Es ist ein absurdes Bild: Polizisten stehen am Strand und zwingen Frauen, sich auszuziehen. Die Fotos stammen aus Nizza, wo seit vergangener Woche ein Burkini-Verbot gilt.

Seitdem patrouillieren Polizisten und halten Ausschau nach dem Ganzkörper-Badeanzug. Wer das Verbot nicht beachtet, muss 38 Euro Strafe zahlen.

Nun berichtet der "Guardian" von einem Fall an der Promenade des Anglais in Nizza. Vier Polizisten forderten am Dienstag eine Muslima auf, ein langarmiges Oberteil auszuziehen. Unter Burkini-Verbot scheinen nun auch alle Körperbedeckungen zu fallen.

Andere Videoaufnahmen aus Nizza zeigen, wie Polizisten auf Frauen warten, die aus dem Wasser steigen.

In Cannes gab es ähnliche Vorfälle. Dort musste eine Mutter von zwei Kindern eine Geldbuße zahlen, weil sie Leggings, eine Tunika und ein Kopftuch trug. Auf ihrem Strafticket stand als Begründung, dass sie kein Outfit trug, "das nicht guten Moralvorstellungen" entspreche, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet.

"Ich saß mit einer Familie am Strand", sagte die 34-jährige Siam.

"Ich habe ein klassisches Kopftuch getragen. Ich hatte nicht die Absicht, schwimmen zu gehen."

Ein Beobachter schilderte die Szene: "Das Traurigste war, dass die Menschen 'geh nach Hause' riefen, einige haben applaudiert." Und die Tochter habe geweint.

Seit Juli ist der Burkini an der französischen Mittelmeerküste in fast einem Dutzend Gemeinden verboten worden, außerdem an mehreren Stränden in anderen Landesteilen. Manche muslimische Frauen tragen ihn, wenn sie sich verhüllen wollen.

Die Bürgermeister begründen ihre Entscheidung damit, dass Frauen mit Burkinis ihre religiöse Zugehörigkeit offen zur Schau stellen. Wegen der nach den islamistischen Anschlägen angespannten Stimmung in Frankreich könne dies "Störungen der öffentlichen Ordnung" auslösen (watson.ch).

Im Islam gilt es als gotteswürdig, sich nicht zu sehr zu entblößen, das gilt für Männer und Frauen. Tatsächlich empfiehlt der Koran aber Frauen nur eine einfache Kopfbedeckung – nicht, wie viel sie verhüllen sollen. Über die Jahrhunderte haben sich in muslimisch geprägten Ländern so sehr unterschiedliche Kleidervorschriften entwickelt. Einige, wie der Iran und Saudi-Arabien, erlegen Frauen strenge Bekleidungsvorschriften auf – und zwingen sie zum Kopftuch.

Das Burkini-Verbot und die Kontrolle der Polizisten erinnert nun an diese Sittenwächter – nur eben mit umgekehrten Vorschriften. Die Bilder werfen Fragen auf: Bedeutet, in einem freien Land zu leben, wirklich, dass Polizisten die Kleidung muslimischer Frauen kontrollieren?

Von uns verpixelt(Bild: Twitter )

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Musik

Nach Schießerei: Xatar hat sich der Polizei gestellt
Eine entscheidende Frage ist aber immer noch unbeantwortet.

Rund eine Woche nach einer Schießerei in Köln hat sich Rapper Xatar den Ermittlern gestellt. Er erschien mit seinem Anwalt bei der Polizei in Köln. Nach einer Befragung wurde er gegen Kaution entlassen – er muss also nicht in Untersuchungshaft.

Die Polizei geht davon aus, dass er nicht an der Tat beteiligt war. Er soll sich aber in der Nähe aufgehalten haben. Da er außerdem mit den mutmaßlichen Tätern in Verbindung steht, wird auch ihm versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Was war noch einmal passiert?

Vor einer Shisha-Bar in Köln war es zu einer Auseinandersetzung gekommen, dabei wurde ein Mann schwer verletzt. Er wurde verprügelt und mit Messern angegriffen. Zudem schlugen ihm die Angreifer mit einem Gegenstand die Schädeldecke ein. Auch Schüsse fielen.

Bereits schwer verletzt gelang es dem Opfer, sein Auto zu erreichen und vom Tatort zu fliehen. Wenige Straßen weiter stoppte ihn die Polizei. Den Beamten war das Fahrzeug aufgefallen, weil es eine zertrümmerte Scheibe hatte und nur noch auf Felgen fuhr.