Bild: dpa/Sven Hoppe
Wie viele Fälle es gibt und wie die Truppe darauf reagiert

Ein Soldat der Gebirgsjäger soll über Monate von Kameraden und Vorgesetzten sexuell belästigt worden sein. Das wurde jetzt aus einem Brief des Verteidigungsministeriums an den Bundestag bekannt (SPIEGEL ONLINE). Und viele Medien schreiben: "schon wieder" ein Skandal in der Bundeswehr.

Schon wieder? Die verteidigungspolitische Sprecherin der Linkspartei, Christine Buchholz, spricht von einem "systemischen Problem bei der Bundeswehr". Zwischen 2015 und 2016 sei die Zahl der beim Wehrbeauftragten gemeldeten sexuellen Belästigungen um 50 Prozent gestiegen (BR).

Wie viele Fälle sind in den vergangenen Jahren bekannt geworden? Und worum genau geht's im jüngsten Fall? Die wichtigsten Antworten:

1. Worum geht es im Fall des Gebirgsjägers?

Es soll sich um den Obergefreiten G. handeln, der angibt, fast ein Jahr lang genötigt und sexuell gemobbt worden zu sein. G. war in der Zeit von November 2015 bis September 2016 bei der 4. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 im bayerischen Bad Reichenhall.

In dem Schreiben des Verteidigungsministeriums heißt es, er sei dort "mehrfach diskriminiert sowie verbal und tätlich sexuell belästigt und genötigt worden". G. hatte sich bereits im Oktober 2016 an den Wehrbeauftragten gewandt – gegen 14 Beschuldigte wird nun ermittelt. Darunter sind zwei Feldwebel und zwei Unteroffiziere.

2. Welche anderen Fälle sind bekannt?

Es gibt einige Zwischenfälle in den vergangenen Jahren – nicht alle handeln jedoch von sexuellen Praktiken:

Das sind die größten Skandale der Bundeswehr

Im Januar 2017 waren schwere Misshandlungsvorwürfe aus einer Ausbildungskaserne im baden-württembergischen Pfullendorf bekannt geworden. In der Kaserne soll es sexuell-sadistische Praktiken sowie Gewaltrituale gegeben haben.
Im November 2010 stürzte eine 25-jährige Offiziersanwärterin auf dem Segelschiff Gorch Fock in den Tod. Ein Vorgesetzter hatte sie zuvor gezwungen, in die Takelage zu klettern. Sie hatte angegeben, zu erschöpft zu sein. Kameraden versuchten danach, zu meutern.
Im Februar 2010 werden Aufnahme-Rituale aus einer oberbayerischen Kaserne bekannt. Neulinge müssen unter anderem rohe Schweineleber essen. Kurz darauf berichten andere Soldaten von ähnlichen Praktiken.
2009: Der Oberst Georg Klein befiehlt in Afghanistan den Abschuss zweier Tanklaster durch Kampfjets – obwohl die Lage unsicher ist. Mehr als 100 Menschen, darunter Kinder, kommen ums Leben. Der damalige Verteidigungsminister muss zurücktreten.
In einer Kaserne bei Zweibrücken müssen sich 2006 zwei Unteroffiziere vor anderen nackt ausziehen. Dann wird ihnen Obst zwischen die Pobacken geklemmt – und mit einem Paddel draufgeschlagen. Ein verantwortlicher Hauptmann wird später zu einer Geldstrafe verurteilt.
Ebenfalls in Afghanistan haben 2004 Soldaten mit einem Totenschädel für Bilder posiert. Auf einem Foto zeigt ein Soldat seinen Penis, den Schädel hält er daneben. Die Bilder gelangten zwei Jahre später an die Öffentlichkeit.
Auch 2004: In der Freiherr-vom-Stein-Kaserne in Coesfeld durchleben Rekruten möglichst authentisch eine Geiselnahme – dabei werden sie gefesselt, getreten und geschlagen.
1996 taucht ein Video vom Truppenübungsplatz Hammelburg auf. Darin stellen Soldaten Hinrichtungs- und Vergewaltigungsszenen nach, einer zeigt den Hitlergruß. Ermittlungen können später nichts Bedenkliches erkennen.
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Wie geht die Bundeswehr damit um?

Ein Soldat aus Bad Reichenhall sprach mit bgland24.de über den Vorfall – und ärgert sich über seine Kameraden: "Mit Kameradschaft hat sowas nichts zu tun." Er glaubt allerdings, dass Schikanen und Nötigungen immer seltener werden: "Eigentlich wird sehr darauf geachtet, dass alles korrekt abläuft."

Auch die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich eingeschaltet – mit einem offenen Brief auf der Homepage des Verteidigungsministeriums. Darin fordert sie "respektvolle und menschenwürdige Umgangsformen".

Und sie berichtet von einem Belästigungsfall, der ihr zugetragen wurde: Eine Soldatin soll 2015 von einem Kameraden sexuell belästigt worden sein. Als sie es zur Anzeige brachte, konnte die Staatsanwaltschaft jedoch nichts Schlimmes erkennen.

Von der Leyen empört sich vor allem über die Begründung:

"Bei dem von Ihnen beschriebenen 'Imponiergehabe‘ des Beschuldigten (Posen, Muskelspiel, Aufforderung zum Sex, Griff an das Gesäß) ist jedoch nach allgemeinem (vorwiegend männlichem) Verständnis davon auszugehen, dass der Beschuldigte sein 'Interesse' an Ihnen damit kundtun und nicht, dass er Sie beleidigen wollte."

Von der Leyen nannte diese Interpretation "abenteuerlich und aus der Zeit gefallen". Sie würden Soldaten das Gefühl geben, dass Übergriffe okay seien.


Haha

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