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"Das einzig Vorzeigbare von Kevin Kühnert: Abitur und Führerschein"

Angela Merkel will nicht mehr, diese jungen Abgeordneten dafür um so mehr. Die CDU muss nicht nur eine neue Parteichefin finden, sondern will sich auch erneuern – aber wie geht das? 

Wer könnte das besser beantworten, als der Parteinachwuchs? 

Wir haben vier junge Bundestagsabgeordnete gefragt, was sie sich jetzt wünschen. Alle sind sich einig: Eine Figur wie Kevin Kühnert bei der SPD brauchen sie nicht. 

Nikolas Löbel, 32, Mannheim

(Bild: Uli Deck/dpa)

Wenn wir junge Wählerinnen und Wähler gewinnen wollen, müssen wir uns um die Arbeitswelt von morgen, Digitalisierung und unser Familienbild kümmern.

Als Außenpolitiker bin ich viel unterwegs. Es kann doch nicht sein, dass ich vielerorts besseres Mobilfunknetz und W-Lan habe als in Deutschland. Wir müssen endlich den Ausbau von 5G und Glasfaser vorantreiben.

Wir müssen es Menschen in Deutschland ermöglichen, erfolgreich zu arbeiten und gleichzeitig eine Familie gründen zu können. Heutzutage ist das nicht nur mehr eine Herausforderung für die Frau, sondern auch für den Mann. Seine Rolle wird sich wandeln müssen: Ich muss als Mann einen ganz anderen Beitrag zur Familie und zum Haushalt leisten, als das noch mein Vater musste. Das bedeutet auch, dass wir als Politik andere Angebote machen müssen: mehr und flexiblere Betreuungsangebote und eine qualitativ hochwertige Bildung. 

„Mir ist klar, dass ich für diese Auffassung von Familie innerhalb der eigenen Partei Überzeugungsarbeit leisten muss.“

Mich wundert es immer, dass Kevin Kühnert als die Hoffnung der SPD dargestellt wird. Wenn das die Hoffnung der SPD ist, möchte ich erst gar nicht wissen, wie Verzweiflung aussieht.

Wir haben ganz viele unterschiedliche Köpfe. Ich finde, Jens Spahn ist der profilierteste Bundesminister in der Großen Koalition, er will die Gesundheitsversorgung und Pflege wirklich verbessern. Friedrich Merz kann meiner Meinung nach pragmatisch Dinge erklären und Visionen entwickeln. Früher sagte er mal, es muss doch möglich sein, in Deutschland seine Steuererklärung auf einem Bierdeckel zu machen. Heute wäre es wohl eher das iPhone. Annegret Kramp-Karrenbauer hat große Stärken, aber ich glaube, dass die Wählerinnen und Wähler nach Angela Merkel auch einen neuen Politikstil wollen.

Merkel war die richtige Frau zur richtigen Zeit, aber ich hab in den letzten Monaten und fast schon Jahren gemerkt, dass der Wunsch nach Erneuerung immer größer wurde. 

Kai Whittaker, 33, aus Baden-Baden

(Bild: Gregor Fischer/dpa)

Ich bin Merkel dankbar, dass sie unsere Partei so lange erfolgreich geführt hat und uns jetzt gleichzeitig dazu zwingt, die CDU neu aufzustellen.

Wir haben nicht die Mechanismen, um schnell neue Ideen zu entwickeln und Antworten auf akute Probleme zu finden. Wir haben zu viele Gremien.

Wenn wir mehr junge Wählerinnen und Wähler erreichen wollen, dann müssen wir alle Gesetze künftig hinterfragen: Was hat das für Auswirkungen auf junge Leute oder Menschen, die heute noch gar nicht geboren sind? Das machen wir noch zu wenig.

Die CDU muss sich fragen, was "christlich-sozial" eigentlich heißt in einem Land, in dem jeder Zweite nicht mehr Mitglied einer Kirche ist. Für mich heißt das: Respekt, Anerkennung und Einbindung. Für andere Parteien heißt das: Es gibt per se gute Menschen, die in Deutschland geboren wurden, und es gibt per se schlechte Menschen, die aus dem Ausland kommen. So eine Debatte darf bei uns in der CDU keinen Platz haben.

Eine zentrale Frage für mich: Wie schaffen wir es, einen Großteil der Leute an der Entwicklung des Vermögens zu beteiligen? Die Digitalisierung verschafft wenigen Leuten sehr viel Vermögen. Wir reden immer nur über die Schere zwischen Arm und Reich, aber nicht über Lösungen.

Zum Beispiel bei der Altersvorsorge: Ich möchte, dass der Staat Geld anlegt, um einen Teil der Rente auch daraus zu finanzieren.

Ronja Kemmer, 29, Ulm

(Bild: Achim Melde / Deutscher Bundestag)

Wir müssen jetzt die Themen ansprechen, über die sich junge Leute Gedanken machen. Wir haben bei den Landtagswahlen in Hessen und Bayern gesehen, dass die jüngere Wählergruppe weniger Zustimmung für die Union geäußert hat.

Konkret bedeutet das, über bezahlbaren Wohnraum zu sprechen, bei Digitalisierung und Bildung voranzukommen: Es gibt einen generellen Trend zur Akademisierung, aber wir sollten auch wieder stärker über die duale Ausbildung sprechen.

Besonders wichtig ist jetzt, dass wir nicht immer nur langfristig denken, sondern auch schnell handeln. Viele junge Leute machen sich erst mal über die nächsten drei bis fünf Jahre Gedanken und noch nicht darüber, was in 20 Jahren sein wird.

Dass der Streit innerhalb der Union und der GroKo junge Leute nicht gerade angesprochen hat, ist klar. Aber wir haben auch junge Abgeordnete, nur müssen wir sie stärker in der Partei präsentieren. Erneuerung gehört in der Demokratie immer dazu, deshalb ist Merkels Schritt auch der Richtige.

Marian Wendt, 33, Torgau

(Bild: Jörg Carstensen/dpa)

Wir müssen jetzt beweisen, dass wir nicht mehr die alte, verstaubte Partei sind. Das geht mit jungen Themen:

Für mich ist Familie dort, wo Eltern für Kinder und Kinder für Eltern Verantwortung übernehmen. Außerdem sehe ich nicht nur in meinem Wahlkreis, dass junge Menschen im digitalen Zeitalter oftmals auch einfach überfordert sind. Sie suchen nach Orientierung, ihnen ist ein Heimatgefühl und Zugehörigkeit wichtig – deshalb glaube ich auch, dass eine allgemeine Dienstpflicht jungen Menschen Halt geben kann.

Junge CDU-Wählerinnnen und CDU-Wähler sollen genau diesen Konservatismus – gepaart mit den Themen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, Nachhaltigkeit und Klimawandel – bei uns finden.

Nachdem Merkel ihren Rückzug angekündigt hat, ist jetzt Raum für Neues. Einerseits empfinde ich Respekt für diesen Schritt, ein anerkennendes "Wow" für Merkel, bisher lief das noch nie so glatt ab. Andererseits habe ich viele Mails bekommen, in denen mir Menschen schreiben, dass die CDU nun endlich wieder wählbar ist.

Ich glaube, dass Jens Spahn jemand ist, der junge Leute begeistern kann und gleichzeitig politische Erfahrung hat. Bei Friedrich Merz fehlen mir im Moment noch die konkreten Ideen, aber das wird der Wahlkampf zeigen.

Um junge Wähler zu begeistern, brauchen wir nicht nur ein einzelnes Aushängeschild. 

„Ich weiß nicht, ob Kevin Kühnert, der mit 29 als einzig Vorzeigbares bisher ein Abitur und den Führerschein vorzuweisen hat, als Vorbild für junge Menschen dienen sollte.“
Marian Wendt

Haha

Heiko Maas trägt jetzt Lederjacke – die 14 besten Memes

Heiko Maas gibt eine Pressekonferenz und das Land redet über sein Outfit. Zusammengefasst: Der deutsche Außenminister hat jetzt die Lederjacke für sich entdeckt.

Eigentlich ging es um die Klausursitzung, die der SPD-Vorstand am Sonntag gehalten hat. Nach den Wahlniederlagen in Bayern und in Hessen muss sich die SPD überlegen, wie sie nicht weiter abstürzt. Aktuell würden nur noch knapp 15 Prozent der Deutschen die Partei wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. (SPIEGEL ONLINE)

Ralf Stegner betonte, dass die Große Koalition ihr Erscheinungsbild "drastisch und rasch" ändern müsse. Heiko Maas nahm das offenbar wörtlich und präsentierte seinen neuen Look der Presse.

Eines ist der SPD damit schon mal gelungen: Man redet wieder über sie. Aber wie viele Stimmen kann man mit einer Lederjacke gewinnen? Viele finden es eher peinlich.

Wir haben die 14 witzigsten Memes für euch gesammelt.

1 Hat er sich von den Simpsons inspirieren lassen?