Bild: Kay Nietfeld/dpa; Montage: bento
Und nein, es geht nicht um eigene "CDU-Influencer".

Vor zwei Wochen hat der YouTuber Rezo die CDU "zerstört", jetzt macht die Partei selbst damit weiter. Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer irrlichtert über Benimmregeln im Netz, andere CDUler pöbeln auf Twitter gegen Influencer, die Parteijugend schüttelt darüber nur noch den Kopf

Für den richtigen Umgang mit dem Netz scheint es in der CDU keine Strategie zu geben – bis jetzt.

Am Wochenende hat "C-Netz" ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie eine komplett neu gedachte Digitalpolitik aus dem Konrad-Adenauer-Haus fordert. "C-Netz" ist ein Verein, der sich mit der Digitalisierung beschäftigt und politische Antworten auf die Fragen unserer Zeit finden will. Die Mitglieder teilen gemeinsame Werte, die sich mit denen der CDU decken – viele sind selbst Parteimitglied. Trotzdem ist "C-Netz" unabhängig vom Konrad-Adenauer-Haus.

Eine der Ideen aus dem Papier hat schnell die Runde gemacht und für neue Häme im Netz gesorgt: Die CDU soll YouTuber suchen, die ihr nahestehen und diese aktiv unterstützen, um gegen all die eher linken Rezos im Netz bestehen zu können. Das wurde so missverstanden, als würde die CDU plötzlich Influencer kaufen wollen oder gar neue, eigene Kanäle aufbauen wollen.

Tatsächlich steht diese Forderung ganz anders im Papier. Die CDU solle nur eigene "meinungsfreudige Menschen" im Netz identiifizieren, die der Partei nahestehen und diese um Unterstützung bitten. 

Wer es dann das gesamte Digitalpapier durchliest, merkt: 

Es geht hier nicht einfach um konservative Influencer, sondern darum, Deutschlands piefige Politik endlich ins Digitale zu heben. 

Die Autorinnen und Autoren analysieren dabei genau, wo die CDU in Sachen Netzpolitik und Kommunikation versagt – und was sie künftig besser machen kann:

1 Gesetze müssen im Digitalzeitalter komplett neu gemacht – und gedacht –  werden.

Laut "C-Netz" fehlt der CDU vor allem das Vertrauen vieler Wähler. Nicht nur beim Klimaschutz, sondern vor allem bei der Digitalpolitik (Stichwort: Artikel 13), arbeitete die Partei bislang an den Interessen vieler Bürgerinnen und Bürger vorbei. Die Schreiber sind sich sicher, Politik passiert in Deutschland zu langsam:

"Die alte Logik, nach der man jahrelang ein Gesetzespaket vorbereitet, es dann mit einem Riesenpomp beschließt und glaubt, für die nächsten zehn Jahre gewappnet zu sein, ist lange vorbei."

Um näher an den Bedürfnissen der Wählerinnen zu sein, müsse Gesetzgebung neu gedacht werden. Der Bundestag soll bei neuen Gesetzen weniger Fabrik und mehr Start-up werden:

Kleine schnelle Schritte sind viel zielführender als der einzige große Wurf.
  • Soll heißen: "C-Netz" wünscht sich Gesetze, die immer wieder geupdatet werden können und so näher am Zeitgeist sind. 
  • Und es stimmt ja: In schnelllebigen Zeiten braucht es schnelle Antworten. Und flexiblere. 

2 Wahlkampf muss künftig im Netz stattfinden – und nicht länger auf Flyern.

Die CDU versteht sich als Volkspartei. Und legt daher viel Wert darauf, dort hinzugehen, wo das Volk iher Meinung nach ist: auf den Marktplatz. "C-Netz" will der Partei Marktstände und Flyerwerbung zwar nicht verbieten, macht aber deutlich, dass der Wahlkampf ins Netz gehört. Mit einem Infostand könne man nur Menschen an sich binden, die sowieso stehenbleiben – und man erreicht "im Idealfall" ein kleines Dutzend am Tag. 

Im Netz erreiche man hingegen je nach Thema genau die richtige Zielgruppe – und direkt Tausende. Also solle genau dort künftig der Schwerpunkt für den Wahlkampf liegen.

Kein Mensch unter 30 will Papier und Plakate, wohl aber digitale Botschaften smart verpackt.

Hier geht es den Autorinnen und Autoren auch darum, Influencer zu umwerben. Aber nicht, um einfach CDU-Promo zu betreiben. Die Partei müsse akzeptieren, dass die YouTuber unabhängig sind und die CDU gegenfalls auch kritisieren werden. Sondern, um endlich die Kanäle zu bespielen, auf die es im Netz ankommt. Selbstkritisch heißt es im Papier: "Auf dem alten Weg, mit eigenen CDU-Kanälen und Werbevideos aus dem Adenauerhaus, wird man kein Millionenpublikum erreichen. Nun, seien wir ehrlich, kaum jemanden."

  • Soll heißen: Die CDU soll endlich im Netz ankommen. Mit jeweils dem Humor oder der Ernsthaftigkeit, die einem Thema angemessen sind, vom Meme bis zum Tiktok-Talk. 
  • Und es stimmt ja: Vor allem die AfD hat mit emotionalen Sharepics viel Reichweite im Netz aufgebaut. Andere Parteien können sich das abgucken – nur dann mit positiven Botschaften statt mit Hass.

3 Politikerinnen und Politiker sollen wieder Augenhöhe lernen – und ihr Bundestags-Ego ablegen.

"C-Netz" wünscht sich von der CDU vor allem, dass die Partei die Spielregeln des Netzes lernt. Auch wenn das Rezo-Video von "Zerstörung" sprach, ginge es auf Social Media genau darum nicht. Sondern um ein echtes Miteinander, um ehrliches Zuhören. Rezo selbst lobt die Idee nun:

Im Bundestag mag gelten, dass man in einer Rede erst mal den politischen Gegner auseinandernimmt, auf Facebook und YouTube solle man sein Ego aber besser hinten anstellen: "Nein, gegenseitige Polemik ist das falsche Instrument. Ja, Antworten mit prägnanten Argumenten sind eine geeignete Replik."

Generell empfehlen die Autorinnen, Menschen im Netz wirklich mit Respekt zu begegnen und auch neue Formate offen anzunehmen. Also aktuelle Themen mit Humor präsentieren anstatt fünf Minuten lang von oben herab zu monologisieren.

Das Internet ist kein Fernsehen! Also nicht einer sendet und Millionen schauen zu. Das Internet ist ein vernetzter Dialogkanal.
  • Soll heißen: Wer von den Wählerinnen und Wählern von morgen gehört werden will, muss einfach nur schauen, welche Sprache sie sprechen.
  • Und es stimmt ja: Die CDU war mal die Partei, die den Konsens zwischen Millionen von Bürgern am besten hinbekam. Heute arbeitet sie am neuen Ort des Konsens – dem Netz – komplett vorbei.

Was heißt das nun? Wird die CDU plötzlich digital?

"C-Netz" hat hier nur wenig formuliert, was Kritikerinnen und Kritiker nicht schon längst sagen. Digitalisierung ernst nehmen, Politik auf Augenhöhe betreiben, im Netz daheim sein – das ist nicht revolutionär. 

Revolutionär ist aber, dass diese Kritik nun von CDU-Mitgliedern selbst kommt. "C-Netz" könnte so die Schnittstelle sein, die das Konrad-Adenauer-Haus braucht, um das Netz nicht länger als "Neuland" zu betrachten. Ob das Papier aber ernst genommen wird und nicht nur für Influencer-Witze herhalten muss, wird sich zeigen. 

Wenn es passiert, wäre das wahrscheinlich der Abschied für einige führende CDU-Politiker. Denn im Papier steht auch, dass es in der CDU schon viele geeignete, junge Menschen für die digitale Zukunft gebe – nur fehlt deren "personelle Kompetenz" eben bislang in der Führungsetage. 


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