Bild: bento/Yannick von Eisenhart Rothe

Wer soll nach Angela Merkel die CDU weiterführen? Wen wünschen sich junge CDUler und CDUlerinnen an ihrer Parteispitze? Wir haben bei der letzten Regionalkonferenz vor dem Parteitag am 7. Dezember nachgefragt.

Chiara Rubera, 19, Jura-Studentin

(Bild: bento/Yannick von Eisenhart Rothe)

Mein Favorit ist Friedrich Merz. Ich denke, dass er ziemlich "down to earth" ist, auch wenn es aufgrund seiner Aussage zur oberen Mittelschicht Negativschlagzeilen über ihn gab. Man kann ja nicht sagen: "Ich bin Oberschicht." Er hat sich halt diplomatisch ausgedrückt. Er hat Erfahrung und gute Kontakte in die Wirtschaft. Das ist wichtig für die Zukunft, Politik und Wirtschaft gehen Hand in Hand.

Ich habe ihn zweimal persönlich getroffen und er hat sich Zeit für mich genommen, obwohl er das eigentlich nicht nötig hat. Ich denke auch nicht, dass man ihm seine Politik-Pause vorwerfen kann. Durch seine Betrachtung von außen hat er neue Perspektiven gewonnen, die wertvoll sind. Vorstandsposten sind letztlich auch nur ein Beruf und jeder darf sich seinen Beruf selbst aussuchen.

Andreas von Reppert, 26, angehende Lehrkraft bei der Polizeiakademie Berlin

(Bild: bento/Yannick von Eisenhart Rothe)

Ich denke, dass Annegret Kramp-Karrenbauer aufgrund ihrer Erfahrung die beste Kandidatin ist. Für mich verkörpert sie kein "Weiter so". Sie ist zwar auf Wunsch von Merkel nach Berlin gekommen, setzt aber ihre eigenen Akzente. Zum Beispiel beim Thema Migration ist da ein klarer Kontrast zu erkennen. Bei ihrer Einstellung zur Ehe für alle hat sie meiner Meinung nach aber noch nachzuarbeiten, da stimmen wir nicht überein. In einer Volkspartei muss man aber eben ein breites Spektrum bedienen.

Friedrich Merz kommt für mich überhaupt nicht in Frage, da sage ich ganz klar Nein. Er kommt nach mehr als einem Jahrzehnt aus der Wirtschaft wieder zurück in die Politik und hat damit jetzt auf jeden Fall einen Interessenskonflikt. Jemand, der sich der oberen Mittelschicht zuordnet, obwohl er Millionär ist, ist für mich ein No Go. 

Ferdinand Rehder, 25, studiert Europastudien in Maastricht

(Bild: bento/Yannick von Eisenhart Rothe)

Ich finde Merz ganz gut. Ich schwanke zwar zwischen ihm und Kramp-Karrenbauer, denke aber, dass er das in den Vordergrund rückt, was unter Merkel ein bisschen verloren gegangen ist. Die CDU ist unter Merkel immer mehr in die Mitte und dann weiter nach links gerutscht. Ich glaube, Merz steht für eine konservativere CDU. 

Das Gute an der CDU ist, dass sie so viel ineinander vereinen kann, das betont Merz ja auch immer wieder. Liberale Standpunkte und konservative Standpunkte. 

Merkel hat in den letzten Jahren zu viele Kompromisse gemacht, wir brauchen wieder jemanden, der die Dinge ein bisschen härter angeht. Kompromisse braucht man zwar immer, die CDU ist aber zu profillos geworden. Merz steht zwar nicht unbedingt für Erneuerung, aber für ein Zurück zu dem, was die CDU einmal war.

Josephin Bretschneider, 19, Studentin der Politikwissenschaft

(Bild: bento/Yannick von Eisenhart Rothe)

Ich hab noch keinen Favoriten. Ich habe Annegret Kramp-Karrenbauer schon auf einer relativ kleinen Konferenz kennengelernt, die beiden anderen kenne ich nur aus den Medien, deshalb bin ich heute hier.

Man könnte mich heute überzeugen, indem man mir etwas Neues anbietet. Ich bin glückliches Mitglied der CDU, aber trotzdem gibt es viele Punkte, die an die heutige Zeit angepasst werden müssen, um vom aktuellen Stillstand wegzukommen. Zum Beispiel wünsche ich mir mehr Weiblichkeit in der CDU. Dafür müssen mehr Anreize geschaffen werden.

Philipp Dillmann, 20, BWL-Student, Kreisvorsitzender Charlottenburg-Wilmersdorf der Jungen Union

(Bild: bento/Yannick von Eisenhart Rothe)

Ich wünsche mir Friedrich Merz als Parteivorsitzenden. Vor allem, weil ich glaube, dass er am glaubhaftesten eine Erneuerung der Partei verkaufen kann.

Viele junge Leute in der CDU sind Merz-Fans, weil sie sich nach einem wortgewandten, charismatischen Vorgesetzten sehnen. Außerdem sind junge Menschen in den meisten Parteien ja etwas extremer als der Rest. Die Junge Union ist konservativer als die CDU, da ist Friedrich Merz der passende Kandidat. Seine klare Haltung zur Migrationspolitik der Vergangenheit und seine wirtschaftliche Kompetenz zeichnen ihn aus.

Seinen Rückzug aus der Politik kann man Merz nicht vorwerfen. Jeder hat das Recht dazu, mit einer Sache aufzuhören und andere Erfahrungen zu sammeln. Was seinen finanziellen Erfolg angeht: Der darf doch kein Hindernis für ein politisches Mandat sein. Dass er in verschiedenen Aufsichtsräten gearbeitet hat, spricht doch nicht gegen ihn. Das ist in meinen Augen kein schlechterer Job als jeder andere. 


Streaming

Wes Anderson in Reinform: Netflix zeigt jetzt "Grand Budapest Hotel"
Die restlichen Neuerscheinungen sind weniger symmetrisch.

Dank Netflix können wir in dieser Woche einen ganz besonderen Blick in die Vergangenheit werfen. In "Bridge of Spies - Der Unterhändler" muss Tom Hanks zwischen zwei gefährlichen Großmächten vermitteln und in "Monuments Men - Ungewöhnliche Helden" werden Kunsthistoriker zu heimlichen Helden des Zweiten Weltkrieges. 

Das polnische Netflix-Original "1983" verändert hingegen die Geschichtsschreibung und in "Grand Budapest Hotel" werden ein Concierge und sein Lobby Boy in ein rasantes Abenteuer verwickelt. Unser Lieblings Anti-Held "Deadpool" verspricht uns außerdem knallharte Action, scharfe Sprüche und schwarzen Humor vom Feinsten. 

Grand Budapest Hotel (Start 30.11.)