"Die Füllfeder ist mächtiger als das Schwert"

Terroristen stürmen die Redaktion der Satirezeitung "Charlie Hebdo", töten insgesamt zwölf Menschen, darunter fünf der wichtigsten Karikaturisten Frankreichs – das war vor einem Jahr, am 7. Januar. Das Motiv der Attentäter: Die Zeitung hatte sich in Zeichnungen über den Propheten Mohammed lustig gemacht. Sie zielten auf die Meinungs- und Pressefreiheit.

Weltweit gedenken Karikaturisten der Anschlagsopfer

Die deutsche Tageszeitung taz veröffentlicht zum Jahrestag eine Sonderausgabe mit Karikaturen statt Fotos. Sie erscheint unter dem Namen "Karitaz" mit dem Slogan "Mehr Mut zum Mut". Auf zwölf Seiten haben Zeichner wie Klaus Stuttmann, Ari Plikat und Rattelschneck mit Karikaturen auf die Frage geantwortet, ob die Anschläge sie und ihre Arbeit verändert hätten.

Das französische Kultusministerium hat einen anderthalbminütigen "Clip für die Meinungsfreiheit" veröffentlicht. Er zeigt Zeichnungen von Kindern und Jugendlichen, die laut Ministerium "an die Werte der Republik und die unaufhörliche Notwendigkeit, sie zu verteidigen" erinnern sollen. Der Clip soll sowohl im Fernsehen als auch im Kino laufen.


Außerdem erscheint in Frankreich diese Woche noch ein Buch mit Zeichnungen von Kindern und Jugendlichen. Der Titel: "#JEDESSINE" - "#ICHZEICHNE". "Charlie Hebdo" bekam im Laufe des Jahres mehr als 10.000 Karikaturen zugeschickt. 150 sind in diesem Buch zu sehen.

Eine Auswahl:

Ich bin dein Vater. "Dein Vater" ist durchgestrichen und durch "Charlie" ersetzt.

Jeder Finger schreibt den Namen eines getöteten Karikaturisten.

Die Feder ist mächtiger als das Schwert.

Während sich die "Charlie Hebdo"-Überlebenden von Terroristen nicht einschüchtern lassen wollen und weiterhin mit deutlichen Karikaturen provozieren, haben andere Zeichner Bedenken bekommen. Sie fühlen sich durch den Anschlag auch angegriffen.

Der deutsche Karikaturist Burkhard Mohr sagt, er habe das Gefühl, seine Kollegen und er seien bei manchen Themen vorsichtiger geworden: "Der Anschlag war ein Knall, durch den eine Schockwelle nachhaltig durch die Köpfe geschwappt ist." Es habe sich in der Branche etwas verschoben. (Der Tagesspiegel)