörden. Übrigens...

Ja?

Ich mag die Bezeichnung Whistleblower gar nicht.

Warum?

Dadurch werden die Taten einer Person abgesetzt von anderen Formen der politischen Betätigung. Dabei ist die Unterscheidung nur künstlich. Ein Whistleblower tut im Kern das gleiche wie jemand, der auf der Straße gegen etwas protestiert. Es ist eine Form des zivilen Ungehorsams wie jede andere.

Der Skandal um Facebook und die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica wurde durch jemand losgetreten, der sich selbst als Whistleblower sieht. Was denken Sie über die Enthüllungen?

Wieso ist irgendjemand überrascht? Der Skandal spiegelt buchstäblich Facebooks Firmenleitbild wider. Solche Unternehmen sammeln viele Daten, um sie zu sortieren und ihr Wissen an Dritte weiterzuverkaufen. Der Skandal enthüllte keine Anomalie. Er zeigt eine Unausweichlichkeit. Weil Facebook, Google und andere Firemn eine symbiotische Beziehung mit der Regierung haben und alle den Status Quo aufrechterhalten wollen, wird sich daran auch nichts ändern.

Angenommen, Sie haben Recht und wir können nicht auf bessere Gesetze hoffen: Was sollten wir tun?

Wenn jeder Nutzer sein Facebook-Konto löscht, wäre das Geschäftsmodell am Ende. Aber es geht nicht nur darum. Software-Entwicklung und andere Tech-Experten haben eine ethische und moralische Verantwortung. Wir müssen zu einem ethischen Rahmen für unser Handeln kommen, einem Verhaltenskodex. Das ist sehr schwer, denn die Technik entwickelt sich ständig weiter und es gibt keine Universallösung, die für alle passt.

Programmieren Sie denn?

Ja, nebenbei. Ich arbeite mit Tensorflow (eine plattformunabhängige Open-Source-Programmbibliothek für künstliche Intelligenz, Anmerkung der Redaktion) und spiele gerade mit neuronalen Netzen herum. Das macht total Spaß. Dadurch lerne ich viel darüber, wie Maschinelles Lernen funktioniert. Dieses Feld wird immer wichtiger werden in unserer Gesellschaft und viel verändern. Deshalb ist es für mich als politische Aktivistin wichtig, diese Dinge zu verstehen. Technologie und Aktivismus gehen bei mir da Hand in Hand.


Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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Alec Baldwin ist wieder Donald Trump – dieses Mal mit pikanter Unterstützung
Ja, das ist sie wirklich.

Dass Donald Trump Präsident ist, hat bisher vor allem für schlechte Nachrichten aus den USA gesorgt. Klüngeleien mit der Waffenlobby, Twitter-Duelle mit Atommächten, eine Mauer nach Mexiko – auf all diese Dinge könnten wir getrost verzichten.

Doch ein Gutes hat seine Präsidentschaft: und zwar die Tatsache, dass der Schauspieler Alec Baldwin uns immer wieder mit seinen Trump-Imitationen bei "Saturday Night Live" unterhält. So kann man hin und wieder zumindest über den US-Präsidenten lachen – auch wenn einem das Lachen eigentlich oft im Halse stecken bleiben müsste.

Worum geht es dieses Mal bei Saturday Night Live?

Zurzeit macht Donald Trump vor allem mit der Stormy-Daniels-Affäre Schlagzeilen. Die Pornodarstellerin mit dem bürgerlichen Namen Stephanie Clifford behauptet, eine Affäre mit Donald Trump gehabt zu haben. Damit sie während des US-Wahlkampfs nicht darüber redet, soll ihr Donald Trumps damaliger Anwalt 130.000 Dollar Schweigegeld gezahlt haben.

Trump behauptete lange Zeit, von der Zahlung nichts gewusst zu haben. Doch vergangene Woche räumte er ein, seinem Anwalt die 130.000 Dollar sogar zurückerstattet zu haben – von der Zahlung wusste er folglich also auf jeden Fall. Das ist nicht nur deshalb brisant, weil es den US-Präsidenten erneut als Lügner enttarnt. Sondern auch, weil die Zahlung als illegale Wahlkampffinanzierung gelten könnte – schließlich sollte damit negative Berichterstattung über Trump abgewendet werden. (SPIEGEL ONLINE

Der Fall ist natürlich ein gefundenes Fressen für Baldwin alias Trump II. Und für seinen neuesten Auftritt gelang ihm ein besonderer Coup: Er gewann tatsächlich die echte Stormy Daniels für einen Gastauftritt – sie spielt, natürlich, sich selbst. 

Im Sketch lässt Trump seinen Anwalt Daniels anrufen, um "diese Angelegenheit ein für allemal zu klären". Trump will bei dem Telefonat einfach nur still und heimlich mithören – was ihm natürlich keine 10 Sekunden lang gelingt.

Hier ist der Clip: